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Montag, 13. August 2012

Mächtige Megatrends erfordern Politik 2.0 und Open Gov

Während Klimawandel und Finanzkrise seit Jahren die Themen und Debatten sowohl in traditionellen als auch neuen Medien bestimmen, gibt es das unbestimmte Gefühl, dass es doch eine Lösung für all diese Probleme geben müsse. Kaum werden jedoch Vorschläge zur Rettung des EURO oder zur Rettung des Erdklimas formuliert, gibt es sogleich gegenteilige Aussagen, die diese Vorschläge sofort wieder in Frage stellen und anzweifeln. Gleichzeitig ist in den letzten beiden Jahren das Bild vom sog. "Wutbürger" gezeichnet worden, bevor von Teilen der traditionellen Medien dann doch erkannt worden ist, dass "Wutbürger" und der Erfolg der Piraten irgendetwas miteinander zu tun haben könnten. Es ist dies die um sich ergreifende Erkenntnis, dass scheinbar letztgültige Parteiwahrheiten als Konzept der politischen Entscheidungsfindung ausgedient haben. Komplexe globale Herausforderungen lassen sich nicht mehr mit Schwarz/Weiß- und Freund/Feind-Kategorien bewältigen. Open Government Methoden und ein neues Bild von globalen Interdependenzen und der damit einhergehenden verminderten Rolle einzelner Staaten oder politischer wie wirtschaftlicher Entscheidungsträger sind eventuell die Antworten aus diese veränderten politischer Gestaltung.

Vor kurzem haben meine Kollegen Jonathan Stevens, Tom Fries, Anneliese Guess und ich die Ergebnisse einer Studie zu den globalen Interdependenzen vorgestellt. Ein Blick in die Studie, die hier in der deutschen Kurzfassung per pdf verfügbar ist, gibt einen Eindruck von den globalen Wechselwirkungen, die bis heute nicht Eingang in einer System von Open- oder Global Governance gefunden haben.
You can order the English version here.






Mächtige Megatrends

Warum haben Politik und Wissenschaft immer noch keine Antworten auf die Finanzkrise? Hört China noch auf Europa? Warum glaubt Russland nach wie vor, all seine Erdgasreserven verkaufen zu können, obwohl damit der Klimawandel angeheizt wird? Und warum wünschen sich Menschen mehr Wachstum, wohl wissend, dass der Nachhaltigkeitsgedanke damit zu kurz kommt? 

Mit diesen Fragen befasst sich die Studie “Megatrends in Global Interaction”. Herausgegeben wurde sie von der Bertelsmann Stiftung und ihrer amerikanischen Schwester, der Bertelsmann Foundation. Die Studie der globalen Abhängigkeiten nachhaltiger und tiefgreifender Themen (Megatrends) wurde Anfang Juli auf den Future Days in Berlin vorgestellt. Es referierten dabei unter anderem Dennis Snower, Präsident des Instituts für Weltwirtschaft in Kiel, Jack Goldstone, Professor für Politische Wissenschaften an der George Mason University und Berater der US-Regierung. 

Die von dem Projekt „FutureChallenges.org“ durchgeführte Studie ist ein erster Schritt, sich mit den Schnittstellen globaler Themen wie Demographie, Globalisierung, Klimawandel und Sicherheit auseinanderzusetzen. Für die Entwicklung einzelner Megatrends liegen umfassende Forschungsergebnisse vor. Für die Wechselwirkungen dieser Themen untereinander gibt es dagegen nahezu keine Erkenntnisse. Die methodische Herausforderung der Studie lag darin, Aussagen über Schnittstellen der Themen zu erhalten. Dazu wurden Wissenschaftlern eingesetzt, die sich sonst eher auf einen einzelnen Themenbereich konzentrieren. 

Die Studie stellte heraus, dass Nachhaltigkeit, Partizipation und die Nutzung des Internet, die inhaltlich relevantesten als auch methodisch zukunftsfähigsten Ansätze sein werden, um zukünftigen globalen Herausforderungen zu begegnen. "Die Megatrends Studie ist eine neue Initiative der Bertelsmann Stiftung. Mit ihr soll eine vernetzte Plattform aufgebaut werden, um langfristige Lösungen für grosse soziale Herausforderungen zu finden. Wir haben sechs prominente Wissenschaftler gefragt: Was sind die gegenseitigen Verbindungen zwischen diesen Herausforderungen? Welche Lösungen gibt es bei dieser Ebene der Komplexität? Die Studie möchte Entscheidern auf globaler Ebene Vorschläge machen, um die nachhaltige Entwicklung der globalen Gemeinschaft zu fördern", erklärt Jonathan Stevens, Director des Global Futures Project in der Bertelsmann Foundation, Washington. Diese Erkenntnis bestätigten auch die Workshops mit Autoren des weltweiten Blogger-Netzwerkes von „FutureChallenges.org“. 

Auch die grafische Darstellung der Studie spiegelt die Ergebnisse der Studie wider. Diese erstellte der Grafiker Nigel Holmes, der Info-Grafiken für das „Wall Street Journal“ kreiert. Die Kollegen des Projektes kamen bei den „Future Days“ zu folgendem Fazit: „Vertreter aus Politik und Wissenschaft werden diese neuen Wege beschreiten müssen, um auch zukünftig eine befriedigende Antwort auf die drängendsten Fragen der Menschheit bieten zu können“. Die Studie ist damit als ein erster Schritt der Bertelsmann Stiftung zu verstehen, sich näher mit der globalen Komplexität zu beschäftigen und deren Relevanz dieser für die Menschheit darzustellen.