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Mittwoch, 23. April 2014

Tussikratie: Ich tue mir so leid

Vor kurzem bin ich über den Tweet einer @SZ Journalistin gestolpert, mit dem sie sich darüber beklagte, dass viele Mütter nach der Geburt nicht wieder früher arbeiten könnten, da a) der Partner sich dem verweigere, b) die Kinderbetreuung nicht gewährleistet sei und c) die Anwesenheitskultur in den Büros dies verhindere.

Was fällt auf? Alle sind schuld, außer sie selbst.

ErzählMirNix hat wie immer zu diesem Mechanismus der Zuweisung der Schuld für die eigene Situation an andere einen treffenden Comic gezeichnet:



Wie wäre es denn, dem Partner (der Partnerin) mal dieses Problem gegenüber zu schildern und deutlich zu machen, dass man sich als Mutter (als Vater) etwas besseres vorstellen könne, als den Rest des Lebens auf diese eine Rolle festgelegt zu bleiben? Gehört diese notwendige Klärung nicht zu den Grundvoraussetzungen einer Partnerschaft gerade in den Momenten, in denen die Familie um Kinder erweitert wird. Benötigen wir wirklich Gesetze und Quoten, damit partnerschaftliche Fragen des Alltags geklärt werden?

Wie wäre es denn mal mit einem Gespräch mit dem Arbeitgeber (der Arbeitgeberin), in dem man seine Sichtweise auf die Problematik der veralteten Anwesenheitskultur, die in der Tat ein Ärgernis darstellt, erläutert und offensiv dafür wirbt, sich dem Zeitgeist anzupassen und endlich das aus der Industrialisierung stammende Denken dem Arbeitsmarkt des 21. Jahrhunderts über Bord zu werfen?

Wie wäre es denn mal mit der eigenen Organisation eines Betreuungsnetzwerkes - z.B. mit Unterstützung von Tagesmüttern? - mit dem viele Betroffene ihre Interessen an einer Betreuung gemeinschaftlich bedienen könnten?

Wir tun uns alle so leid

Das "Schöne" ist, dass man diese Opfer/Schuld Begrifflichkeit sowohl auf der Mikro- als auch auf der Makro-Ebene anwenden kann. Wenn "alle anderen" schuld sind, dann sind diese anderen natürlich auch ein eigenes (männliches) Kollektiv, das in perfider Weise ein gesellschaftliches Unterdrückungssystem geschaffen hat, aus dem sich "starke Frauen" leider bisher nicht befreien konnten. Einige konkrete Beispiele gefällig?

Die gegenwärtige durchschnittliche monatliche Altersrente von Frauen ist geringer als die der Männer, die viele Jahre mehr auf dem Arbeitsmarkt aktiv gewesen sind und Beiträge gezahlt haben? Unglaublich - so die persönlichen Meinungsäußerungen in traditionellen Medien - , dass Frau weniger monatliche Rente erhält, wenn sie weniger eingezahlt hat (verschweigen wir hier mal einfach, dass ihre durchschnittliche Rentenbezugsdauer ca. doppelt so lange sein wird wie die ihres früher versterbenden Mannes). Lasst uns einfach, da es in einer alternden Gesellschaft politisch-ökonomisch opportun ist, die Mütterrente einführen, die zwar nie in die Kalkulation der langfristigen Beitragsentwicklung eingeflossen ist, die aber einfach durch die jüngere Generation aufgebracht werden muss (der @Wolfibey hatte dazu etwas geschrieben). Lasst uns einfach das Bild der darbenden alten Rentnerin in die Medien einführen und nonchalant die Tatsache übergehen, dass es noch nie einer Rentnerinnengeneration besser ergangen ist als der derzeitigen.

Dass die Renten bei geringerer Erwerbstätigkeit niedriger ausfallen, ist jedoch kein plötzlicher Schicksalsschlag sondern seit Jahrzehnten die inhärente Logik des Rentensystems. Man (so z.B. die Autorinnen der entsprechenden Artikel) hätte ja auch vorsorgen können bzw. dies in ihren Meinungsäußerungen deutlich machen können. Das wäre natürlich ein Zug von Selbstverantwortlichkeit einer Generationen (die uns die gegenwärtigen öffentlichen Schulden in Rekordhöhe hinterlässt), die man nicht erwarten kann. Denn: Alle anderen sind schuld.

