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Montag, 12. September 2016

Die Zukunft der Arbeit, der Klimawandel und die Menschenrechte - eine Frage der Zuständigkeit?

Dauerhaft lächelnde Gesichter begegnen mir am Montagmorgen im Morgenmagazin; das einzige TV-Format, dass ich überhaupt noch ab und an sehe, da es so herrlich flach ist und daher für den Morgen geeignet ist. Manchmal allerdings ist diese Flachheit unerträglich. Während der Guardian und andere ernstzunehmende ausländische Medien über den Klimawandel berichten und konservative Großinvestoren bereits den Klimawandel zentral in ihre Entscheidungen mit einbeziehen, freut man sich in deutschen Medien über die Aussicht auf 34 Grad in der kommenden September-Woche (oder über die Möglichkeit zum Grillen noch im November).

Was hat dies aller mit der Zukunft der Arbeit und der Digitalisierung zu tun? Würde man als Journalist seinen Auftrag ernst nehmen (Aufklärung, Recherche, Information, Kommunikation - wobei ich mir beim letzten Punkt nicht mehr so sicher bin...), würde man jenseits der nationalen Grenzen mal schauen, was denn dort über meine eigenen Themen oder auch andere Themen, die mich aber irgendwie indirekt betreffen könnten, geschrieben wird.

Muss nun ein MoMa-Moderator über den Klimawandel informiert sein? Muss er darüber informiert sein, dass es einen direkten und unmittelbaren Zusammenhang zwischen Hitze und Sterberate gibt? Muss er darüber informiert sein, dass nur ein kleiner Teil der Bevölkerung an solchen Tagen die Möglichkeit, das "Badewetter zu genießen"?

Ich denke schon.

In der letzten Woche wies mich ein Twitter-Nutzer auf die Vielfalt der Themen in meinem Twitter-Profil hin und machte deutlich, dass er gar nicht wisse, wofür ich stehe. In meinem Profil sind Menschenrechte, die Zukunft der Arbeit und der Klimawandel genannt. Dieser Kommentar verdeutlicht das Problem, vor dem Politik und Medien heute stehen. Es ist der Zwang zur Vereinfachung; es darf nur jeweils ein Problem zur gleichen Zeit geben, es darf nur genau eine Lösung für dieses eine Probleme existieren (die am besten noch von genau einer Partei angeboten wird), es darf nur eine "verlässliche" Informationsquelle genannt werden und es muss Jemand geben, der für all das am Ende "zuständig" ist.

Demnach ist es also richtig, dass der MoMa-Moderator den Klimawandel nicht erwähnt. Er ist nicht zuständig, das Thema passt in dem Moment nicht und eine Lösung hat die Menschheit sowieso nicht. Damit handelt er konsistent in der Logik des Systems, bei dem er angestellt ist. Fein gemacht.

Das kann aber nicht die Zukunft der Arbeit und in diesem Fall des Journalismus sein. Wenn man für die Zukunft der Arbeit gewappnet ein will, um nicht von Robotern oder Algorithmen ersetzt zu werden, muss man sich auf Kreativität, Alleinstellungsmerkmale und Intuition konzentrieren. Das Ganze zu erkennen, die systematischen Zusammenhänge zwischen Klimawandel, der Zukunft der Arbeit und Menschenrechten zu sehen, bedeutet, seine Komfortzone der "Zuständigkeit" und der vergangenen formalen Bildung zu verlassen und sich eigenverantwortlich auf den Weg zu begeben.