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Montag, 12. Mai 2014

Fazit nach #RP14: Persönlichkeiten und Macher sind gefragter denn je

Digitalisierung fordert zunehmend tradierte Abläufe heraus

Die Digitalisierung schreitet voran. Dies tut sie allerdings nicht erst seit diesem Jahr sondern seit Einführung erster Computer zu Beginn der 1940er Jahre. Spätestens seit Einführung des Internets vor über 20 Jahren hatte diese Digitalisierung dann auch die Endnutzer und Konsumenten erreicht. Die Botschaft, dass die Digitalisierung nun vor der Tüt stehe, ist demnach keine Nachricht, die besonders interessant wäre. Interesssant ist aber zur Zeit zu beobachten, wie die Digitalsierung auf tradierte Prozesse und Unternehmen trifft, wie diese damit umgehen und eventuell die Ressourcen für interne Prozesse, Entscheidungsfindungen und externe Produktion und Dienstleistungen zu nutzen wissen - oder eben auch nicht. Dieses Aufeinandertreffen der Welten ist in den Vorträgen der #RP14 häufiger beschrieben werden.



Der Mega-Trend, der damit in die Institutionen und Unternehmen hineingetragen wird, führt am Ende des Tages zur Notwendigkeit, eigene Position darzustellen und im Arbeitsalltag - egal ob selbständig oder angestellt - umzusetzen. Klingt ebenfalls profan; ist es aber nicht. Die Notwendigkeit zu eigenen Positonen stellt tradierte Hierarchien und Führungen vor gewaltige Herausforderungen. Insofern ist die durch Aktivisten häufig initiierte Hinterfragung von politischen und unternehmerischen Entscheidungen wichtig und absolut relevant für die wirtschaftlichen und politischen Institutionen für ihre eigene Weiterentwicklung.

Dem entsprechend gehe ich im Folgenden auf meine inhaltlichen Highlights der #RP14 ein, die sich mit diesen neuen Sichtweisen beschäftigen und spannende Fragen aufwerfen: Was geschieht, wenn politische Kommunikation gehackt wird? Wie gehen Politik und Wirtschaft ethisch mit Big Data um? Wer kann für sich in der öffentlichen Debatte die semantische Hoheit beanspruchen? Benötigen wir einen Offline-Narrativ, um Netzpolitik vermitteln zu können? Steht die schleppende Digitalisierung des Bildungssystem sinnbildlich für das Verharrensvermögen des Alten?

Gewagte These: Die USA hinken der netzpolitischen Debatte hinterher

Die USA sind zwar in der Entwicklung anwenderorientierter Soft- wie auch Hardware weiter als Europa; die sich aus der Technik ergebende Debatte um die Netzpolitik ist aber anscheinend in Europa weiter voran geschritten. Wie ist es anders zu erklären, dass die Yes Men Group zwar umfänglich ihren Ansatz des Hackens von Veranstaltungen und Kommunikationslogiken zur Offenlegung offensichtlicher innerer Widersprüche der marktwirtschaftlichen Logik erklären, bei der Frage nach der Überwachung ihrer Kommunikation durch die NSA aber nur mit den Schultern zucken und antworten: "Sollen Sie doch unsere Mails lesen".

Die Yes Men Group über das Hacken politischer Kommunikation
Es ist prima, wenn es der Gruppe gelang, eine kleine Konferenz von der Homeland Security Behörde zu hacken und vor ca. 80 Personen von konservativen Lobbyvertretern das Geständnis zu erhalten, dass Nachhaltigkeit irgendwie gut sei. Aber am Ende muss leider - bei allem Respekt für das innovativen Wirken dieser Gruppe - gefragt werden: so what? Es scheint irgendetwas bei der Umsetzung der techniklastigen in die netzpolitische Debatte zu fehlen. Es scheint, dass irgendetwas auf dem Weg von der kommunikativen Aktion zur politischen Umsetzung verloren geht.