Frauen erhalten im Schnitt der gesamten Volkswirtschaft einen geringeren Lohn, weil sie im Schnitt auch weniger arbeiten und zudem in Bereichen tätig sind, die schlechter bezahlt werden? Lasst uns den sogenannten Gender Pay Gap als Ausdruck der systematischen Unterdrückung wider den empirischen Befunden instrumentalisieren, um nicht am Ende noch auf die Folgen eigenverantwortlichen Verhaltens (Berufswahl, Teilzeit, Auszeiten) hingewiesen zu werden. Denn: Alle anderen (alternativ: das System) sind schuld an meiner Berufswahl.

Die Süddeutsche Zeitung echauffierte sich in einem aktuellen Beitrag darüber, dass der Anteil der verurteilten Vergewaltiger an der Zahl der Gesamtanzeigen seit Jahren rückläufig sei. Können es vielleicht solche Falschvorwürfe wie die, denen sich Jörg Kachelnmann ausgesetzt sah, sein, die die RichterInnen zunehmend an der Glaubwürdigkeit mancher Anzeige zweifeln lassen? Könnten es die schwarzen Schafe unter den Anzeigenden sein, die den tatsächlichen Opfern damit einen Bärendienst erweisen, dass sie die Anzeige aus Gründen eines persönlichen Rachefeldzugs nutzen? Lasst uns die Schuld stattdessen pauschal der sogenannten Rape Culture geben, die einen solchen Rückgang ermöglicht. Leider ist damit weder den weiblichen Opfern der Vergewaltigungen noch den männlichen Opfern der Falschanzeigen gedient. Zudem verbleiben die Protagonisten der Rape Culture in der einseitigen Perspektive des weiblichen Opfers, obwohl schon lange männliche Opfer und weibliche Täter Eingang in die Alltagsmedien gefunden haben.

Ich verspüre als weibliches, schreibendes Zunftmitglied die sogenannte gläserne Decke (genauso wie der neben mir sitzende männliche Kollege?) und wundere mich, dass ich nach Auszeiten, Teilzeiten und einer guter universitären Ausbildung nicht weiter nach „oben“ im klassischen Sinn der Karriereleiter komme? Schon seltsam, dass so viele weibliche (und männlichen) Kolleginnen auch von dieser gläsernen Decke sprechen - und am Ende nur eine der Kolleginnen den höher dotierten Job bekommt. Es ist schon überraschend, dass nicht alle 18 Millionen weiblichen Erwerbstätigen „Karriere“ machen können und am Ende Aufsichtsrätin oder Chefredakteurin sind. Lasst uns den männlich dominierten Vorständen und den Personalabteilungen die Schuld an alledem geben und weniger darüber nachdenken, ob es nicht alternative Wege der sogenannten traditionellen "Karriere" geben könnte. Auch hier versperrt der Mechanismus des Schuldgebens den Blick auf sehr viel wichtigere Fragen.

Auf dem Weg in die Tussikratie?

Diese so offen zutage tretende Gewöhnung an die Opferrolle, die in diesem einen Tweet so wunderbar zum Ausdruck kam, sowie die bewusste politische Nutzung der Opfersicht wird aktuell in dem Buch von Theresa Bäuerlein und Frederike Knüpling - "Tussikratie" - sehr schön auf den Punkt gebracht. Im Kern (ich beziehe mich hier dezidiert auf den FAS-Beitrag) geht es den Autorinnen darum, dass die übliche feministische Sichtweise der ausbeutenden, machtbesessenen Männer und der weiblichen Opfer viel zu kurz greift, da es mit Bezug auf eine Kapitalismuskritik viel mehr um die Grundproblematik von sozialen Ungerechtigkeiten in der Gesellschaft gehen sollte. Ungerechtigkeit hat keine Hautfarbe, kein Geschlecht, so die Autorinnen.

In dem entsprechenden Beitrag der SZ zu diesem Buch wird an einer Stelle der Reflex geschildert, wenn Frau angesichts eines ungünstig verlaufenden Meetings zuerst in der Kategorie der vorgeblichen Frauenfeindlichkeit denkt, ohne die Schuld jemals im eigenen Verhalten zu suchen. Damit deutet die SZ-Kommentatorin unbewusst die Grundproblematik an, die mit all diesem Opferdenken einhergeht: Wenn die Schuld für eigenes Fehlverhalten oder schlechte eigene Arbeitsergebnisse sowie ein unzufriedenes Alltagsleben grundsätzlich nur bei anderen gesucht wird, habe ich keine Chance, an mir selbst zu arbeiten. Ich passiviere mich durch das Opferverhalten, ich erkenne nicht, dass ich selbst aktives Veränderungspotenzial abrufen könnte.

Die beiden Autorinnen gehen in einem BRIGITTE-Interview genau auf diesen Punkt ein, als sie mit Blick auf die Gefahr der Passivierung sagen: "Wir müssen unterscheiden können, ob wir schlecht behandelt werden, weil wir eine Frau sind - oder ob es um mich als Person geht. Es kann ja auch mal sein, dass ich einen Job nicht gut mache oder mich die Kollegen nicht mögen." Schade, dass von einem Teil ihrer Geschlechtsgenossinnen nicht erkannt wird, welche Chance für die Frauen im Ablegen dieser passiven Opferrolle liegen würde.

Nachdem das Buch am 20.4. unter der treffenden Überschrift "Big Sister weiß, was gut für dich ist" in der FAS besprochen worden ist, fand hierzu eine aufgeregte Debatte auf Twitter und der angeschlossenen Blogosphäre statt.

Besonders angesprochen gefühlt hatte sich von "Tussikratie" augenscheinlich mal wieder @FrDingens, die im STERN-Blog in nicht untypischer Weise Sarrazin, Pirinçci, sogenannte Anti-Feministen, Maskulisten, Männerechtler in einem Atemzug mit Nazis und "Frauenunterdrücker" gleichsetzte (hierzu auch der Wortschrank), die Frauen mit Vergewaltigungen drohen würden und sich als "weisse Männer" nicht von Privilegien verabschieden könnten. Ich weiß nicht, ob man ein solches Niveau von Blog-Beiträgen noch ernst nehmen sollte und ich frage mich, welches öffentliche Schwadronieren über Gender-Apartheid eigentlich in den Qualitätsmedien noch erduldet wird, bis der oder die erste ChefredakteurIn merkt, dass solche Äußerungen einer kleinen Minderheit von Menschen so gänzlich am durchschnittlich in "Deutschland Wohnenden" vorbeigehen.

@Frau Korbick beschäftigt sich beim The European in ihrem Beitrag ebenfalls mit der Publikation. In wiederkehrenden Worten macht sie deutlich, dass Maskulisten, Männerrechtler und Anti-Feministen Radikale sind, die leider nicht die Männer an sich vertreten würden (vertreten Feministinnen eigentlich die Interessen von Frauen?). Leider ist ihre Rezension eine reine deskriptive Beschreibung des Inhaltes des Buches. Was sie von dem Buch hält v.a. aber, wie sie dies in die aktuelle veröffentlichte Debatte einordnet, wird nicht weiter deutlich. Immerhin offenbart sie am Ende dann doch ihre Einstellung:

"Und ein bisschen weniger „Männer sind toll!“ hätte es auch getan. Männerrechtlern und Anti-Feministinnen dürfte das Buch gut gefallen, das ist eine Gefahr."

Da ist er leider wieder; der Blick auf die vorgebliche Schuld der anderen, ohne auch nur ansatzweise die Implikationen des Geschriebenen für die eigene feministische Argumentation zu akzeptieren. Es ging den Autorinnen um eine übergeordnete Kapitalismuskritik. Eine solche Kritik gab es seit dem Fall des eisernen Vorhangs nicht mehr im ernstzunehmenden Maße. Schade, dass diese Chance zu einer solchen alle Menschen gleichermaßen betreffenden Debatte auch in dieser Rezension nicht erkannt wird.

