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Sonntag, 8. Februar 2015

Cyberwaffen für den Krieg im Meatspace

How the CIA made Google

Dass die veröffentliche Debatte in den letzten Monaten für Google nicht zum besten stand, konnte man den entsprechenden Traditionsmedien ja zur Genüge entnehmen. Während aber dieser Kritik leicht mit dem Hinweis begegnet werden konnte, dass geschäftliche Interessen im Hintergrund dieser Kritik standen, sind die Erkenntnisse, die Nafeez Ahmed für seinen Artikel "How the CIA made Google" zusammen getragen hat, schon deutlich fundierter. Man könnte auch anders herum formulieren; Google muss seine Vergangenheit aufarbeiten, wenn das Unternehmen nicht ständig an den Geburtsfehler, von der CIA finanziert worden zu sein, erinnert werden möchte.

"... this joint CIA-NSA program partly funded Sergey Brin to develop the core of Google, through a grant to Stanford managed by Brin’s supervisor Prof. Jeffrey D. Ullman"

Die Reaktionen auf den Artikel haben nicht lange auf sich warten lassen und zeigen, in welch guter Weise Ahmed recherchiert zu haben scheint. Ein Blick auf seinen umfangreichen Artikel und die Updates lohnt auf jeden Fall.

Da passt es leider gut ins Bild, dass Google erst jetzt bekannt gegeben hat, den Mail-Verkehr von Sarah Harrison und einigen anderen WikiLeaks-Mitarbeitern bereits 2012 an das FBI übergeben zu haben, wie der Guardian aktuell berichtet. Die Luft für Google wird zunehmend dünn und erschwert zunehmend den Blick der Konsumenten auf die nach wie vor interessanten und vielseitigen Dienste des Unternehmens. Sowohl gegen Print-Traditionalisten als auch Aktivisten bestehen zu müssen, stellt kommunikationstechnisch sicher eine große Herausforderung für die Verantwortlichen dar. Man darf gespannt sein, wann das Unternehmen darauf reagiert.

Skype als Waffe im Meatspace-Krieg

Microsoft muss sich zum wiederholten Male fragen lassen, warum Skype nicht nur für eine Massenüberwachung friedlicher Bürger genutzt wird sondern auch als Waffe gegen regimekritische Aktivisten in Syrien missbraucht werden kann. Anita Gohdes hatte auf dem #31c3 bereits ausführlich auf die Nutzung des Netzes durch das Assad-Regime, um Kritiker zu identifizieren und hinzurichten, hingewiesen. Der Vortrag mit dem Titel "Information Control and Strategic Violence" ist empfehlenswert als kleiner Nachhilfeunterricht für Offliner, die meinen, man dürfe nur mit Klarnamen im Netz unterwegs sein.


Nun sind auf Techworld.com nähere Angaben zum Umfang der Überwachung mit Hilfe von Skype gemacht worden. Techworld.com hatte bereits vor 2 Jahren auf die Gefahr hingewiesen, die die Arbeit der Kämpfer gegen das Assad-Regime mit Hilfe von Skype eingingen. Bei dem jetzt bekannt gewordenen Angriff der Regime-Vertreter sind über 12.000 Kontakte, 200.000 Nachrichten und 31.000 Konversationen von Assad-Kritikern geleakt worden. Informationen, die, wie Anita Ghodes deutlich gemacht hatte, genutzt werden, um Kritiker gezielt hinzurichten. 

Welche Verantwortung ergeben sich daraus zwangsläufig für westlichen Firmen, die Soft- und Hardware nicht ausreichend gegen solchen Missbrauch schützen bzw., die mit ihren Produkten sogar noch dabei helfen, politische Kritiker in solchen Regimen zu exekutieren? 

Die deutsche Ausgabe von Wired.com stellt in einem Artikel über die Aktivität deutscher "Sicherheitsfirmen" im Kontext der Lieferung von Überwachungssoftware in autoritäre Regime fest: 

"Die Firma hat offenbar kein Problem damit, dem Regime Werkzeuge zur Verfolgung von Dissidenten und Homosexuellen zu liefern. (...) Die Bundesregierung griff der Branche lange Zeit bereitwillig unter die Arme."