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Montag, 25. Februar 2013

Ich zog aus, um Globalisierung zu messen….

Dieser Gastbeitrag stammt von meinem Kollegen Johannes Köhler-Kaeß. Für Mail-Kontakt einfach seinen Namen anklicken. Johannes beschäftigt sich gerade mit der Erfassung von "Globalisierung" im Rahmen eines größeren Projektes. Die Ergebnisse seiner Recherche, mit der er sich in das Thema eingearbeitet hat, können auch im verlinkten offenen Doc eingesehen und kommentiert werden.

Vor einiger Zeit beschäftigte ich mich im Zuge meiner Arbeit im GED-Team (Global Economic Dynamics (GED) ist ein junges Programm der Bertelsmann Stiftung, dass sich mit Globalen Wirtschaftsdynamiken befasst) damit, wie sich die Globalisierung eines Landes messen lässt. Ein entsprechendes Instrument zum Lösen der Aufgabe sollte eine global auftretende Größe, ein Indikator oder etwas Artverwandtes sein.  Die Aufgabe schien mir eine interessante Herausforderung zu sein. Ich machte mich also voller Eifer an meine ersten Recherchen und stellte mir dabei folgende Fragen: Was will ich eigentlich messen? Globalisierung, was ist das überhaupt genau? Gibt es überhaupt eine allgemeingültige Definition der Globalisierung?
               
Foto: MorBCN(CC BY-NC-SA 2.0)

Ich ging den Fragen in umgekehrter Reihenfolge nach und stellte zunächst fest: Nein! Tatsächlich habe ich keine einheitliche Definition gefunden.
Globalisierung wurde beispielsweise von der Unternehmensberatung A.T. Kearney als „zunehmende Interdependenz über große Distanzen“, von der OECD als ein Prozeß, durch den Märkte und Produktion in verschiedenen Ländern immer mehr voneinander abhängig werden – dank der Dynamik des Handels mit Gütern und Dienstleistungen und durch die Bewegung von Kapital und Technologie."  Definiert.  Axel Dreher orientierte sich an einer Definition, die Globalisierung als „netzwerkschaffender Prozess zwischen Akteuren auf multikontinentaler Ebene, verwirklicht durch Strome von Menschen, Informationen und Ideen, sowie Kapital und Gütern“ auffasste. Auf Wikipedia heißt es, dass Die Frage, ab welchem Zeitpunkt man von Globalisierung sprechen kann“ umstritten ist. 

Ab dem zweiten Weltkrieg, ab dem 15. Jahrhundert mit Beginn der Europäischen Expansion oder ab dem Beginn der Menschheitsgeschichte werden vorgeschlagen. Recht uneindeutig. Also weiter mit Frage zwei.
Globalisierung, was ist das überhaupt genau? Ich grübelte mit Hilfe meiner ersten Recherchen darüber nach und brauchte etwas für die Erkenntnis, die mir dann doch sehr einleuchtend erschien: Globalisierung ist einfach ein Wort. Ganz simpel. Das, was hinter diesem Wort steht, ist hingegen sehr komplex, also nicht mit nur einem einfachen Begriff greifbar. Es stellte sich das Gleiche für meine angestrebte Messung heraus. 

Seit einigen Jahren haben sich einige sogenannte Composite Indizes entwickelt, welche verschiedenste Indikatoren auf Länderebene aufgreifen, um den „Grad der Vernetzung“ oder den Fortlauf des „Globalisierungsprozesses“ zu messen. Ein Überblick hierzu findet man in diesem Dokument. Zu den Indikatoren der in diesem Dokument beschriebenen Composite Indizes gehören unter anderem die „Beteiligung am Globalen Handel“, die „Anzahl internationaler Telefongespräche“, die aus einem Land heraus in einem Jahr geführt werden oder auch die Verbreitung von Mc-Donalds Restaurants pro Kopf in einem Land (vgl. Tabellen S. 28-33).

Ich erstellte eine Liste all dieser Indikatoren. Bald hatte ich über hundert gesammelt und betrachtete meine Liste, im Hinterkopf meine erste Frage: Was will ich eigentlich messen? Ich verspürte das Bedürfnis, alle Indikatoren, die ich fand, zusammen in einen einfachen, handlichen Index zu "quetschen", um eine überschaubare Messgröße auf Länderebene zu erhalten. Doch desto mehr ich darüber nachdachte, desto unzufriedener machte mich der Gedanke einer komplexen Kennzahl, würde ich letztendlich doch nur etwas bekommen, was genau so wäre, wie das Wort, dass ich mit meiner Messung zu beschreiben versuchte; etwas wie einen uneindeutigen Begriff, der ohne weiteren Kontext eine „Black Box“ wäre, ein Index, dem man nicht ansehen kann, was in ihm verborgen ist. Ich würde das Gesamtbild, das Gemälde der Globalisierung nehmen und alle Farben, alle Konturen zu einem Punkt zusammenführen, der dann nur zwischen Hellbraun und dunkelbraun differenzieren würde. Ich denke, das trifft es.

Foto: tracey st.peter; CC BY-NC-ND 2.0
 Letztendlich kam ich zu dem Schluss, dass man Globalisierung nicht einfach messen kann, sondern allenfalls bestimmte Aspekte der Globalisierung, die man sorgfältig absteckt. Ein Beispiel hierfür wäre etwa die „Internationale Kommunikation auf privater Ebene“, ein anderes die „Globale Verbreitung technologischen Wissens“.  Alles andere würde der Komplexität und der Mannigfaltigkeit, die hinter dem Begriff der Globalisierung steht, nicht gerecht werden. 

Bevor ich mich also weiter darum kümmere, eine Definition für Globalisierung zu gewinnen oder zu kreieren, halte ich mich daran, ihre wesentlichen Gesichtspunkte zu erfassen und zu verstehen. Derzeitig befasse ich mich intensiv mit Welthandel und Folgen sowie Risiken der sich weiter verstärkenden Dependenzen. Zu diesem Aspekt kann ich mit Sicherheit sagen, dass Globalisierung nach allen obigen Definitionen stattfindet.
Gern würde mich euer Feedback zu meinen Ausführungen interessieren. Ihr könnt mich unter der hinterlegten Mailadresse oder aber per Facebook erreichen.