Big Data verhindert Individualität und Innovation?

Dass eine solche Debatte um die Wechselwirkung von Datenschutz, Big Data und politischen Entscheidungen durchaus weiter durchdacht werden kann, zeigte beispielsweise Viktor Mayer-Schönberger in seinem Vortrag über die Grenzen der Ethik bei umfangreicher Nutzung von Big Data. Für mich stellte dieser Vortrag das persönliche Highlight der #RP14 dar, da ich hier in den von mir besuchten Vorträgen den Versuch erkannt habe, die politische Dimension von Technik konsistent in seiner Auswirkung auf die Gesellschaft abzuleiten.
Die Ethik von Big Data - leider noch nicht im politischen Mainstream angekommen
Nach Angaben von VMS waren 1987 weltweit Informationen im Umfang von 2,6 Mrd Gigabyte vorhanden. Der Umfang dieser Daten hatte sich dann bis 2007 um den Faktor 100 auf 276 Mrd. Gigabyte gesteigert. Waren 1987 nahezu 100% aller Datenmengen analog vorhanden, machten diese 2007 nur noch 1% aller Datenumfänge aus, während der Anteil der digitalen Daten auf 99% angestiegen war.

Dieser gewaltige Datenumfang bringe nun auch eine neue Qualität mit sich, so VMS:
  • Wir sammeln nicht nur absolut sondern auch relativ mehr Daten, da sich die Anlässe zum Datensammeln vervielfacht haben. Es werden auf Grundlage diser relativen Steigerung Fragen gestellt, auf die man ehemals nicht gekommen wäre.
  • Infolge des Datenumfangs spielt die Ungenauigkeit bei einzelnen Daten eine geringere Rolle. Die Daten lassen schärfere Schlüsse und Aussagen zu.
  • Es können mehr Korrelationen aufgedeckt werden. Obgleich Korrelationen keine Rückschlüse auf Kausalitäten zulassen (!), können Korrelationen jedoch zunehmend Kausalitäten andeuten.
  • Daten werden relevanter als Algorithmen.
Hieraus leitete VMS das Dilemma ab, dass sich aus dem Eindruck ergeben könnte, mit Daten seien zunehmend schärfere Vorhersagen denkbar. Solange Vorhersagen nicht zu 100% richtig seien, komme es zu ethischen und gesellschaftlich problematischen Konflikten:
  • Wir bestrafen Menschen, die das Vorhergesagte nie begehen würden, die aber aufgrund einer Prognose in ihrer Handlungsfähigkeit eingeschränkt werden.
  • Wir entziehen Denjenigen, über die entschieden wird, den eigene freien Willen, einen Fehler zu begehen oder aber einen Fehler eigentverantwortlich zu vermeiden
Damit aber könne es schuldlose Strafen geben. Die Grenze zwischen Prävention (aus Sicht des Staates und der anderen Individuen) und empfundener Bestrafung (des Einzelnen) verschwimme. Der Zugriff des Staates (und von Unternehmen) auf die individuelle Autononie werde damit von Schuldfragen getrennt; im Ergebnis verlöre das Individuum damit das Recht auf Handlungsfreiheit - und damit eine der Voraussetzungen zum Funktionieren von Demokratien. Was ist am Ende, wenn diese Frage auf private Unternehmen und deren Handeln übertragen würde/wird?

