.

.

Donnerstag, 2. Mai 2013

Nutzung von Twitter in der schwedischen und deutschen Regierung: Partizipation der Bürger in Schweden deutlich höher

Neben den sehr weitreichenden Möglichkeiten, Open Government als direkte Einflussnahme bzw. Partizipation am politischen Entscheidungsprozess durch Debatten- oder Daten-Transparenz teilzunehmen zu verstehen, gibt es natürlich noch andere Abstufungen. Hierzu gehören die in Deutschland im politischen Bereich nach wie vor nicht sehr populären Blogs (Ausnahme Thema Netzpolitik) und Facebook. Während politische Themenblogs hierzulande nach wie vor ein Schattendasein fristen, haben sich die Facebook-Accounts der politischen Akteurinnen inzwischen zu reinen PR-Abspielplattformen entwickelt. Waren die ersten politischen Pionierinnen auf Facebook noch häufiger an einer politischen Debatte interessiert, hat die Entwicklung von Facebook zur Mainstream-Plattform zu einer Verwässerung des inhaltlichen Austausches geführt. Inzwischen ist es schwierig, einen politischen Account zu finden, der nicht dem beständigen Wahlkampf dient.

Damit rückt aber langsam Twitter in den Fokus der direkten politischen Kommunikation. Schnelligkeit, Unmittelbarkeit, Prägnanz und die Notwendigkeit zur Authentizität prägen den Auftritt und die persönliche Aktivität auf Twitter. Hier kann nicht so stark mit Hochglanzseiten die Wahrnehmung der Leserinnen beeinflusst werden, politische PR fällt sehr stark negativ auf. Für die twitternden Politikerinnen ergibt sich - wie auch für Konzernlenkerinnen - die Möglichkeit der direkten Abfrage von Informationen, die im eigenen Alltag für Entscheidungen oder das Auffangen von Stimmungen nützlich sein können. Risiken liegen in der unbedachten Äußerung von kritischen Beiträgen und der darauf folgenden Gefahr des Shitstorms.

Vor diesem Hintergrund habe ich mal die Twitter-Aktivitäten der schwedischen und der deutschen Regierungen miteinander vergleichen, um zu sehen, ob man daraus irgendwelche Schlussfolgerungen ziehen kann. Das Hauptergebnis ist, dass das Potenzial von Twitter als Element der politischen Kommunikation in Deutschland noch nicht einmal ansatzweise ausgeschöpft, geschweige denn angebrochen wurde.
Zahl der Follower auf Twitter (Stand: April 2013)

In Schweden twittern 13 Mitglieder des Kabinetts (entspricht 52%), in Deutschland twittern 4 Ministerinnen (der Account von Rösler wird eher zu reinen PR-Zwecken genutzt) des Kabinetts (25%).

Der prominenteste schwedische Twitterer in der Regierung, Carl Bildt, hat einen sehr hohen Klout-Wert von 84, während der auf Twitter prominenteste deutsche Minister, Peter Altmaier, einen Klout-Wert von 70 aufweist (Barack Obama 99).


Verzeichnis der twitternden Minister auf der schwedischen Regierungsseite

Die schwedischen Regierungsmitglieder haben bei einer Gesamtbevölkerung von 9 Mio. Menschen insgesamt 291.000 Follower (3,2% der Bevölkerung). Den deutschen Regierungsmitgliedern folgen insgesamt 90.000 Menschen (0,1% der Bevölkerung).

Da bis auf den schwedischen Außenminister Bildt in beiden Ländern nahezu ohne Ausnahme in der eigenen Sprache getwittert wird, müsste diese Quote relativ genau der landesspezifischen Beteiligung am politischen Geschehen der aktiven Twitterinnen entsprechen. Damit ist die politische Beteiligung über Twitter in Schweden in etwa um den Faktor 30 höher als in Deutschland.

In Deutschland haben diejenigen Regierungsmitglieder eine hohe Follower-Zahl, die bezüglich ihres Alters eher zu den jüngeren Kabinettsmitgliedern (Bahr, Schröder) zählen oder aber thematisch mit Internetthemen befasst sind (Leuthheusser-Schnarrenberger) oder waren (Altmaier).

Ein großer Teil der schwedischen Regierung schreibt aber auch auf persönlich gehaltenen Blogs. Darüber hinaus gibt es sogar - wie im Falle des Außenministeriums - eigene Blogs der Verwaltung. Neben der großen Zahl an twitternden schwedischen Regierungsmitgliedern gibt es auch mehrere Twitter-Accounts von Verwaltungen der Ministerinnen, die nicht persönlich twittern.

Wie kann es bloß sein, dass die schwedischen Ministerinnen so viel Zeit haben? (Ironie)