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Freitag, 21. Februar 2014

OpenGov und OpenData auf der Social Media Week Hamburg

#SMWHH2014

Wie ist es um #OpenGov und #OpenData bestellt? Auf diese Kurzformel könnte man die verschiedenen Sessions bringen, die sich am Donnerstag den beiden Themenkomplexen im Zuge der Social Media Week (#SMWHH) widmeten. Die vielen Diskussionsbeiträge des Tages habe ich mal im Folgenden versucht, einiger Maßen sinnvoll zusammen zu fassen.

#SMWHH2014: Es fehlte Kaffee
(Foto: Anke Knopp)
#OpenGov

Nachdem in den letzten Jahren die Forderung nach der offenen Regierungsweise langsam sogar zum Mainstream der veröffentlichten Debatten in den Totholzpublikationen geworden ist, scheint das Thema damit langsam erwachsen geworden zu sein. Leider kehrt daher auch ein Stück weit Ernüchterung in die Debatte ein. Die Euphorie des Anfangs ist verflogen; Begriffe wir Kosten und Nutzen treten an die Stelle der Idee vom Bürgerengagement.

Nach wie vor gibt es immer wieder die Frage nach dem Sinn und der Zweckmäßigkeit sowie der offenen Regierungsweise als auch der Anschlussfähigkeit offener Daten. Verwaltungen sind gemäß ihrer rechtlichen Basierung natürlich verpflichtet, nach der sinnvollen Verwendung öffentlicher Gelder zu fragen. Daraus kann man keinen Vorwurf konstruieren. Dies führt aber eben im Umkehrschluss dazu, dass jeder einzelne Klick und Nutzer einer Partizipationsplattform als Argument für oder gegen mehr Partizipation in der Politik genutzt werden kann und auch wird. Dass dabei aber Qualität vor Quantität gehen sollte, ist in Verwaltungsvorschriften leider nicht vorgesehen. 12.000 registrierte Nutzer der Plattform der Internet-Enquete des Deutschen Bundestages können so angesichts von 81 Mio. Einwohnern leicht als Misserfolg gedeutet werden, wohingegen jeder Betreiber einer sozialen Plattform weiß, dass 12.000 Nutzer bei einem solch schwierigen Thema schon als Erfolg angesehen werden könnten.

Vereinzelte Ansätze, die diese Sinnhaftigkeit in ökonomischen Dimensionen auszudrücken vermögen, sind vorhanden, jedoch noch rar gesäht. Die demokratietheoretische Fundierung offener Daten als Argument per se zählt leider im politischen Alltag nicht allzuviel. Dabei haben erste Studien ergeben, dass der demokratietheoretische Mehrwert zumeist darin liegt, dass der Bürger allein die Option der Beteiligung hat, ohne diese Option im Einzelfall unbedingt nutzen zu müssen.

Aktivisten haben zudem immer wieder mit dem Problem zu kämpfen, dass die Kultur der Offenheit in den Verwaltungen und teils auch in der Politik noch nicht wirklich akzeptiert ist. So wird häufig von den Verwaltungen auf Basis rechtlicher Winkelzüge versucht, Ansätze zur Offenheit durch nicht nachvollziehbare Lizensierungen zu unterlaufen, die Verbreitung offener Daten auf diesem Wege zu verhindern.

Der nunmehr vereinbarte Beitritt Deutschlands zur internationalen Open Government Partnership sollte daher kritisch aber wohlwollend begleitet werden. Ob Offenheit wirklich Top-Down anzuordnen ist, sollte einerseits angezweifelt werden. Andererseits könnte die #GroKo unter Beweis stellen, dass sie tatsächlich nicht den gläsernen Bürger sondern lieber den gläsernen Staat befördern möchte.

#OpenData, #Dataviz, #DataJournalism

Die Visualisierung offener Daten ist zwar inzwischen in Teilen der Medien angekommen; aber nach wir vor gehört die Datenrecherche sowie die journalistische Auswertung der Daten nicht zum Mainsteam der Arbeit von Journalisten. Datenjournalismus gehört noch längst nicht zum tägliche genutzten Werkzeugen für die eigene Arbeit. Allzuhäufig scheinen Visualisierungen nach wie vor nur ein interessanter spielerischer Ansatz zu sein, der punktuell zwar hohe Klickzahlen erzeugen kann, jedoch noch nicht wirklich in den journalistischen Arbeitsprozess als Standardprocerede angekommen ist.



Daten-Journalismus hat noch mit sehr vielen Herausforderungen zu kämpfen; so gibt es keine Implementierung des Umgangs mit Daten in den journalistischen Ausbildungen, keine Fürsprecher in den Redaktionen der traditionellen Medien, keine Teamorientierung, dafür aber umso mehr Technikabneigung bei den vielen Journalisten, die (leider nur) einen germanistischen Hintergrund haben. Viele Journalisten haben die Erwartungshaltung, dass aus den zur Verfügung stehenden Daten in einfacher Weise Geschichten entstehen, ohne dass sie lernen müssen, in Daten Muster und Geschichten zu erkennen.

#Zukunft

Die Diskussion um #OpenGov ist durch Ernüchterung gekennzeichnet. Aktivisten müssen erkennen, dass Verwaltungen und Politikberater nicht zwangsläufig ein altruistisches Interesse an mehr Offenheit gegenüber dem Bürger haben müssen. Nachvollziehbare Praxisbeispiele scheinen nach wie vor zu fehlen. Daten-Journalismus ist nach wie vor erst in Ansätzen erkennbar. Es gibt hier interessanten Ansätze, die aber nach wie vor nicht deutlich machen können, worin der spezielle Mehrwert der Nutzung offener Daten für den Journalismus liegen könnte. Dies spricht aber natürlich nicht gegen die Nutzung von Daten während einer Recherche und des Verfassens einer Storyline; es spricht vielmehr dafür, dass der journalistische Beruf vor tiefgreifenden Umwälzungen steht.