VMS forderte daher die gesellschaftspolitische Vereinbarung von grundsätzlichen Spielregeln (das Colab hatte die Übertragung der Menschenrechte auf das Internet vor einiger Zeit allerdings auch schon ausführlich thematisiert). Dazu gehörten laut VMS:
  • das Recht auf informationelle Selbstbestimmung,
  • der Schutz menschlicher Handlungs- und Entscheidungsfreiheit,
  • die Ablehnung von Strafen ohne Schuld
  • sowie der Konsens über die Transparenz, Zertifizierung und Widerlegbarkeit von datenbasierten Entscheidungen und Vorhersagen
Die Frage, die ich mir am Ende des Vortrags gestellt habe, ist, ob nicht Big Data in Unternehmen und Institutionen der weiteren Herrschaft des Controlling, der BWL und der juristischen Einengung von Innovationen sowie individueller Sichtweisen weiteren Vorschub leistet? Schon heute wird versucht, die Entscheidungen und die Outcomes dieser Entscheidungen in Unternehmen in Zahlen abzubilden, um präventiv Risiken zu vermeiden und die mögliche Rendite einer Investition möglichst weitestgehend abzubilden. Wie ist demnach zukünftig mit Individualität und Risiken umzugehen, wenn diese aus der Pfadabhängigkeit einer Institution ausbrechen wollen? Wenn dieser Innovation, da sie nicht in das bisherige System passt, negative Werte zugeschrieben werden? Wenn den Querdenkern negative Werte zugeschrieben werden?

Vermittelbare Narrative identifizieren

Dem Vortrag von VMS war durchaus nicht allzuleicht zu folgen und setzte eine gewisse Kenntnis der netzpolitischen Debatte voraus. Da ja eine Teilnahme an einer solchen Konferenz das Ziel verfolgt, in dieser Weise den eigenen Horizont zu erweitern, ist das Anspruchsniveau im Grunde genommen genau richtig. Es kann jedoch nicht dazu dienen, diese Grundproblematiken, die alle Menschen sowohl bei ihrer Arbeit, bei ihrem politischen Engegament und in ihrem Verhältnis beispielsweise zu Versicherungen betreffen, in die Mainstream-Medien hinein zu vermitteln.

Wird PGP irgendwann sexy sein?
Wie dies durch das Schaffen einfacherer Narrative erreicht werden könnte, haben Jillian York und @ioerror in ihrem Vortrag zum Thema gemacht. Sie haben sich dabei an den Erfahrungen verschiedener AIDS-Kampagnen orientiert. Auf den Punkt gebracht könne man sagen, dass man nie "ungeschützten Internet-Verkehr" haben solle. Ich finde diese Anlehnung an eine Kampagne, die ehemals vor demselbem Problem stand, ein damals heikles und komplexes Thema in die Köpfe der Menschen zu bekommen, ausgesprochen gut. Allein: Es fehlt im Gegensatz zur damaligen AIDS-Kampagne, bei der es frühzeitig eine Unterstützung der Bundesregierung gab, aktuell das Bekenntnis dieser Bundesregierung dazu, dass ihre eigene Bevölkerung massenhaft von einem ausländischen Geheimdienst ausspioniert wird und somit überhaupt eine Handlungsnotwendigkeit besteht.

Wie schwierig es zu sein scheint, die Notwendigkeit eines Narrativs Denjenigen zu vermitteln, die eigentlich - im positiven Sinne - Lobbyisten des Netzes sein sollen, verdeutlichte die hämische Berichterstattung auf SPON und ZEIT über die mit großer Spannung erwartete Session mit David Hasselhoff und Mikko Hypponen. Jeder fragte sich: Was hat Hasselhoff mit der digitalen Agenda zu tun? Heise gibt darauf eine deutlich sachlichere Antwort und denkt etwas weiter.

Hasselhoff zieht Publikum an
Die nahezu überfüllte riesige Halle, in der die Session stattfand, war eben jenes Signal, dass sich die Firma F-Secure von MH mit der Teilnahme von Hasselhoff erhoffte: man kann digitale Herausforderungen in eine einfache Story umsetzen und an eine große Zahl von Menschen kommunizieren, wenn Publikumsmagneten eingesetzt werden und diese die digitale Komplexität in eine persönliche Betroffenheit umwandeln. Das mag den Redakteuren von SPON und ZEIT zu profan erscheinen (einen kritischen Beitrag zur herablassenden Behandlung der sogenannten Laien auf der RP hat Robert Basic verfasst). Ich bin mir aber sicher, dass Hasselhoff einer deutlich größeren Zahl von Menschen weltweit bekannt ist als die Experten in den Redaktionen beider Medien (und dies wird sich anscheinend in naher Zukunft auch nicht ändern).

Reden hilft

Dass aber nicht nur Hasselhoff sondern auch Andere mit dem Problem zu kämpfen haben, gegen Vorurteile angehen zu müssen, haben wir bei unserer eigener TTIP-Session zu spüren bekommen. Nachdem Campact.de am Morgen desselben Tages unsere Session auf ihren Blog gestellt und thematisiert hatten, freuten wir uns auf eine interessante Debatte in unserer Session.



Wir hatten Glyn Moody, Bruno Gert Kramm, Joachim Bühler sowie als Moderatorin Solana Larson von Global Voices Online für unsere TTIP-Session gewinnen können. Glyn Moody hielt die einführende Keynote. Die gesamte Debatte kann auf der Video-Aufzeichnung sehr gut nachverfolgt werden. An diesem Tag sind mir v.a. die folgenden Punkte aufgefallen, die jenseits der bisher diskutierten Themen Erwähnung fanden:
  1. Es fehlt bisher eine Gegenrechnung in der gesamtwirtschaftlichen Kosten-Nutzen-Analyse, die die negativen Folgekosten in Folge der Anpassungen der jeweiligen Arbeitsmärkte an die TTIP-Vereinbarungen berücksichtigt.
  2. Es gibt keinerlei Gründe, Dokumente, die als Tischvorlagen bereits Gegenstand der Verhandlungen sind, der gesamten Öffentlichkeit gegenüber nicht offen zu legen.
  3. TTIP stellt für die ICT-Industrie die erste tatsächliche Chance dar, über die Arbeitsmarkt- und Entwicklungspotenziale zu sprechen und die Gefahr der NSA-Überwachung für den gesamten Industriezweig zu thematisieren.
  4. Damit ergibt sich ebenfalls zum ersten Mal der Raum, um über den Charakter von Freihandel in einer online vernetzten Welt zu sprechen.
  5. Es ist nicht vermittelbar, wieso gerade in Zeiten von #OpenGov, Transparenz und Partizipation ein Abkommen, dass 1 Mrd. Menschen direkt betreffen wird, auf Basis verschlossener Dokumente zustandekommen sollte.
Schließlich wurde von allen Beteiligten konsensual betont, dass es bei TTIP am Ende um die Wünsche der Menschen und (nicht nur) die Wünsche von Unternehmen gehen kann.

Erfreulich war dann mit Blick auf die von Campact vorab nur online geäußerte Kritik an TTIP, dass zwei Vertreterinnen von Campact Fragen gestellt haben und im direkten (Offline-) Austausch sichtbar geworden ist, dass die Positionen ganz und gar nicht weit auseinander liegen. Ich denke, es gilt für beide Seiten, dass bei Fokussierung auf Online-Aktionen allzuoft leider die Bilder und Werturteile das Handeln bestimmen. Am Ende zeigte sich: Reden hilft.

Was es sonst noch gab

Bildung 1: Lehrer und Eltern sind im bipolaren Weltbild gefangen

Max Woodtli beschrieb in seiner Session das bipolare digitale Weltbild, das die meisten Akteure im Bildungssystem leider gefangen halte im tradierten Framing und damit zur Frontenbildung zwischen gegenüber dem Netz extrem positiv und extrem negativ eingestellten Akteuren beitrage. Die Ursache dafür läge in der Pädagogik, die nur richtig oder falsch und Kontrolle und Kontrollverlust kenne. Damit aber gäbe es unnötige Hindernisse auf dem Weg in die Digitalisierung der Bildung zu überwinden. Sein Vorschlag zum Aufbrechen dieser Polarität bestand darin, nach dem sowohl-als-auch sowie dem weder-noch in Debatten um die Digitalisierung zu fragen.

