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Sonntag, 9. Dezember 2012

Die Energiewende - der Film, die Traditionsmedien und die grüne Sprachlosigkeit

Gibt man im Suchfeld der Website der Partei "Die Grünen" den Suchbegriff "Energiewende" ein, so erhält man - nach Relevanz sortiert - Anfragen zu Speichertechnologien, Klimaschutz in der Raumordnung, Energiewende in Gewächshäusern (!), Fukushima, Anfrage zur Abfall- und Wasserwirtschaft und abschaltbare Lasten in der Industrie. Ist diese eher "unspannende" Auswahl eventuell ein Indikator dafür, dass der Eindruck entstehen könnte, die Energiewende habe ihre Fürsprecher verloren?

Es geht auch anders. Filmprojekt: "Leben mit der Energiewende"

Es ist augenfällig und irgendwie seltsam, in welch hoher Frequenz die bekannten Papiermedien (Spiegel, MM, FAZ) sich zu den vermeintlichen Folgekosten der Energiewende äußern:
  1. "Verbraucher müssen zukünftig noch mehr für den Ausbau erneuerbarer Energien zahlen."
  2. "Die Energiewende birgt offenbar hohe Risiken für die Stromversorgung in Deutschland."
  3. "Kraftwerken in NRW droht im Zuge der Energiewende der Kahlschlag."
  4. "Eine wachsende Zahl von Investoren sucht bei Offshore-Windprojekten das Weite."
  5. "Verbraucher bekommen die Energiewende zum Jahresanfang erstmals mit voller Wucht zu spüren".
  6. "Der Süden Deutschlands ist von den Auswirkungen der Energiewende besonders stark betroffen."
  7. "Die Regierung erstickt den Wettbewerb in der Stromversorgung. Durch ein neues Gesetz müssen die Verbraucher wohl eine Milliarde Euro extra zahlen."

Auf der anderen Seite der Debatte gibt es - neben dem dauerpräsenten Jürgen Trittin - wenige Fürsprecher der Energiewende, die zur Zeit eine Chance haben, in den öffentlich-rechtlichen und den Papiermedien aufzutauchen. Vielleicht geht es aber auch nur nicht darum, ob eine Chance besteht gehört zu werden: vielleicht hat die Energiewende ihre Fürsprecher verloren, weil das Feld von Langfristplanung für die nächsten 50 Jahre und die Möglichkeit der politischen Problematik eines Stromausfalls im Winter kein Gebiet ist, in dem eine politische Profilierung möglich scheint (oder fehlt der Mut)?

So äußerte sich auch vor kurzem die Utopia-Chefin, Claudia Langer, erstaunlich deutlich in Richtung Politik und nahm sich dabei insbesondere die Grünen vor. Langer appelliert an den Leser, sich nicht länger auf die Politik als den relevanten Akteur zur Lösung gesellschaftlicher und weltweiter Probleme zu verlassen. Für sie sind selbst die Grünen kein glaubhafter Akteur im Kampf gegen den Klimawandel und für die Energiewende mehr. Auch sie kritisiert die Fokussierung der tradierten Medien auf die "Kosten" der Energiewende und die fehlende Konzentration auf die mit der Energiewende verbundenen Chancen für Natur UND Wirtschaft. Dem ist aus meiner Sicht nur zuzustimmen.

Betrachtet man die Energiewende in einem größeren Kontext, so wird deutlich, dass es weniger um die rein technische Bewältigung der Umstellung der Energieversorgung geht. Der Rückzug von Investoren aus den Windparkinvestitionen und der Streit um die Haftungsfrage beim Netzausbau sowie des Schutzes vor Stromausfällen geht einher mit einer Demokratisierung der Energieversorgung; es ist dieser Paradigmenwechsel, mit dem anscheinend sowohl die großen Energieversorger, manche Medien als auch zum Teil die Grünen zu hadern scheinen.

Der freie Journalist Frank Farenski hat sich in seinem Filmprojekt "Energiewende - Der Film" mit diesen Fragen befasst. Dieses Filmprojekt ist gleich in dreierlei Hinsicht spannend:

a) Farenski umgeht die großen Traditionsmedien, wenn es darum geht, den Film einem breiten Publikum zu zeigen. Stattdessen setzt er auf eine CC-Lizenz und erlaubt die basisdemokratische Distribution sowie die Weiterverwendung der Filmmaterialien.
b) Er finanziert den Film dadurch, dass er Lizenzen an große Unternehmen und Stiftungen verkauft. Ganz nebenbei zeigt er damit den Traditionsmedien, wie trotz CC-Lizensierung mit einem journalistischem Produkt Geld verdient werden kann.
c) Schließlich äußert er sich im Film bewusst nicht pseudo-objektiv sondern bezieht in überzeugender Weise offen Stellung. Man kann als Zuschauer selbst entscheiden, wie man am Ende damit umgeht. Er spielt keine Objektivität vor, wo sie auch sonst kein anderer Journalist haben könnte.

Farenski erklärt in seinem Film die Logiken der Strombörse, die Wirkungsmechanismen des EEG, den Zusammenhang zwischen ehemaliger Förderung deutscher Solartechnik und den anschließenden Ausverkauf dieser Technik nach Indien und China und er verweist insbesondere im zweiten Teil des Films auf die Tatsache des anstehenden Paradigmenwechsels.

Die Grünen müssten über ein solches Filmprojekt unter dem Aspekt politischer PR eigentlich dankbar sein. Warum sind sie nur so still?