.

.

Mittwoch, 6. Januar 2016

Spannende Publikation der GIZ zum Internet of Things (#IoT)

Oasen in der digitalen Wüste Deutschland

Dass Deutschland ein digitales Entwicklungsland ist, das es nicht schafft, eine moderne und für einen solchen Wirtschaftsstandort adäquate Breitbandversorgung aufzubauen, flächendeckend WLAN anzubieten und zur Zeit die Umwälzungen in der Auto-Industrie verschläft (wie anachronistisch das Wort "Diesel" inzwischen klingt, wenn man sich entsprechenden Berichte und Videos zu Tesla und Faraday Future anschaut) gehört inzwischen zur netzpolitischen Binsenweisheit.

Die Medien begleiten den rückwärtsgewandten und kulturpessimistischen Blick mit entsprechenden Begrifflichkeiten wie der "Weltregierung" Google und der "Datenkrake" Facebook, während sie anscheinend gleichzeitig nicht die Tragweite der digital bedingten Umwälzungen begreifen. Dass der damit einhergehende pauschalierende Alarmismus über den Verlust der angeblich ehemals existierenden "Datensouveränität" mehr Schaden als Nutzen anzurichten droht, hatte ich schon bei den Netzpiloten geschrieben.

Schaut man in die digitale Wüste Deutschland, so muss man daher jede Technik-Oase zu schätzen wissen, die sich ab und an offenbart und Grund zu einer gewissen Resthoffnung gibt. Solch eine Oase - wenn auch sehr klein - habe ich überraschender Weise in einer gedruckten Broschüre der Deutschen Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) entdeckt. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass die Broschüre mit Unterstützung des großartigen betterplace.lab zustandekommen ist.




Spannende GIZ-Aussagen zum IoT im Gesundheitssystem

Die GIZ hat sich darin mit dem "Internet of Things" (IoT) beschäftigt. Und man fragt sich unweigerlich: Wie kommt eine dem Ministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung untergeordnete GmbH zu einem solch spannenden Themenkontext? Wirft man einen Blick in die Broschüre, so reibt man sich schnell verwundert die Augen und stellt erneut die Frage, ob mit den dortigen Aussagen denn nicht gegen irgendwelche Richtlinien oder politischen Leitlinien (Achtung Datenkraken!) verstoßen worden ist.

Die Broschüre schreibt dem IoT drei wichtigen Funktionen in der Entwicklung nachholender Volkswirtschaften zu: IoT kann Defizite der öffentlichen Infrastruktur ausgleichen helfen, es kann Märkte und Dienstleistungen Zielgruppen näherbringen, die bisher zu weit von zentralen Orten in diesen Ländern entfernt gewohnt haben und es kann natürlich auch die wirtschaftliche Produktivität erhöhen.

Die mit den wachsenden Mega-Cities bedingten ökologisch fatalen Begleiterscheinungen könnten durch besseres Ressourcenmanagement reduziert werden. Sensoren könnten - in Menschen implantiert (die Diskussion um die elektronischen Gesundheitskarte nimmt sich dagegen als reine Provinzposse aus) mit Hilfe entsprechender Algorithmen den Gesundheitszustand von Menschen in den sich entwickelnden Ländern, die besonders unter chronischen Krankheiten (HIV, Tuberkulose, Diabetes) leiden, überwachen.

So heißt es in der Broschüre:

"This richer source of data also puts doctors in a far better position to detect emerging problems to allow swifter intervention before the patient´s condition deteriorates, possible avoiding costly hospitalization. IoT enables patients to take an active roll in managing their own health."

Liest man diese Sätze, so möchte man lautstark zustimmen und fragt sich gleichzeitig, welcher Mechanismus politischer Korrektheit diese Aussagen in einer Debatte über die Digitalisierung des deutschen Gesundheitssystems bisher verhindert hat?

Wichtige Rolle des IoT bei der Bewältigung der Folgen des Klimawandels

Sensoren können, so die Autoren, helfen, die Kühlketten bei der Bereitstellung von Impfstoffen abzusichern. In der Landwirtschaft können GPS-gestützte Einsätze von Erntefahrzeugen, die Nutzung regionaler Wettervorhersagen oder ertragsgestützte Einsätze von Düngemitteln zu einer Steigerung des Ernteertrags auch kleinerer landwirtschaftliche Betriebe führen. Hier stellen die Autoren sogar einen Zusammenhang zum Klimawandel her und zeigen damit eine Perspektive, wie ich sie in der deutschen politischen Debatte um das IoT bisher nicht vernommen habe (mein Fehler?). Schließlich nennen die Verfasser der Studie Beispiele aus dem Katastrophenmanagement, wie die Nutzung der Sensoren für eine Mikro-Message-Kommunikation, die ausgefallene Mobilfunksysteme ersetzen könnten.

Asien sieht die GIZ dabei in der Entwicklung der IoT klar vor Europa, da die dortigen Regierungen sowie die Programmierer das Potenzial von IoT schon sehr viel deutlicher erkannt hätten.

Die Autoren der Studien empfehlen am Ende die Unterstützung lokaler Innovationscluster, um eine Entwicklung nahe an den Bedürfnissen der Zielgruppe zu gewährleisten. Des weiteren solle man auf PPP zurückgreifen (!) und nur offene Standards nutzen, um die Abhängigkeit von teuren Diensten großer Konzerne zu minimieren.

Nach der Lektüre habe ich mir gedacht: Es gibt Hoffnung!