Bildung 2: Die Blockade hält an

Direkt im Anschluss daran fragte Jöran Muuß-Merholz in der nächsten Session Stephan Noller, Maxim Loick und Hilliknixibix sowie eine Schülerin nach deren Erfahrungen an den Schulen dieses Landes bezüglich der Einführung digitaler Methoden. Leider war das Ergebnis nicht viel erbauender als die Antworten der letzten beiden Jahren auf vergleichbaren RP-Sessions. Dass eine Hilliknixibix in der geschlossenen Kinder-Psychatrie versucht, Kinder zum Bloggen zu bringen und von den berührenden positiven Erfahrungen in diesen Kontexten berichtet, kann gar nicht genug geschätzt werden. Schaut man sich aber die öffentliche Wahrnehmung von Bloggern in Deutschland an, die durch Traditionsjournalisten mit ihren Diplomen inzwischen umfänglich negativ bzw. als Nicht-Journalisten dargestellt worden ist, so macht einen dies relativ wütend.

Die Schülerin berichtete, wie ihnen an der Schule mit Blick auf die Störerhaftung willkürlich das Internet gesperrt worden sei, so dass man - sich nicht an Regeln haltend - zuhause mit Hilfe des eigenen Netzes weiter auf den Unterricht vorbereitet habe. Alternativ habe man Personal Hotspots für die Mitschüler eingerichtet, da die Lehrer sowieso nicht mitbekommen hätten, was so ein Personal Hotspot überhaupt sei.

Es wurde von Versuchen in Grundschulen berichtet, bei denen die Schüler einer 2. und 3. Klasse begeistert gewesen seien, als man das Internet nicht mehr als Raum der Gefahren im Unterricht dargestellt habe sondern den Kindern die Möglichkeit geboten habe, in das weltweite Netz selbst Inhalte einzustellen.

Ich habe die stille Vermutung, dass sich bis ins nächste Jahr die Stockstarre der deutschen Lehrerschaft und Bildungsanstalten noch lange nicht in Luft aufgelöst haben wird. Der Wildwuchs der schulspezifischen Regelungen wird noch weiter zunehmen; die Schule als klassiche auf Kontrolle ausgerichtete Instanz verträgt sich nach wie vor nicht mit dem Eigenverantwortung fordernden Netz.

Cyborgs sind im Gegensatz zu den Piraten postgender

Einen Einblick in Bio-Hacking und das Wesen der Cyborgs sowie die dahinter stehende Gedankenwelt gewährten die Mitglieder des Berliner Vereins Cyborgs e.V. in ihrer Session.

Bio-Hacking, also die Erweiterung der menschlichen Kapazitäten, beginne nicht erst beim Implantieren von Chips sondern auch bereits bei dem Menschen, der in integrierter Weise Technik für sich selbst nutzt.

Cyborgs:
  • lehnten Standards und Normen ab,
  • lebten Individualität,
  • stünden für Inklusion,
  • kennen keine Körpergrenzen,
  • begriffen sich mehr im Wir als im Ich,
  • wären öffentlich und geschlechtslos,
  • und mögen freie Daten sowie offene Standards.
Nun ja.

Wenn Post-Demokratie die Überwachungssoftware für autoritäre Regime bereitstellt

Ron Deibert hat in seinem Vortrag der selbstgewissen westlichen Welt mal wieder den Spiegel vorgehalten und einige Beispiele dafür genannt, wie Unternehmen, die die Sicherheit und Freiheit von Demokratien nutzen, um einen geordneten Geschäftsbetrieb aufnehmen zu können, selbst also im höchsten Maße von Freiheit und Zurechenbarkeit profitieren, diese Freiheit nutzen, um technische Entwicklungen voran zu treiben, damit in autoritären Regimen die Bevölkerung überwacht und schikaniert werden kann.

Leben wir in einer freien Gesellschaft?
Wie glaubwürdig kann Politik in der globalen Öffentlichkeit auftreten und sich für Menschenrechte einsetzen, wenn diese Politik gleichzeitig freiheitsgefährdende Aktivtäten von Unternehmen im eigenen Lande zulässt. Dass diese Scheinheiligkeit längst kein Geheimnis mehr ist und die Legitimität westlicher Politik untergräbt, dürfte wohl als einzige den Politikern dieser Länder noch nicht aufgefallen sein. Stattdessen schickt man Drohnen in diese Länder... Aber das ist wieder eine andere Geschichte.

Deibert schlägt zur Offenlegung dieser Scheinheiligkeit mehr #OpenGov, #OpenCorporation Zurechenbarkeit und Hacktivism vor.

Einfach machen, eigene Position darstellen und umsetzen

Neben all den methodischen und inhaltlichen Inputs, die den eigenen Horizont mal wieder erweitert haben, waren aber auch dieses Jahr wieder die Sessions und Gespräche bemerkenswert, in denen Menschen ihre eigenen Projekte, Beweggründe und Geschichten vorgestellt haben. Einfach machen, eigene Position darstellen und dann umsetzen, so das Motto, das unbewusst in diesen Kontexten immer mitschwingt.

So war es beispielsweise bewegend, von Bianca Jagger die Geschichte erzählt zu bekommen, wie sie und andere Menschenrechtsaktivisten in größte persönliche Gefahr geraten sind und danach beschlossen haben, sich zukünftig eben jedem Thema zu widmen. Diese Geschichten machen die eigene Position und die Beweggründe des eigenen Handelns glaubwürdiger. Diese Menschen müssen sich nicht hinter den Namen großer Institutionen verstecken. Sie leiten ihre Autorität nicht aus dem großen Namen ihres Arbeitgebers ab (ich arbeite beim Daimler, etc.) sondern stehen mit ihrem eigenen Namen und der Aktivität für sich.

Gleiches galt auch für die Vorstellung der Menschenrechts-Metaplattform Oximity durch Sanjay Goel. Die steile These, die ich aber komplett unterstützen würde, war, dass alle gesellschaftlichen Konflikte das Ergebnis künstlicher Trennungen der Menschen durch Religionen, Parteien, Länder oder Kulturen seien. Stattdessen aber, so Goel, verlaufe die Trennung zwischen den Menschen zwischen den "disenfranchised" und den "empowered" people. Die Ansprache der Menschen, die sich nicht wehren könnten, da ihnen der Zugang zu Informationen fehle oder aber Bildungslevel, um sich für die eigenen Interessne einsetzen zu können, erfolge nun zusehends durch Menschenrechtsgruppen. Um die Arbeit der vielen verschiedenen Gruppen zu optimieren, gäbe es die Meta-Plattform Oximity. "Oximity is a Network of Networks", so Goel.

Für Menschenrechte eintreten - Isabel und Linda machen es einfach
In diesem Kontext passte natürlich sehr gut die Vorstellung des Schwester-Projektes von futurechallenges.org; irrepressiblevoices.org im Zuge der OpenMike Sessions des MIZ Babelsberg. IV.org hat das Ziel, auf Videos dokumentierte Menschenrechtsverletzungen mit Hilfe von Crowd und Technik zu evaluieren. Isabel Gahren und Linda Walter stellten sich den Fragen der Jury, die über die Vergabe der Fördermittel zu entscheiden haben, zu Manipulationsgefahren, Motivation der Crowd, Sicherheit der Uploads und Social Business Modell.

Die Rechtschreibprüfung hat am Ende versagt
Werde ich an der #RP15 teilnehmen? Mal sehen. Als Nächstes steht der #31c3 auf dem Programm.