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Montag, 17. Juni 2013

Alles Globalisierung! Aber was ist zu tun?

Der dritte Tag des Tällberg Forums behandelte das Thema von Leadership in einer globalisierten und komplexen Welt. Dabei hatte man durchweg den Eindruck, dass sowohl "Experten" als auch den normalen "Nicht-Experten" eine deutlich vernehmbare Unsicherheit kennzeichnet. Dabei spielt es dann auch keine Rolle, ob "Globalisierung" versucht wird, analytisch, spirituell oder (sozial) psychologisch anzugehen. 

Die Gedanken sind frei (und können nicht eingezäunt werden)
Jan Arpe und ich hatten vorgeschlagen, die Kombination von datengestützter Analyse und persönlichen Storys dafür zu nutzen, sich dem schwer zu greifenden Thema von zwei Seiten zu nähern.

Die Teilnehmer der verschiedenen Sessions waren sich recht schnell einig, dass die Menschen weltweit trotz der globalisierten Probleme zugleich auch universelle Werte - unabhängig von den jeweiligen kulturellen, religiösen, nationalstaatlichen oder regionalen Hintergründen - verbinden.

Um aber letztlich doch Konflikte vermeiden bzw. erfolgreich angehen und lösen zu können, bedarf es einen ganz neuen Katalogs von Anforderungen für eine Leadership 2.0-Vorgehensweise. Empathie, Kommunikationsfähigkeit, Einfühlungsvermögen und Offenheit - egal ob auf persönlicher, institutioneller oder unternehmerischer Ebene sind die Kriterien dieses neuen Führungsverständnisses.

Dabei gibt es verschiedenen Wege, um diese Kompetenzen zu vermitteln. Sei es die Umgestaltung der Schul-Pläne weg von der reinen Performanz hin zu eher wertebasierter Methodenlehre, teure Management-Kurse, die selbstdisziplinierenden Effekte der Aktivität in den sozialen Medien.

Egal ob es aber die eigene Session war, in der wir uns dem Thema analytisch und eher nüchtern genähert haben, die Session mit den Experten für Compassion und Spiritualität oder aber der Verleger des Magazins, in dem es nur positiven News zu lesen gibt, eines war allen Teilnehmern gemein: die Ablehnung eines Weiter-So und einer sowohl nationalstaatlich als individuell egoistischen Vorgehensweise in der Findung von Entscheidungen.

Das eigentlich Spannende war damit die Beobachtung, dass sich die Werte anscheinend unabhängig vom kulturellen und nationalen Hintergrund verschieben (oder war es eher der Effekt der Filter-Bubble?). Status, Materialismus, Hierarchien, Egozentrismus, Konkurrenz, Wettbewerb sind Werte und Mechanismus, die auf dem Rückzug zu sein scheinen, während - auch befördert durch die flache bzw. gar nicht vorhandene Hierarchie des Internets (je nachdem, wohin man schaut!) - Empathie, (positiver) Wetteifer, Kommunikation, Respekt der Unterschiedlichkeit und die Forderung allgemeiner Transparenz Werte und Mechanismen sind, die zur Zeit stark im kommen begriffen sind.

Trotz Verschiedenartigkeit verbunden durch allgemeingültige Werte
Und was bedeutet das alles für die Menschen, die in Institutionen nicht entscheiden dürfen, die täglich mit einem Dollar auskommen müssen, die noch nie ihr Dorf verlassen konnten, die fürchten müssen, durch die Trümmer einer maroden Fabrik erschlagen zu werden, die persönliche Armut in reichen Ländern erleben, die die Krankheit verursachenden Folgen einer rücksichtslosen Produktionsweise tragen müssen?

Was bedeutet dieser eventuell vorhandene Wertewandel aber auch für Entscheider in Politik und Wirtschaft? Ist ein Krieg gegen die eigene Bevölkerung, eine Öl-Verschmutzung weiter Landstriche in Nigeria, die Entscheidung für die Produktion von Gütern, die Krebs verursachen, für die Produktion von Plastik, das die Ozeane verdreckt unter solchen Umständen durch Entscheidet überhaupt denkbar? Umgekehrt gefragt: sind die heutigen Konflikte und die rücksichtslose Ausbeutung von Menschen und der Natur vielleicht nur die Folge einer individuellen Persönlichkeitsstörung, die solche Folgen verursachenden Entscheidungen überhaupt erst möglich macht?

Ich bin mir nicht sicher. (Um es mit den Worten von Hein Blöd zu sagen: Fragt lieber nochmal eure Eltern).

Konferenzen, auf denen die o.g. Themen in einer eventuell vorhandenen Filter-Bubble besprochen werden (und gegen den Filter schützt auch keine akademische Ausbildung; im Gegenteil, sie kann eventuell noch gestärkt werden), haben auch im digitalen Zeitalter ihren Zweck. Erst durch diese Konferenzen erhalten die Änderungen der Werte eine Chance auf Multiplikation in den heute relevanten Entscheidekreisen. Wir sollten allerdings darauf achten, dass die Multiplikatoreneffekt noch dadurch ausgebaut werden kann, indem erstens mediale Transparenz der dort besprochenen Inhalte über das Internet deutlich ausgebaut wird und zweitens, indem ebenfalls auf Basis der Online-Präsenz Meinungen von außerhalb der Filter-Bubble zugelassen und ganz bewusst und aktiv mit in das Format einbezogen werden.

Ist konsequente Offenheit erreicht, kann versucht werden, beide Personengruppen miteinander ins Gespräch zu bringen, um gemeinsam die globalen Herausforderungen anzugehen.