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Donnerstag, 27. September 2012

Es wäre so einfach, wenn nicht immer gemeckert würde...

Update, 27.9.2012

Nachdem der Kulturpessimist Manfred Spitzer sich (und sein Buch) auf den meisten ÖR-Kanälen präsentieren durfte, kam es auf dem Censhare Future Day 2012 (nicht nur wir veranstalten Future Days?...) zum interessanten Aufeinandertreffen von Spitzer und Gunter Dueck.

Richard Gutjahr hat in seinem Blog eine sehr gute Zusammenfassung der Positionen von Dueck und Spitzer geschrieben, die sehr lesenswert ist. Um einen kurzen Eindruck von den unterschiedlichen Welten zu bekommen, sei das anliegende kurze Video aus dem Backstage-Bereich der Veranstaltung empfohlen. Man achte insbesondere auf die Tonalität der beiden Diskutanten und den Unwillen von Spitzer, sich auf Duecks Argumentation und Sichtweise einzulassen. Was sagt uns das ganz nebenbei über die Debattenfähigkeit und Offenheit von Wissenschaft?


6.9.2012


Rachel Beckwith's Mom Visits Ethiopia. from charity: water on Vimeo.

In den letzten 3 Wochen hatten viele TV-konsumierenden internetfernen Zuschauer die Möglichkeit, sich von Herrn Manfred Spitzer erklären zu lassen, warum es höchstproblematisch ist, Kinder und Jugendliche das Internet nutzen zu lassen (und warum es soviel produktiver für das Gehirn ist, passiv vor der Glotze zu sitzen). In verschiedenen Sendungen auf ARD und ZDF wurden wichtige Einschätzungen und Vorschläge erläutert: Die Sendung "Die Simpsons" wurde als wertvolle TV-Sendung bezeichnet, während man für das Internet besser eine Altersgrenze von 16 Jahren einführen solle (SPON hat eine sehr gute Zusammenfassung der Sendung bei Jauch verfasst). Die Botschaften, die vom Qualitätsmedium ausgestrahlt wurden, waren so erstaunlich, dass nun zwei bekannte Blogger darauf in aus meiner Sicht konstruktiv-offensiver Art reagiert haben (hier die Texte von Sascha Lobo und Martin Lindner).
Spitzer hat solche Erfolg mit seinem Negativ-Szenario, da er (wie auch andere) mit seinen Botschaften dem Mainstream der traditionellen Medien und ihrer Berichterstattung in den letzten Monaten entspricht:
  • Computer schaden der Gehirnentwicklung
  • das Internet macht dumm
  • Wikipedia nimmt das eigene Denken ab
  • "digitale Horden" missbrauchen die Anonymität des Netzes für Straftaten
  • Facebook ist ein Instrument des Mobs
  • Internet fördert die Umsonstkultur und den Diebstahl "geistigen Eigentums"
  • die Anonymität fördert destruktives politisches Verhalten
Positive Sichtweisen haben bisher in deutschen Traditionsmedien keine Chance, dargestellt zu werden. Deswegen werde ich auch nicht müde, auf positive Beispiele - seien sie auch noch so klein - bzw. auf die hinter der Technik versteckte soziale Dimensionen hinzuweisen.

Daniel Kruse hat uns heute in einem Meeting auf das obige Video aufmerksam gemacht (allerdings vor einem anderen thematischen Hintergrund), dass gleich mehrere positive Aspekte des Netzes vereint. Es ist dies:
  • das Bewusstsein über die Existenz gleicher prinzipieller Werte unabhängig von Kultur und Religion, die die Menschen weltweit miteinander verbindet,
  • die Möglichkeit, mit vollkommen fremden Menschen zusammen im Netz ein konkretes Problem anzugehen und zu lösen,
  • die technische Möglichkeit, die eigene Geschichte ohne jeden Gatekeeper zu erzählen und damit als gutes Beispiel für andere Menschen in vergleichbarer Situation zu fungieren.
Vielleicht sollte Herr Spitzer einfach mal einen Blick auf dieses kleine (und andere) positive Beispiel werfen, dass nur einen winzig kleinen Baustein des Netzes und seines Potenzials darstellt.
Wahrscheinlich aber würde sich ein entsprechendes Buch nicht so gut verkaufen.