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Freitag, 29. Januar 2016

#Futureofwork: Welchen Wert hat zukünftig Erfahrungswissen?

Die Angst geht um. Seien es Papiermedien, Öffentlich-Rechtliche oder die Retter der abendländischen Kultur wie Professoren, die vor dem erdachten Problem der digitalen Demenz warnen und die ich hier mit Sicherheit nicht verlinken werde; es wird gewarnt vor übermächtigen Robotern, geheimnisumwitterten Algorithmen und vor dem Austausch menschlicher Kreativität durch AI.


Offline Fixierte warnen vor den Mechanismen der AI und des Netzes, ohne selbst in diesem Netz zu agieren oder auch nur zu kommunizieren. Ich stelle mir vor, ich würde als Farbenblinder (der ich bin) anderen Menschen alle Farben erklären wollen. Vielleicht gehört es aber zu den Allmachtsphantasien mancher EntscheiderInnen in Wirtschaft und Politik, Experte/in in wirklich allen Bereichen des Lebens zu sein (besser: sein zu wollen).

Foto: Ole Wintermann
Mich interessiert aber nicht die veröffentlichte Mainstream-Einstellung einer extrem alten und schrumpfenden Gesellschaft über eine Innovation, bei der sie im weltweiten Maßstab in Zukunft vielleicht gar keine Rolle mehr spielen wird, da sie in Agonie versinkt, sondern der Blick nach vorn; wie können wir in Zukunft all diese daten- und technikbasierten Tools und Prozesse dahingehend nutzen, um die Welt ein kleines Stückchen besser zu machen.

Von daher war es außerordentlich spannend, dem Vortrag von Dominik Osterholt von der Google Digital Academy während des gestrigen Google-Workshops über die Zukunft der Arbeit zu hören (Dank an @wolfibey an dieser Stelle für seine Sammlung der Beispiele für den digitalen Rückstand des analogen Deutschlands).

Im Kern ging es um das Thema Adaptionsfähigkeit. Anhand der Darstellung der stetig kürzer werdenden Adaptionsraten neuer Konsumententechnologien verwies er auf die sich immer schneller ändernden Anforderungen an berufliche Bildung und auch schulische Bildung. Wissen veralte immer schneller (das an sich nichts Neues) und führe (das wird immer offensichtlicher und ist neu) zur digitalen Spaltung der Gesellschaft zwischen den Adaptionsfähigen und den bewusst offline bleibenden Menschen und Arbeitnehmern. Wichtig sei nicht die (technologische) Erfahrung aus der Vergangenheit sondern die eigene Offenheit und Adaptionsfähigkeit gegenüber neuen technischen und sich daraus ergebenden beruflichen Anforderungen. Das Problem, Osterholt, bestehe aus Sicht der Academy zur Zeit darin, dass die am einfachsten zu vermittelnden kognitiven Fähigkeiten diejenigen seien, die am ehesten durch IT zu ersetzen sind. Bestehende Berufsbilder könnten gar nicht so schnell offiziell verabschiedet werden wie sie neu entstünden.

Die meisten Arbeitsschritte bspw. bei der Durchführung einer Marketing-Kampagne seien inzwischen vollständig automatisierbar. Die Strategiefindung einer solchen Kampagne sei aber nach wie vor Kernkompetenz des Menschen im Vergleich zur Maschine. Um auf diesem Feld aber als Menschen gegenüber der Maschine zukünftig wettbewerbsfähig zu sein, müsse sich Ausbildung, schulische Bildung und Weiterbildung stärker auf die Kompetenzen des Lebens von Kreativität, der Fähigkeit zur Kollaboration und empathischen Kommunikation, des kritischen Denkens und der Bereitschaft zu einer beständigen Lernfähigkeit konzentrieren.

Wir können diese Empfehlungen entweder als Teil einer weltweiten Verschwörung der Konzerne aus dem Silicon Valley betrachten oder sie als gut gemeinten Weckruf aus dem analogen Tiefschlaf dieses Landes betrachten. Ich tendiere - und das ist kein Geheimnis - eindeutig zum Letzteren.