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Mittwoch, 17. Juli 2013

Jung & Naiv - Episode 72: The Architecture of Big Brother - with Jacob Appelbaum

Teil 2 der kleinen Interview-Reihe von Tilo Jung mit Jacob Appelbaum befasst sich v.a. mit der politischen und staatsbürgerlichen Sicht auf die flächendeckende Überwachung der Bundesbürger durch die NSA. Dabei ist es schon erstaunlich, dass Appelbaum Selbstverständlichkeiten betonen muss - Schutz der eigenen Bürger vor der Überwachung und Bedrohung durch einen anderen Staat - die man eigentlich aus dem Munde der eigenen Politiker längst hätte hören müssen. Wenn stattdessen die Bundesbürger von eben jenen Entscheidern zu hören bekommen, sie sollten mehr für die Sicherheit ihrer Daten tun, so spricht daraus Hohn gegenüber den eigenen Bürgern.

Leider steht zu befürchten, dass die Wähler zur Wahl das Kreuz an der - bezüglich dieser Thematik - falschen Stelle machen, da ihnen das technische Verständnis für die weitreichende Überwachung fehlt und damit eine souveräne Entscheidung darüber, welche Partei in welcher Weise für die Sicherheit der eigenen Daten eintritt, nicht mal ansatzweise möglich ist. Wiretapping, VDS, VPN, Kryptopartys, End-to-End-Verschlüsselung oder Man-in-the-Middle-Attack sind Elemente der Debatte, die zukünftig zum Lehrstoff jedes Schul-Curriculums gehören müssten. Wir sind weit davon entfernt dies umsetzen zu können. Damit sind wir aber auch weit davon entfernt, Herr und Frau der eigenen Kommunikation und damit politisch souveräne Menschen zu sein. Schade drum.


  • Menschen, die andere Menschen auf ein Verbrechen hinweisen und dafür verfolgt werden, müssen geschützt werden.
  • Geheimgerichte greifen in Sprache ein, indem "relevant" neu definiert wird; Information ist demnach "relevant" allein aufgrund ihrer Existenz.
  • Das Bedenkliche ist, dass die Menschen nicht wissen, wonach oder wie gescannt wird; diese Unsicherheit übt an sich Furcht aus, so dass demokratische Debatten gefährdet sind.
  • Es ist nicht die deutsche Regierung, die über die Daten der Deutschen bestimmt, sondern die US-Regierung; dies ist ein Übergriff auf einen souveränen Staat.
  • Die Menschen werden durch das Abgreifen ihrer persönlichen Daten der Interpretation ihrer Persönlichkeit und Geschichte beraubt. Sie verlieren ihre Autonomie.
  • Die Geheimhaltung von Abläufen und Überwachungen führt zu einer Parallelwelt innerhalb der Demokratie.
  • Es muss mehr als bedenklich stimmen, dass man als Journalist heute in Demokratien nur deshalb überwacht wird, weil man gegenüber der Regierung kritisch eingestellt ist.
  • Menschen werden allein deshalb zum Ziel, weil sie bestimmte soziodemografische Merkmale aufweisen; sie sind damit nur deshalb nicht frei und wissen das, weil sie Eigenschaften aufweisen, die nicht der Mehrheit entsprechen.
  • PIPA, ACTA, CISPA et al. sind dazu gedacht, die Menschen und ihre Handlungen zu kontrollieren; die einzige Möglichkeit, Demokratie zu erhalten ist es, die Kommunikation zwischen Menschen zu verschlüsseln
  • Skype ist ein sehr passendes Beispiel dafür, wie proprietäre Software dazu genutzt wird, Menschen und ihre Kommunikation sowohl durch den Staat als auch Unternehmen zu überwachen.
  • Gefährlich ist der Glaube, mit Gesetzen gegen die Überwachung das technisch Machbare scheinbar begrenzen zu können; dies ergibt eine Scheinsicherheit.
  • Ohne das Verständnis der Technik können keine wirksamen Gesetze auch nur angedacht werden.
  • Die anstehenden Wahlen sind eine Möglichkeit, die Politiker zu wählen, die sich für die Interessen der hiesigen Bürger einsetzen.
Der 3. Teil des Interviews will Fragen der User behandeln. Man darf auch auf diesen letzten Teil der Interview-Reihe gespannt sein.