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Montag, 9. Mai 2016

Hört auf zu kommunizieren!

Vor kurzem schrieb ein Mensch, der auf unserem externen Mail-Verteiler zur Organisation eines kleines externen Events stand - augenscheinlich genervt von zu viel zwischenmenschlicher Kommunikation - wir sollten doch bitte unsere Kommunikation einschränken. Statt glücklich darüber zu sein, dass er über den Stand der Orga jederzeit informiert war (immerhin sollten wir beide gemeinsam auf einem Panel sitzen), schrieb er also ihm nicht bekannten Mitmenschen, sie sollten aufhören miteinander kommunizieren.

Und Panik ergriff die Arbeitswelt 1.0 angesichts der kommunikativen Sintflut.

Foto: Ole Wintermann
Es ist immer wieder spannend, wenn sich Menschen, die aus welchen Gründen auch immer für das Thema "Zukunft der Arbeit" zuständig sind, ohne dies auch im eigenen Arbeitsalltag zu leben, beim ersten Schritt hinein in digital basierte Kommunikation überfordert fühlen und ihren Mitmenschen sogleich die Schuld an ihrem Unvermögen, modern zu kommunizieren, in die Schuhe schieben wollen.

Gern wird dann ersatzweise auch versucht, die Schuld am eigenen Unvermögen dadurch zu kaschieren, dass nach der Wollmichsau gefragt wird; es muss doch, so diese Mitmenschen, einfach das eine Tool geben, dass all diese Kommunikation zusammenführe. Wenn es das nicht gebe, so seien es doch die Giganten aus dem Silicon Valley, die bestimmt nur wollten, dass man die Übersicht verlöre. Nein, ich möchte in diesen Momenten nicht schon wieder an die Geschichte von Google Wave erinnern...

In dieser fehlenden Anpassungsfähigkeit spiegelt sich anscheinend die Unfähigkeit, mit moderner und immer alltäglicher werdender Komplexität umzugehen. Komplexität aufgrund schnellerer, umfangreicherer, inhaltlich relevanterer und globalisierter Kommunikation und Verhaltensweisen der Menschen ist inzwischen ein gelebter Alltagszustand der Menschen, die beruflich mal ab und an außerhalb ihrer Branche, ihrer Stadt, ihrer Firma oder ihres gewohnten Horizonts tätig sein müssen.

Die Lösung wäre, wenn man sich denn auf die Digitalisierung der Arbeit einließe, denkbar einfach. Lernt endlich, eure Kommunikation zu organisieren. Nutzt verschiedene Plattformen, Filter, Alerts, Apps und Dialoglogiken, um bedarfs- und sachgerecht auf unterschiedliche Kommunikationsanforderungen reagieren zu können. Lernt Relevantes von Irrelevantem zu unterscheiden. Nur weil irgendein ein Redakteur einer Papierzeitung einen Kommentar zu einem Thema X verfasst, muss das Thema X noch lange nicht relevant sein. So hat jahrzehntelange die symbiotische Kommunikation zwischen medialen Gatekeepern und politischen Entscheidern in der Bonner Republik funktioniert; diese Zeiten haben wir aber lange hinter uns gelassen. Relevanz ergibt sich heute auf anderen Wegen.

Slack oder auch Google Groups für die Projektkommunikation, Twitter als Alert- und Schnellzugriffskanal, Gmail als Urlaubskommunikation, Facebook für den fachbezogenen Dialog, Newsletter (in die man sich grundsätzlich nur selbst einträgt!!) zur projektbezogenen einseitigen Information oder relevanzbezogene Filterplattformen für ein gezieltes Gespräch zu einem Thema sind Elemente moderner Kommunikation, denen man sich entweder stellt oder die man verweigert, weil man meint, mit Outlook und der gedruckten Tageszeitung im heutigen Arbeitsalltag der Wissensarbeiter noch ausreichend weit zu kommen.

Ehemalige "Experten", die gegen Ende der 1990er Jahre immer noch keine Mail-Adressen besaßen, endeten irgendwann in Irrelevanz. Geschichte wiederholt sich.

P.S. Ein erster Einstieg (und daher nach wie vor eine Leseempfehlung) in den Abschied von Outlook u.ä. bot bereits vor Jahren der Blog von Luis Suarez: "Life without eMail".