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Mittwoch, 22. August 2012

Ben Scott: "The internet is not a dark and scary place"

Am 16. August war der ehemalige Berater in Internetfragen von US-Außenministerin Hillary Clinton und gegenwärtige Visiting Fellow der Stiftung Neue Verantwortung, Ben Scott, Gast des Internet & Gesellschaft Co:llaboratory. Der Titel seines Vortrags lautete: "The internet is not a dark and scary place". Anbei findet sich die Videoaufzeichnung, die allerdings eine halbe Stunde lang ist. Daher findet ihr anbei eine Kurzfassung der Inhalte des Vortrags.



Scott begann seinen Vortrag mit einem Zitat von Hillary Clinton: "The internet changes the international relations". Dieses Zitat kann in vielerlei Weise gedeutet werden (Gefahr, Chance, Feststellung), so dass eine Erläuterung interessant gewesen wäre. Wie denkt Clinton über Wikileaks....?
Scott konzentrierte sich jedoch gemäß des Vortragstitels recht schnell auf das Image, das das Internet in Deutschland besitzt. Die Wahrnehmung des Internets in Deutschland ist nicht die der kreativen Engine im Sinne der Unternehmen, die im Silicon Valley angesiedelt sind. Es wird in Deutschland von vielen Menschen eher als ein dunkler und abschreckender Ort des Datendiebstahl und des Betrugs gesehen. Es soll hierzulande sogar von digitalen Horden und Maoisten sowie tyrannischen Massen die Rede sein...

Wenn man nun bezüglich des Internets die Akteure, die kritisch gegenüber dem Netz sind, adressieren will, muss man deren kulturelle Wahrnehmung des Netzes ernst nehmen, so Scott. Die Gefahr sieht er darin, dass die kulturelle Wahrnehmung des Internets eine große Barriere gegen Innovationen in Deutschland darstellt. Innovation versteht er als die kreative Antwort auf starken gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Wandel. Die Entscheider können aber, so der Vortragende, damit nicht entsprechend umgehen, da sie Angst vor Kontrollverlust haben bzw. generelle Berührungsängste mit dem Medium haben (wobei sich natürlich beides gegenseitig bedingt).

Politische und wirtschaftliche Entscheider können Info- und Kommuniaktionswege nicht mehr kontrollieren. Daher, so bringt es Scott auf den Punkt, ist Wikileaks so ein großes Problem für politische Entscheider. Wikileaks steht für einen Verlust traditioneller Autorität. Und diese Herausforderung ist nicht abhängig davon, ob es sich um eine Demokratie oder ein autoritäres Regime handelt.

Durch die Zuschreibung von negativen Merkmalen zum Internet versuchen die traditionellen Autoritäten, das Medium an sich gesellschaftlich zu diskreditieren. Um aber Innovation im o.g. Sinne zu ermöglichen, so der positive Ausblick von Scott, müssen wir lernen, mit Verwundbarkeit und Fehlern umzugehen und Gelassenheit zu lernen. Alles andere wäre der Versuch der umfassenden Kontrolle, die ihrerseits Innovationen verhindert. Die jeweiligen Gegenpole der potenziellen Handlungsansätze sind Protect vs. Empower sowie Control vs. Unleash.

Scott hat in seinem Vortrag das Thema einerseits sehr präzise auf den Punkt bringen können. Andererseits aber scheint es keinen großen Erkenntnisvorsprung jenseits des großen Teiches mehr zu geben. Sinnvoll ist es aber allemal, den Spiegel vorgehalten zu bekommen.

Werden aber die genannten Entscheider in diesen Spiegel sehen?