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Sonntag, 7. Juli 2013

"My present is all of your futures"

"My present is all of your futures", so lautete die Aussage von @ioerror mit Blick auf den Umfang der Überwachung und der Repressionen, denen er zur Zeit als kritischer Geist in den USA schon ausgesetzt ist (dies umso mehr nach dem #SPON Interview mit #Snowden) und die für die Zukunft für alle Personen zunehmend erwartet werden müssen, die sich der Garantie der Bürgerrechte verpflichtet fühlen (und dies öffentlich äußern). Den Rahmen bildete der 14. Netzpolitische Abend der Digitalen Gesellschaft in der c-Base. Insgesamt sind die dort gehaltenen Vorträge jedem Internetnutzer empfohlen, der sich einen Einblick in die Systematik und Vorgehensweise der staatlichen Überwachung verschaffen möchte.


Wer keine Zeit hat, das 50-minütige Video des Vortrags von @ioerror zu schauen, kann sich auch an den folgenden 5 Punkten orientieren, die er während seines Vortrags besonders hervorgehoben hat:

1) Die Überwachungsdienste haben das Internet beispielhaft zu dem rechtsfreien Raum gemacht, vor dem traditionelle Politik die Menschen (Offline) immer gewarnt hat. Dass allerdings dieser Rechtsbruch bzw. die Ausnutzung der Rechtsfreiheit ausgerechnet durch die Geheimdienste der demokratischen Staaten geschehen ist, ist Ironie des Schicksals und aus Sicht der Bürgerechte an Bitterkeit nicht zu überbieten. Jeglicher Fingerzeig der traditionellen Medien auf die schwierige Arbeit der Journalisten in Russland erhält dadurch einen seltsamen Beigeschmack.

2) Die flächendeckende Überwachung insbesondere Deutschlands wird sich nicht ändern, da sich die US-Dienste natürlich in keiner Weise an europäisches oder deutsches Recht gebunden fühlen. Diese Missachtung nationaler Gesetzgebung ist zugleich die Missachtung eines modernen Verständnisses nationaler Souveränität und damit ein aggressiver Akt.

3) Es kann nicht mehr darum gehen, Privacy umfassend zu garantieren. Es wird in Zukunft eher darum gehen, einige wenige Augenblicke mit Hilfe von End-to-End-Verschlüsselung im Netz zu haben, in denen man die Privacy durch Verschlüsselungen noch erreichen kann. Die IMEIs der Geräte, denkbare feste und personenbezogene IP-Adressen sowie die MAC-Adressen der Computer ermöglichen eine internationale zeitlich unbeschränkte Totalüberwachung der Menschen.

4) Das Sammeln von Daten kann noch "objektiv" und systemisch geschehen. Das Problem ist die willkürliche Interpretation der Zusammenhänge der Daten durch eine Person. Die überwachten Bürger sind wenigen Analysten ausgeliefert, die meinen in den Daten bestimmte Muster oder Geschichten erkennen zu können. Die analysierten Personen haben aber keine Ahnung, welche Geschichte ihnen zugeschrieben wird, da es keine Kontrolle der analysierenden Personen gibt. Oder wie es @Kattascha im o.g. SZ-Artikel treffend schreibt: "Wer nichts zu verbergen hat, dem wird im Überwachungsstaat ein ewiger Prozess gemacht. Ohne das Recht zu schweigen. Ohne Anwalt." Problematisch wird es dann, wenn daraus Drohnen-Attacken o.ä. abgeleitet werden, ohne das Beschuldigte jemals die Chance erhalten, sich dazu selbst zu äußern.

5) Man sollte die Hoffnung nicht aufgeben, dass durch viele kleine Schritte der Verschlüsselung ein Stück weit die Privacy gerettet werden kann. Verschlüsselte Mails, VPNs, die Nutzung von TOR, ein geschärftes Sicherheitsbewusstsein und schnell und leicht umsetzbare Sicherheitsmaßnahmen beim eigenen Surfen sind Ansätze, die momentan eine erste Möglichkeit der digitalen Selbstverteidigung darstellen.