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Freitag, 14. Juni 2013

Globalisierung: Mit Daten und Narrativen zu erfassen?

Update: Here you can find the English version.

Wenn man sich doch irgendwie darauf einigen könnte, wie man das Thema Globalisierung definieren oder operationalisieren könnte, wie man einen Konsens über die Rahmenbedingungen herstellen und ein gemeinsames Verständnis der Chancen, Risiken oder ganz einfach der Folgen erreichen könnte, so lautet das Fazit des 2. Tages des Tällberg Forums in Schweden, erschiene dieses Thema nicht mehr ganz so übergroß. Am Ende muss gefragt werden: lässt die Globalisierung das Konstrukt des Nationalstaates nicht letztlich obsolet werden?
  1. Globalisierung ist ein wirtschaftlicher, gesellschaftlicher oder auch politischer Prozess. Im Idealfall werden alle drei Dimensionen gleichzeitig betrachtet (was die Analyse nicht gerade vereinfacht, aber die Realität letztlich besser abbildet).
  2. Je nach Wahl der Dimension kommen unterschiedliche Akteure ins Spiel; sind es die Kunden, die mit ihrer Nachfrage den Güteraustausch erst in Gang bringen, sind es Politiker, die internationale Politik seit jeher als Einflusssphärenpolitik interpretiert haben, sind es die Unternehmen, die, so ein Diskutant, nur danach streben, frei von Regulierung ihre Profite zu maximieren und die Steuerlast zu minimieren? 
  3. Ist es am Ende gar der Durchschnittsweltbürger, der dem freien Güteraustausch, dem Datenaustausch und dem Reisen der Entscheider in Politik und Wirtschaft nur zuschauen kann, weil er als einziger Akteur in der Globalisierung nicht frei reisen und sich bewegen darf?
  4. Wie ist das Verhältnis der Faktoren Globalisierung, technologische Entwicklung und Innovation ausgebildet? Welcher Faktor treibt welchen Faktor voran? (die Antwort erfolgt zumeist nach der eigenen Positionierung in diesem Dreiecksverhältnis).
  5. Ist die Souveränität von Staaten bezüglich des Prozesses der Globalisierung hinderlich (vs. grenzenloses Internet), förderlich (internationale Abkommen nur zwischen souveränen Staaten möglich), offensiv auszulegen (China gegenüber Taiwan) oder defensiv zu verstehen (Baltikum gegenüber Russland).
  6. Egal wie das Konzept der Souveränität als Grundlage politischen Handelns von Staaten verstanden wird, ist es den politischen Akteuren nicht mehr möglich, Entscheidungen auf Basis der globalen Komplexität abzuleiten. 
  7. Der Umgang mit globaler Komplexität konnte noch nicht einmal im Ansatz "geübt" werden. Diese Unsicherheit der Entscheider verspüren auch die Bürger.
  8. Macht es angesichts der weltweiten Herausforderungen beim Klimawandel und der Ressourcenknappheit überhaupt Sinn, von einer Globalisierung - im Sinne eines noch zu erreichenden Zustandes - zu sprechen? Die weltweiten Herausforderungen für die Menschheit sind bereits globalisiert; ist der Prozess der Globalisierung nicht schon ans Ende gekommen?
  9. Die Debattenbeiträge haben deutlich gemacht: Während die eine Weltmacht noch meint, Globalisierung müsse noch nach ihren Vorstellungen erfolgen (USA), freut sich die nachfolgende Weltmacht schon, dass die Regeln zukünftig nach ihren Vorstellungen gesetzt werden (China). Kleinere Staaten oder gar Weltbürger werden nicht gefragt.
  10. Das Konstrukt physikalischer Grenzen und nationaler Regulierungen verträgt sich immer schlechter mit der Dynamik des Internets und der Rolle, die das Internet in der globalisierten Welt spielt.
  11. Vor dem Hintergrund dieser durch die Globalisierung verstärkten Komplexität stellen das Internet und die sozialen Medien eine immense Herausforderung für Politik 1.0 (und auch abgeschottete Unternehmen) dar. Gern wird in diesem Kontext davon gesprochen, dass das Internet die Demokratie gefährde.
  12. Es ist aber stattdessen zu beobachten, dass Menschen sich über das Netz direkt in Kontakt miteinander bringen; staatliche Souveränität wird damit letztlich zur juristischen und leblosen Hülle von ehemaligen Nationalstaaten. 
  13. Lokale und soziale Communities lösen die Nation als Bezugspunkt für das eigene Leben ab.
Gibt es eine positive Zukunftsversion? Big Data wird zur Zeit als Buzzword zwischen den Medien durchgereicht. Ob es Quantified Self, Facebook, Google, NSA sind oder ob es um die Messung größerer Aggregate geht, Daten zu erheben scheint im Moment eine interessante Alternative, um mit Komplexität umzugehen. Muster in den Daten erkennen, um daraus Schlüsse für Entscheidungen zu ziehen, scheint eine der positiven Zukunftsperspektiven zu sein. Es ist aber auch gerade heute wieder in den verschiedenen Sessions deutlich geworden, dass erst die Zusammenschau von Daten und persönlichen Geschichten rund um die Daten Analysen vollständig werden lässt und die Menschen zum Engagement, zur Verhaltensänderung antreibt.