Die Online-Postille eines Teils des hiesigen Feminismus, der Blog der Mädchenmannschaft, machte sich erst gar nicht die Mühe, näher auf die Aussagen einzugehen, da man dort der Meinung war, dass der Inhalt des Buches bereits seit Jahren abgestanden sei. Auch diestandard.at verweist recht offensichtlich genervt darauf, dass man nun die Debatte erneut "bei Null" anfangen müsse. Schon, blöd, wenn die Masse der Leser zu blöd ist, um der feministischen Theoriedebatte über 40 Jahre hinweg folgen zu können (zu wollen).

Ich fühlte mich beim Lesen an ehemalige Debatten mit FDJ-Funktionären in den 1980er Jahren erinnert, die beim Zusammentreffen mit uns westlichen Kapitalisten ebenfalls sichtlich ermüdet betonten, dass ja nun schon seit 100 Jahren durch den historisch-dialektischen Materialismus abgeleitet und "bewiesen" sei, dass (der weisse Mann) die Marktwirtschaft nicht funktionieren könne. Diese "logische" Ableitung eines Fakts aus dem Zusammensetzen ideologischer Versatzstücke scheint bei jeder neuen Ideologie immer wieder aufs neue eine zeitlang zu funktionieren.

SPON äußert sich in einem sehr kurzen Beitrag ungewohnt unscharf und vorsichtig zum Buch und endet mit der Bemerkung, dass eine Entkrampfung der Geschlechterdebatte ja "so falsch ja nicht sein kann". Ich bin mir nicht sicher, ob nicht vielleicht diese Ausdrucksweise dann doch genau in feministische Richtung zielt, die antworten würde, dass dies sehr wohl sehr falsch sei...

Arne Hoffmann hat als Männerrechtler in seinem Blog eine sehr ausführliche Rezension verfasst, die sich als einzige mir bisher bekannte Rezension außerhalb der Traditionsmedien die Mühe macht, das Buch in einen gesellschaftlichen Diskurs und einen Kontext einzuordnen. Aufgrund des Umfangs seines Textes sei an dieser Stelle die Lektüre des Originals empfohlen. Hoffmann klärt in seinem Text über die unterschiedlichen Bewegungen der Männerrechtsbewegung auf. Man kann es den feministischen Kritikerinnen vielleicht gar nicht übel nehmen, dass sie die verschiedenen Begrifflichkeit nicht sauber trennen; dies wäre einem Chauvinisten in den 1970er Jahren mit Blick auf die damalige Frauenbewegung auch nicht zuzumuten gewesen. Zu Recht verweist er in diesem Kontext und als Ausweg aus einseitige Geschlechterdebatten auf die deutsche Feministin Robin Urban, der es bisher als eine der wenigen möglich schien, auch eine alternative männliche Sichtweise einzunehmen, ohne ihre eigene Position damit gleichzeitig aufgeben zu müssen.

Bei Lektüre all dieser Beiträge zu Opfern, Schuld, Vorwürfen, Empörungen und Auseinandersetzungen unter der Überschrift "Tussikratie" begegnete mir dann am Ende ein Betrag von @faz_donalphonso,  der nach all den feministischen Empörungswellen der vergangenen Monate, die etliche #Aufschreie hervorgebracht hatten, das Ende des Shitstorms heraufziehen sieht, da die Menschen es leid seien, immer wieder negative und destruktive Nachrichten und Stimmungen in ihrer TL wahrnehmen zu müssen. Vielleicht wird der radikale Feminismus irgendwann erkennen, dass spätestens mit der öffentlichen Rüge des Bundespräsidenten und seines Begriffs des "Tugendfurors" der Bogen in der öffentlichen Wahrnehmung überspannt worden war und die anfängliche Sympathie für die Opfer umschlug in ein Genervtsein, das nicht zuletzt in der medialen eher kritischen Behandlung des Bombergates der Piraten seinen Ausdruck fand.

Die zu Anfang erwähnte klagende SZ-Journalistin könnte sich also privat mit ihrem Partner um eine Kinderbetreuung kümmern, das Gespräch mit dem Arbeitgeber suchen, dem Partner die eigenen Wünsche für den Alltagsablauf vermitteln, sich selbst um die Altersvorsorge kümmern, selbst Fortbildungen zwecks Karrieregestaltung planen, wenn sie dies wollte.

Warum will sie dies aber - stellvertretend für viele andere Frauen mit ähnlicher Einstellung - nicht?

