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Samstag, 5. Juli 2014

Tesla? Westaflex!

Foto: Ole Wintermann


OWL = Pumpernickel?

Pumpernickel, Bier, Wurst, Wald, Landwirtschaft, SC Paderborn 07 und das Gegenteil von rheinischer "Fröhlichkeit" sind die Attribute und Produkte, die man normalerweise mit Ostwestfalen-Lippe (OWL) in Verbindung bringt. Daran ist eigentlich nichts auszusetzen, da meiner persönlichen Meinung nach all diese Punkte positiv besetzt sind. Kann man aber auch das Stichwort "Digitalisierung" in einen Kontext mit OWL bringen? Man muss so ehrlich sein und gestehen, dass dies gegenwärtig nach außen hin noch nicht unbedingt der Fall ist - und dies ist nicht gerechtfertigt und muss sich ändern.

Foto: Ole Wintermann
Paderborn hat mehr zu bieten als eine Niederlassung von Fujitsu (als Nachfolgerin Siemens-Nixdorf). 1.500 Studierende der Informatik an der Uni Paderborn machen das Potenzial an Fachkräften in diesem Zukunftsfeld deutlich. Eine eigene "FH des Mittelstands" deutet an, dass die Bedeutung der KMU in dieser Region nicht unterschätzt werden sollte. Weltweit agierende Unternehmen wie Dr. Oetker, Bertelsmann, Miele, Nobilia und Claas ergänzen das Bild einer Region, in der es sich gut leben lässt und in der es den Menschen glücklicher Weise recht gut geht. Eine Arbeitslosenquote zwischen 5% und 6%, einen der Landkreise mit dem geringsten Durchschnittsalter der Bevölkerung bundesweit (LK Gütersloh) und eine überdurchschnittliche Zahl von Geburten je Frau komplettieren das Bild einer Region, der es ziemlich gut.

Aber kann OWL auch Digitalisierung?

Durch die breite Basis von gut wirtschaftenden KMUs gibt es meiner Meinung nach auch viele Gelegenheiten für die Unternehmenslenker der Region, über den Tellerrand zu blicken und sich Gedanken über Innovationen und digitale Trends der Zukunft zu machen. Ein sehr erwähnenswertes Beispiel für diese Potenziale ist das Unternehmen "Westaflex", das auf die Produktion von Röhren spezialisiert ist und in Gütersloh angesiedelt ist.

Röhren und Digitalisierung?? Wie passt das zusammen?

Man wird stutzig, wenn man auf Facebook auf den "Fan Club Westaflex" stößt. Es soll einen Fan Club für einen Röhrenhersteller geben? Und dann sind doch tatsächlich 32.000 Menschen Mitglied dieses Clubs?

Aber wenn man sich mit dem Inhaber und Chef des Unternehmens, Jan Westerbarkey, unterhält, bekommt man schnell eine Ahnung davon, was Wirtschaft 4.0 faktisch bedeutet und welch weitreichende Implikationen die Digitalisierung der Wirtschaft haben wird.


Digitalisierung ernst genommen und nicht nur als marketinglastiges Bullshit Bingo begriffen, wird "Innovationsfähigkeit", "Zukunftsorientierung", "Wettbewerbsfähigkeit" vollkommen neu definieren. Unternehmer und Manager, die immer noch meinen, tief in die Unternehmen hineinregieren zu müssen, weil nur sie den Überblick hätten, werden zukünftig diejenigen Akteure sein, die der Fähigkeit von Unternehmen zur Digitalisierung und damit den Unternehmen selbst im Wege stehen. Wer seine Arbeitnehmer nicht ganzheitlich als Menschen mit vielen Kompetenzen sieht, verschenkt in einer Weise Ressourcen, die sich Unternehmen in Zukunft nicht mehr leisten können werden. Das Konzept "Generation Y" ist eben doch keine exklusive Frage der Akademiker sondern betrifft - in positiver Weise - alle Erwerbstätigen unabhängig von ihrem formalen Bildungshintergrund.

Dass die ganze Welt jetzt auf die Ankündigung der Firma Tesla reagiert, die eigenen Patente freizugeben, ist nur eine Folge der Tatsache, dass "Westerflex" nicht ganz so bekannt ist. Würde man weniger opportun ins Silicon Valley und mehr nach OWL schauen, würde man sich wundern, dass auch Westaflex keine Patente mehr anmeldet, weil damit nach Meinung des Firmeninhabers Jan Westerbarkey "Open Code Donations der Community zurückgegeben werden und Transparenz dem Standort D hilft". Gibt man im Google Play Store "Westaflex" ein, so erscheint zur Zeit die unglaubliche Zahl von 23 Apps, die der eigenen Unternehmenssteuerung sowie der Steuerung von Systemen dienen.

#OWLdigital als Austauschplattform

Solche Geschichten sowie die vielen anderen Menschen und Geschichten dieses ersten Treffens, die ich hier nicht alle aufführen kann, sind es, die es nur folgerichtig erscheinen lassen, eine virtuelle und reale Austauschplattform für das Thema "Digitalisierung in OWL" in Form von #OWLdigital zu schaffen. Durch Gespräche auf die Innovatoren vor Ort in OWL aufmerksam zu werden und sich gegenseitig bei der Umsetzung digitaler Strategien in den eigenen Unternehmen oder Arbeitsplätzen zu helfen; das sind die Ziele unserer zukünftigen geplanten Treffen.

Foto: Ole Wintermann
Nachdem sich @GunnarBender, @Westerbarkey, @ThorstenIsing, @Nowanda1, @Lee_und_Luv und ich dann auf diese Ziele verständigt hatten, haben wir über unsere FB-Gruppe am 3.7. zum ersten Offline-Treffen eingeladen. Ca. 35 Teilnehmer waren gekommen und haben uns gezeigt, dass eine solche Plattform in OWL Sinn machen könnte. Sich dort als Privatpersonen auszutauschen, von vornherein nicht in das "Sie" und die Frage von "Zuständigkeiten" (statt Kompetenzen) zu verfallen und Offenheit gegenüber scheinbar schrägen Ideen sind die impliziten Spielregeln unserer Treffen, die grundsätzlich für Jeden offen stehen (Anmeldung bitte jeweils über unsere FB-Gruppe).

Neben Jan Westerbarkey habe ich die Gelegenheit auch genutzt, weitere Teilnehmer nach einem kurzem Statement dahingehend zu fragen, woran sie denken, wenn sie "Digitalisierung" und "OWL" in einem Kontext sehen.

@imo: Digitalisierung und OWL


@probefahrer: Digitalisierung und OWL


@thorstenising: Digitalisierung und OWL


Ich freue mich auf das nächste Treffen mit diesen Menschen und ihren spannenden Ideen.

Foto: Ole Wintermann