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Donnerstag, 11. Juni 2015

Für EntscheiderInnen sind automatisierte Mail-Funktionen gleich Arbeiten 4.0?

Wie sieht der Arbeitsplatz der Zukunft aus? Für manche Entscheider ist es die automatisierte Mail-Funktionalität, für andere die Mitbestimmung am Arbeitsplatz. Deutet sich ein Konflikt zwischen Alt und Jung an?

Eine Firma (Kyocera), die die digitale Verarbeitung von Dokumenten im Bürobetrieb als ihr Kerngeschäft ansieht, lässt eine Studie über das Büro der Zukunft (2025) erstellen. Was anderes kann dabei herauskommen als dass erstens auch in 2025 Unternehmen nach wie vor mit der klaren Abgrenzung zwischen Außen und Innen arbeiten, dass zweitens die digitale Verarbeitung von Informationen zentrales Element des Arbeitnehmers werden wird und dass drittens skalierbare Dienst-Apps, die aber der Haptik von Konsumenten-Apps entsprechen, immer wichtiger werden...

Studie: Der Arbeitsplatz der Zukunft - Future Business World 2025
Ich könnte jetzt auch mit Bezug auf die Methodik kleinlich kritisieren, dass auf die Frage (für die Studie wurden 709 "Information Worker" je zur Hälfte Nachwuchskräfte und seniore Entscheidungskräfte befragt) "Welche Innovation werden sie in 10 Jahren bei ihrer Arbeit einsetzen?" die folgende Antwortmöglichkeit angeboten wurde: "Vertrauliche Unternehmensinformationen sind an unberechtigte, externe Personen in den vergangenen 12 Monaten gelangt". Ich finde es spannend, diese Art von Leaks als Innovation der Zukunft zu bezeichnen (Es scheint sich um einen Zuordnungsfehler zu handeln).

Des Weiteren könnte man kritisieren, dass der Fokus der Studie auf genau der betriebswirtschaftlichen Sichtweise liegt (Effizienz, Effizienz, Effizienz), deren Widersprüchlichkeit uns Gunter Dueck auf der #rp15 erst gerade ausführlich vorgetragen hatte (Optimierung vs. Maximierung).

Also mal abgesehen von diesen Petitessen.... finden sich auch interessante Aussagen in der Studie.

Zentrale Rahmenbedingungen für die Arbeit 2025 sind (so die Studie):
  • Arbeitsmodelle, die sich konsequent nach den Bedürfnissen der Arbeitnehmer richten,
  • eine Ausrichtung der IT-Anwendungen an den "Arbeitsstilen" der Arbeitnehmer,
  • flache Hierarchien und mehr Mitbestimmung,
  • eine Gestaltung des unmittelbaren Arbeitsplatzes, die sich nach den Bedürfnissen der Arbeitnehmer richten und
  • der Zugang zu den Unternehmensnetzwerken absolut unabhängig von Ort, Zeit, Endgerät oder System.
Es kann davon ausgegangen werden, dass in 2025 die relativ meisten Arbeitnehmer (die Studie unterscheidet hier leide nicht nach Branchen) von zuhause aus arbeiten werden. Aber auch das Arbeiten im Freien, in Co-Working-Spaces oder in Cafes wird signifikant zunehmen.

Jeder zweite Befragte ist der Meinung, dass das Suchen, Teilen und Bearbeiten von Informationen signifikant an Bedeutung gewinnen wird. Dass das bei den Sponsoren einer solchen Studie nicht überrascht, ist selbstredend. Dass dann aber ganz direkt festgestellt wird, dass "deutsche IT-Verantwortliche" gegenüber Cloud-Lösungen "ausgeschlossener werden" und "Vorbehalte" zurückgegangen sind, lässt mehr aus durchscheinen, welche Interessen hinter der Studie stehen; dadurch müssen viele Aussagen leider relativiert werden.

Erstaunlich ist auch, dass auf die Frage "Welche Innovationen werden sie in 10 Jahren bei ihrer Arbeit einsetzen?", die meisten Befragten antworten "Automatisierte Ablage- und Antwortfunktionen in der E-Mail-Kommunikation" (auch die weiteren Antworten beziehen sich nahezu ausschließlich auf die technische Ebene des Arbeitsplatzes). Ist das wirklich die Innovation, die sich Nachwuchskräfte in 10 Jahren am meisten wünschen? Das Bild, dass sich hier von den EntscheiderInnen in den Unternehmens dieses Landes zeigt, gibt an dieser Stelle deutlich Anlass zur Sorge.

Im weiteren Verlauf geht die Studie auf die Cloud- oder auch Click-Worker ein, unterscheidet aber nicht konsistent nach verschiedenen Arten des Angestellten- oder Selbständigen-Status. Hier wäre es interessant gewesen zu erfahren, wie denn gerade die senioren EntscheiderInnen die Rolle von Arbeitnehmern und Unternehmen in Zukunft sehen. Von der Idee fluider Unternehmensformen sind die EntscheiderInnen anscheinend nach wie vor weit entfernt.

Interessant ist im Weiteren der Hinweis der Autoren, dass es zu Konflikten zwischen den senioren EntscheiderInnen und den Nachwuchskräften in der Frage des Datenschutzes kommen könnte. Die Autoren unterstellen den Jüngeren einen toleranteren Umgang mit den persönlichen Daten und stellen die These auf, dass diese Idee in die Unternehmen hineingetragen werden würde.

Der Unternehmenskultur wird die entscheidende Bedeutung bei der Beförderung von Innovationen zugeschrieben. So stellt die Studie fest (und setzte damit die Interessen der Älteren mit der Unternehmenskultur vorschnell gleich): "Jedoch erfordert die Umsetzung (von Innovationen) das Aufbrechen etablierter Strukturen, denn etablierte ManagerInnen werden nicht einfach so ihren Einfluss und Machtbereich einbüßen wollen".

Abschließend empfiehlt die Studie daher:
  • den proaktiven Umgang mit der Veränderung des Arbeitsplatzes durch den Arbeitgeber,
  • die Bedürfnisse der Mitarbeiter in das Zentrum der Arbeitsplatzentwicklung zu stellen,
  • den Mitarbeitern endlich den effizienten Umgang mit Informationen in deren Sinne zu ermöglichen und
  • HR- und IT-Verantwortliche an einen Tisch zu holen.
Sieht man von den methodischen Defiziten ab, so betont auch diese Studie wieder die Rolle und Partizipation der ArbeitnehmerInnen in einem Unternehmen der Zukunft.

Oder um es mit Tobias Kollmann zu sagen: