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Dienstag, 12. Mai 2015

#rp15 Rückblick (Teil 2 v. 3): Die digitale Karawane zieht weiter - an den Mäkelnden vorbei

Sollten wir noch auf Bedenkenträger hören?

Was haben wir digitale Enthusiasten uns den Mund fusselig geredet; Kommunikation macht Spaß, Digitales erleichtert die Arbeit, eBooks sind praktisch und helfen dem Verlagswesen aus der Krise, Open Gov ermöglicht mehr Partizipation, Open Data löst gesellschaftliche Probleme, soziale Medien bedeuten Empathie, die Online-Welt überwindet das anachronistische Meatspace-Modell nationaler Grenzen, usw. Allein: Was haben wir damit erreicht? Wir werden als "Taliban" und "Maoisten" diskreditiert.

Mein Vorschlag: Schenkt Denjenigen, die kein Interesse an neuen Sichtweisen haben und engagierte Innovatoren mit diesen menschenverachtenden Extremisten vergleichen, keine weitere Beachtung mehr. Wir sollten sie nicht zum Jagen tragen oder zum Glück zwingen. Zusammenarbeit und das Eintreten für eigene Positionen ist eine Frage der Haltung. Und eine Haltung kann man nicht erzwingen. Ich habe jedenfalls keine Lust, zum x-ten Male darüber zu diskutieren, ob Google oder Facebook Weltregierungen darstellen. Lasst uns nach vorn schauen und die grießgrämigen Kulturpessimisten weiter in ihren Totholzprodukten über den Untergang des Abendlandes räsonieren.

Alte Geschäftsmodelle: Ihr da draußen, wir hier drinnen
(Foto: Ole Wintermann)
Wie kann sich eine überwachte Zivilgesellschaft gegen Überwachung zur Wehr setzen?

M. C. McGrath hat in seinem Vortrag mit dem Titel "Watch the Watchers" mit einem einfachen Ansatz viel Bewunderung und Beifall bekommen. Er hat den Spieß der Überwachung umgedreht und eine Datenbank derjenigen Experten aufgebaut, die meinen, uns normale Durchschnittsbürger überwachen zu müssen. Sein Vortrag bestand aber nicht nur als LinkedIn-Profilfotos sondern auch aus etlichen anderen öffentlich verfügbaren, jedoch stark individualisierten Informationen. Das Tool kam insofern sehr gut an, weil in einfacher Weise der Überwachungsstaat ein Gesicht bekommt und fassbarer wird.

Darüber hinaus aber muss natürlich die Frage gestellt werden, wie sich Bürgerinnen in Demokratien dagegen wehren können, dass ihre Kommunikation und ihr Verhalten eventuell gleich durch mehrere Geheimdienste und Spähprogramme überwacht wird. Initiativen wie der #FakeDataDay oder Protestaktionen gegen die VDS und die umfassende Abschaffung der Netzneutralität zugunsten der Interessen einiger weniger großer Unternehmen sind ein guter Ansatz. Allein: es stellt sich die Frage, wieso diese Aktionen so dermaßen schlecht durch die agierenden politischen Akteure aufgenommen werden.

Aktuell informieren uns Teile der Medien gerade wieder darüber, dass Teile der deutschen Bundesregierung die deutsche Bevölkerung anscheinend über Monate hinweg angelogen hat. Ach liebe Politiker, und bei der nächsten Wahl fragt ihr euch, wieso wieder weniger Menschen zur Wahl gegangen sind. Really?

Wie können sich Bürger gegen Überwachung schützen?
(Foto: Ole Wintermann)

Die Botschaft vom Digitalen ist inzwischen alt. Wie aber sieht das Digitale in den Themenfeldern aus?

Die digitale Karawane zieht weiter, während die Führungsetagen der Unternehmen damit (vergeblich) glänzen wollen, das Digitale entdeckt zu haben. Im Übrigen ist es (unabhängig von der #rp15) schon spannend zu sehen, wie zentralisierte und hierarchische Führungskonzepte nicht mehr fähig sind, den aktuellsten Entwicklungen in ihren Branchen oder aber der digitalen Disruption und ihrer Auswirkung auf angestammten Absatzmärkte und Rollenverständnisse zu folgen. Das Digitale ist dezentral, hierarchieunabhängig, chaotisch, unkontrollierbar; alles Eigenschaften, die mit dem traditionellen "Führung"verständnis nicht mehr kompatibel sind (Stichwort weiter unten: #Arbeiten40).

Wie sieht es aber nun aus mit den anstehenden weiterführenden Fragen? Wenn Algorithmen und "Roboter" bis 2030 die Hälfte der menschlichen Jobs übernehmen, sollten wir uns vielleicht heute schon Gedanken über machen über ein technikkompatibles Steuersystem (Dank an @LSMueller für diesen Hinweis!) Wenn das Modell der Norm-Arbeitsverhältnisse in der digitalisierten Welt ausläuft; wie kann eine Arbeitslosenversicherung aussehen, die dem Rechnung trägt? Wie hoch sind die Einsparpotenziale, die durch Anwendung von digitaler Unterstützung in der Altenpflege (Achtung: Demographischer Wandel!) entstehen werden? Wie sieht eine intelligente Straßeninfrasstrukturplanung aus, die zunehmend Sensoren im Straßenbau einsetzen könnte? Wie muss unser Schulsystem und das System der Weiterbildung in einer Welt des globalisierten (Online-) Arbeitsmarktes ausgestaltet sein?

Die alte Welt möchte sichtbar bleiben
(Foto: Ole Wintermann)
Fortsetzung folgt....

Teil 1 des Rückblicks