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Mittwoch, 10. September 2014

Sodele - jetzetle oder die Angst des Zahnarztes vor der Bewertung

Dies ist ein Gastbeitrag von @DRJDeppe, der sich als Zahnarzt zunehmend mit der Frage der Datensicherheit und des Datenschutzes in Gesundheitswesen Gedanken macht und hier an dieser Stelle schon einmal zu den Sicherheitslücken bei der Datenübertragung geschrieben hat. Die gestrige Vorstellung der Apple Watch und die immer beliebter werdenden Apps und Dienste zur Überwachung der Vital-Funktionen verstärken den Bedarf an Klärung von rechtlichen Grauzonen. Dass in dem Mix von Datenschutz, Schweigepflicht, BigData vs. ärztlicher Autorität, dem Internet als alternatives gesundheitliches Info-Medium letztlich auch das Verhältnis Patient-Arzt einer Neudefinition bedarf, machen die folgenden Überlegungen des Autors zum Thema Bewertungsportal deutlich. Es wäre gut, wenn sich die Ärzteschaft zunehmend dieses interdisziplinären Perspektiven ggü. öffnen würde. Dabei können beide Seiten nur gewinnen. 

Foto: Jochen Deppe

Sodele - jetzetle oder die Angst des Zahnarztes vor der Bewertung

Abends, vor ein paar Tagen, Diskussion mit geschätzten Kollegen über ein Ärztebewertungsportal.

Ignorieren oder Mitmachen? Hinnehmen oder aktiv werden?

Es entsteht, auch bei der andernorts geführten Diskussion der Eindruck, daß wir als Ärzte diese Portale am liebsten gar nicht hätten. Für unsere Patienten hingegen dürften sie, gut gemacht, eine wichtige Quelle der Information und Entscheidungsfindung sein und zunehmend wichtiger werden.

Net gschimpft is globt gnua

Ein Patient, der mit seinem Behandler zufrieden ist, wird vermutlich weniger Neigung zeigen, diese Zufriedenheit zu dokumentieren als der, der unzufrieden, enttäuscht oder schlecht behandelt worden ist. Das ist eine der Grundannahmen, der wir Ärzte uns stellen müssen.

Die andere ist, daß unser Arztgeheimnis es uns schwer macht, dieselbe Offenheit wie unsere Patienten nutzen zu können. Anders gesagt: während die Interaktion in der Praxis in beide Richtungen offen ist und eine Begegnung auf Augenhöhe stattfindet, kann der Patient im Internet zwar den Behandler beim Namen nennen, jedoch wird der Arzt nicht oder nur sehr schwer seine Schwierigkeiten mit dem Patienten offen beschreiben können. Hier herrscht gewissermaßen keine Waffengleichheit.

Foto: Jochen Deppe
Wir kennen die Besonderheiten jedes Falles und wissen, dass es Befunde und Besonderheiten bei Patienten gibt, die zu, nennen wir es mal so, suboptimalen Ergebnissen oder eben auch besonders hoher Zufriedenheit führen können. Ein Patient nimmt dies anders war, erst recht, wenn es während der Behandlung Fehler in der Kommunikation gab. Diese Subjektivität aufzulösen oder wenigstens kenntlich zu machen, ist eine Anforderung an Ärztebewertungsseiten im Netz. Dazu bedarf es eben auch der Beteiligung der Leistungserbringer, die sich, ohne sich zu rechtfertigen, mit dieser Kritik auseinandersetzen müssen.

Die Bereitschaft dazu ist meiner Meinung nach gering. Höre ich meinen Kollegen zu, ist der Tenor, dass es bequemer ist, zu ignorieren oder unliebsame Kommentare über die Geschäftsbedingungen des Portals auszumerzen.

Dabei könnten beide Seiten von einer echten Kollaboration auf diesen Plattformen profitieren - das feedback unserer Patienten hilft uns, bessere Medizin für alle zu machen und führt mehr Patienten zu den besten Ärzten. Ohne echte Anreize zur Partizipation für die Leistungserbringer wird dies nicht geschehen. Noch ist völlig offen, worin diese Anreize bestehen könnten!

Vor dem Hintergrund immer besserer biometrischen Fähigkeiten von Smartphones bedarf es einer Verstärkung und Intensivierung der Patient-Arztbeziehung eben auch über Social Media Kanäle. Daraus muss eine echte Evaluation unserer Leistungen als Ärzte entstehen können. Was hindert uns daran, in unseren Praxen das Feedback unserer Patienten zu sammeln und daraus Bewertungen unserer Arbeit zu generieren? Unsere Praxisverwaltungssoftware sollte dazu genauso in der Lage sein wie die der Online-Versandhändler.

Nicht irgendwann später, sondern: So, jetzt!