Vorberufliche Erziehung zur Opfermentalität?

Kann es sein, dass in den letzten Jahren zu sehr auf die Einforderung von Rechten Wert gelegen worden ist, ohne das Gleichgewicht mit den damit einhergehenden Pflichten und Verantwortlichkeiten zu wahren?

Schaut man in die Schulen, fällt die frühzeitige Erziehung hin zur Opfer-Mentalität auf (ausgewählte reale Beispiele):
  • Mädchen erhalten bei Basketball-Spielen pro Korb 2 Punkte, Jungen 1 Punkt.
  • Das Reden während des Kunstunterrichts wird nur den Mädchen erlaubt während die Jungen verpflichtet werden, die gesamte Stunde über kein Wort zu sagen.
  • Das einzige Mädchen unter 13 Schachspielern wird in einem Turnier 13. und erhält denselben Siegerpokal wir der Gesamt-Erste - weil dies eine spezielle Mädchenauszeichnung ist.
  • Bei der Frage nach der Beschädigung einer Schulbank werden die Mädchen gleich zu Anfang des Gesprächs aus dem Raum geschickt, da dies vermeintlich nur ein Junge gewesen sein könne.
  • Bei sogenannten De-Eskalations-Trainings in der 6. Klasse wird mit 11-jährigen Jungs und Mädchen darüber gesprochen, ob der imaginäre Bordell-Besuch des Vaters Gewalt darstellt.
  • Jungen wird gesagt, wo sie sich im Klassenraum setzen sollen während den Mädchen der Klasse freie Sitzwahl erlaubt wird.
  • Jungs und Mädchen thematisieren diese Themen auf Schülerkonferenzen. Dort anwesende Lehrerinnen verneinen die Existenz solcher Probleme und übergehen Schülerinnen und Schüler daraufhin.
  • Mädchen wird an den technischen Unis zum GirlsDay der rote Teppich ausgerollt, während die Jungen Praktika beim örtlichen Floristen empfohlen bekommen (Liebe Protagonistinnen des GirlsDay: Glaubt ihr wirklich, Jungen seien zu blöd, um diesen Fake zu bemerken? Lol.)
Diese Beispiele sind reale, tatsächlich so vorgefallene Begebenheiten. Nicht umsonst wird in der heutigen Jugendsprache der Ausspruch "du Opfer" verwendet, wenn der Gegenpart versucht, sich als unschuldig an einem Konflikt darzustellen. Dass die politisch korrekte Wikipedia-Definition wenig mit der Schulhof-Realität zu tun hat, spiegelt die tieferliegende Problematik um die Abnutzung der ursprünglichen Bedeutung von "Opfer" als Ausdruck emphatischer Mitmenschlichkeit durch die politisch instrumentalisierte Inflationierung der Opfer-Kontexte nur umso deutlicher wider.

Welches Signal wird also den Schülerinnen gegeben, die sich in Zukunft auf dem Arbeitsmarkt mit harten Bandagen gegen Konkurrentinnen und Konkurrenten durchsetzen müssen? Es wird ein Signal gegeben, dass es ihnen später umso schwerer macht, aus dieser passivierenden Haltung wieder herauszukommen. Die Wahrnehmung einer angeblichen geschlechtsspezifischen "gläsernen Decke" und die damit einhergehende beständige Forderung nach irgendwelchen Quoten wird von Generation zu Generation perpetuiert, da solche Bücher wie das über die "Tussikratie" vorschnell verurteilt und nicht ernst genommen werden.

Wie könnte ein Ausweg aus der Festlegung auf Rollenbilder durch konservative wie auch feministische Vertreter aussehen?

Letzter Ausweg Wahlrecht?

In dem Land, in dem man häufig mit gesellschaftlichen Problemen progressiver als hierzulande verfährt - ihn Schweden - geht man inzwischen bereits soweit, öffentlich die verfassungsfeindliche Einschränkung des Wahlrechts für Männer und damit eine Geschlechter-Apartheid zu fordern, da dies opportuner erscheint, als sich mit den wahren Ursachen gesellschaftlicher Konflikte zu beschäftigen.

Bald schon ein Modell für Deutschland? (#Ironie)