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Mittwoch, 26. Dezember 2012

Youtube und unser Selbstbild als Demokratie

In dieser Woche twitterte der Open Data Aktivist Michael Kreil eine interessante Nachricht, die, wenn sie sich anhand seines Scrapers auch in der weiteren Analyse als wahr herausstellen sollte, eine weitreichende Bedeutung hätte.


Es sind diese Zahlen, die weiterer Betrachtungsweise unser Selbstbild als Demokratie im Gegensatz zu unseren Vorstellungen über die Länder des arabischen Frühlings ein Stück weiter ins Wanken bringen könnten. Wie ehedem der scheinbare Schwarz-Weiß-Gegensatz zwischen Ostblock und dem Westen in Zeiten des kalten Krieges scheinen wir auch jetzt wieder vor Augen geführt bekommen, dass die Trennung zwischen Demokratie und Nicht-Demokratie scheinbar nicht so einfach zu ziehen ist, wie uns das die Traditionsmedien (Hier Demokraten, dort Islamisten) immer wieder darstellen.

Wenn Youtube DAS globale Video-Medium für Texte, Vorträge, Musik, Tutorials oder politische Hilferufe ist, frage ich mich, welche Bedeutung es hat, dass in Deutschland ca. 17 mal so viele Videos gesperrt sind wie in Afghanistan. Sind tatsächlich alle gesperrten Videos Folge der Streitigkeiten zwischen GEMA und Youtube/Google? Wo genau liegt die Grenze zur Sperrung politisch nicht genehmer Videos von parteipolitischen Wettbewerbern und politisch unbequemen Aktivisten?

Sebastian Haselbeck (Disclaimer: Sebastian ist Mitglied des Collaboratory-Kernteams; das Collaboratory wurde vor einigen Monaten von Google initiativ auf den Weg gebracht, ist nunmehr aber ein eigenständiger Verein) hat vor einigen Tagen im Collaboratory-Blog unter der Überschrift "Für die Freiheit" dazu sehr pointiert und passend vermerkt:

"Es ist Irrsinn, dass ich mit einem Auto voller Waren, Menschen und Banknoten von einem Eck der EU in die andere fahren kann und an den meisten Grenzen noch nicht einmal merke, dass ich eine passiert habe. Online hingegen muss ich das Gefühl haben, der Westfälische Frieden wurde erst letzte Woche geschlossen."

Ich sehe die Herausforderung momentan darin, dass inzwischen zwar die meisten Bürger andere Länder der EU besucht haben, der "Reiseverkehr" im Netz aber noch nicht so flächendeckend stattgefunden hat. Die meisten Mainstream-Nutzer bemerken wahrscheinlich gar keine Grenzen des westfälischen (Online-) Friedens, weil sie nicht an diese gestoßen sind.

Kleiner Tipp: Jeder ins Ausland reisende GEZ-Zahler möge doch mal versuchen, die ARD-Tagesschau in voller Länge und ungeschwärzt per Stream zu sehen....