.

.

Montag, 26. November 2012

2025 - Die real existierende Universität

Während der übliche Weg bei der Befassung mit Internetthemen eigentlich immer nach Berlin führt (es sei denn, es findet ein IT-Dialog statt), ging es dieses Mal nach Hamburg. Am heutigen Freitag fand dort im kleinen Kreis und mit Teilnehmern aus Unis, IT-Unternehmen und NGOs einer kleiner Workshop mit dem Titel "Szenario Hochschule 2025" statt. Der Workshop wurde von Cisco, dem Multimedia Kontor Hamburg und CelTech veranstaltet.


Hat Offline eine Zukunft?
Foto: Ole Wintermann, Namensnennung, Unported, CC 3.0


Die Teilnehmer hatten bereits im Vorwege die Gelegenheit erhalten, zugespitzte Fragen zum Themenkomplex IT/Internet/Bildung/ zu formulieren. Allein schon der Blick auf die Rückmeldungen gibt eine Ahnung von den Herausforderungen, vor denen Bildungsinstitutionen angesichts von Internet und Globalisierung stehen:
  1. In welchem Spannungsverhältnis stehen die externe auf kurze Innovationszyklen bedachte IT und die interne auf Verstetigung fokussierte IT?
  2. Es besteht ein Akzeptanzproblem im Bildungsbereich hinsichtlich IT und Internet. Dies sind keine guten Voraussetzungen für die Qualität der Ausbildung von Schülern und Studenten.
  3. Die Zentralität bisheriger IT-Systeme widerspricht der zunehmenden Dezentralität der Nutzung von Google-, Apple- und Dropbox-Diensten. Das Internet ist grundsätzlich auf Dezentralität angelegt.
  4. In welchem Verhältnis steht die Heterogenität der Dienste und Techniken zur Mindestanforderung an Homogenität zwecks Kompatibilität der Systeme und Vergleichbarkeit der Bildungsabschlüsse?
  5. Wie können nachahmenswerte positive Anwendungsbeispiele initiiert werden, die zu innovativen Brüchen in den tradierten Entscheidungs- und Entwicklungsprozessen führen?
  6. Kann die Koordinierung der IT-Systeme in der öffentlichen Bildungslandschaft realistischer Weise überhaupt eine zentrale Steuerungsaufgabe sein? Muss ein zentraler Governance-Ansatz nicht zwangsläufig scheitern?
  7. Kultureller Wandel im Umgang mit IT/Internet kann nicht von oben verordnet werden sondern muss von Kollegen positiv vorgelebt werden.
  8. Ist eine Kooperation der Bildungsinstitutionen bei der Einführung neuer Bildungs-IT  überhaupt notwendig oder sollte nur dezentral vorgegangen werden?
  9. Wie können die IT-Abteilungen der Bildungsinstitutionen und die dort Beschäftigten dazu gebracht werden, mehr zu beraten und zu überantworten statt zentral zu regulieren?
  10. In Deutschland wird immer gleich die Frage nach den Risiken und dem Datenschutz gestellt. Wieso denkt man hierzulande so selten in Potenzialen?
Während sich diese Fragen eher mit der Gegenwart beschäftigen, wurde mit Blick auf 2025 eher an grundsätzlich neue Ansätze von Bildung - gerade auch mit Blick auf die globalisierte Konkurrenz und deren Potenziale - gedacht. Kinder und Jugendliche werden heute in einem kollektiven virtuellen Gedächtnis - dem Internet - sozialisiert, das keine zeitlichen, thematischen und Ländergrenzen mehr kennt. Die älteren Generationen sind ratlos, zu welchen Ergebnissen dies irgendwann einmal führen wird. Es können von der älteren Generation keine Erfahrungswerte mehr an die jüngere Generation weitergegeben werden.

Grundsätzlich ist man sich aber im klaren darüber, dass die Förderung von Wissensdifferenzierung, Abwägung, das Auffinden neuer Erkenntnisse durch soziale Interaktionen und die Methodik der Quellenarbeit die zukünftigen Aufgaben von Lehrern wie auch Hochschullehrenden sein werden. Hierzu sind aber keine dauerhaften Infrastrukturen mehr nötig. Es wird die Frage sein, wieso Studenten und Lehrende zukünftig noch zu wöchentlich stattfindenden Seminaren zusammen kommen sollten. Es wird nicht mehr um die Vermittlung von Wissen gehen sondern um die gemeinsame Erarbeitung des Zugangs zu Wissen und Erkenntnis. Wir werden eine eLearning-Didaktik kreieren müssen. Was bedeutet das aber für die real in der Offline-Welt existierenden Universitäten?

Werden traditionelle Universitäten wie Oxford und Cambridge zukünftig noch eine Rolle spielen, wenn alle Inhalte online verfügbar sind? Bezüglich ihrer Alumni-Netzwerke besteht die Frage, ob deren bisherige dauerhafte Alumni-Verbindungen weiterhin relevant sein werden? Welchen (beruflichen) Nutzen hat die Verbindung zu ehemaligen Mitstudierenden, wenn aus der Masse der online verfügbaren Kompetenzen jederzeit fachlicher Rat erfolgen kann?