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Montag, 22. Oktober 2012

"We don't force people to bailout banks"

Das aktuelle Interview mit dem isländischen Außenminister Ossur Skarphedinsson führt mal wieder vor Augen: Manchmal ist es einfacher als in der veröffentlichten Debatte angenommen. Was sollte die Politik in Folge einer Bankenkrise (aus gesellschaftlicher Sicht) wünschenswerter Weise beschließen? Die Steuern erhöhen, um die Schulden schneller abzubauen und gleichzeitig mit Infrastrukturausgaben die Wirtschaft und die Beschäftigung zu stützen, die Banken nicht retten sondern sich auf die Absicherung der individuellen Geldvermögen zu konzentrieren, die Folgen eines übermässigen Gewinnstrebens daher nicht sozialisieren? All dies wurde sowohl in der schwedischen Bankenkrisen als auch nach der Bankenkrise in Island so durchgeführt. Sicherlich kann als Gegenargument angeführt werden, dass die Länder zu klein waren, als dass der Bankrott ihrer Banken eine internationale Folgewirkung hätte haben können. Dennoch stellt sich Island momentan mit dem höchsten Wirtschaftswachstum in Europa und der niedrigsten Arbeitslosenquote in herausragender Verfassung (!) dar. Vielleicht lohnt daher ein Blick über den Tellerrand.

Dass man außerdem von einem Außenminister zu hören bekommt, dass das Whistelblowen zwar einzelnen Personen oder Institutionen schaden könne, der Gesellschaft als Ganzes aber zugute komme (nicht umsonst sind die isländische Bankenkrise und die Gesetzesinitiative eines Datenfreihafens miteinander verknüpft), ist ein weiteres Merkmal des ausgeprägten skandinavischen Pragmatismus (nicht zu verwechseln mit ordnungspolitischem Opportunismus), der dem europäischen Festland manchmal gut bekommen würde.

Das Interview mit dem isländischen Außenminister ist hier zu sehen: