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Dienstag, 10. Juli 2012

Auf zu neuen Horizonten - Transparenz, Partizipation, Nachhaltigkeit


Auf zu neuen Horizonten könnte man vielleicht die Tage Anfang Juli in Berlin aus Projektsicht betiteln. Chance und Gelegenheit, Luft zu holen, Gewohntes infrage zustellen und einen Rück- wie auch Blick nach vorn zu wagen. So war die letzte Woche gekennzeichnet von Planungs-Meetings, dem Future Day und unserem jährlichen Treffen mit den regionalen Editoren des fc_org Bloggernetzwerkes mit Teilnehmern aus den USA, Pakistan, Indien, Australien, Belgien, Rumänien, Ghana, El Salvador und Brasilien.



Das Projektteam war vor 3 Jahren angetreten, sich mit Hilfe der Plattform fc_org auf das komplexe Thema der globalen Interdependenzen zu fokussieren. Politik mit teils tradierten Entscheidungswegen ist nicht mehr ausreichend, um der gewachsenen Dynamik und Geschwindigkeit globaler Kontexte zu begegnen. Wir wollten fc_org daher nutzen, um Expertise mit der Zivilgesellschaft in Form der Blogger zusammen zu bringen und dies für die Politik aufzubereiten.

Nach 3 Jahren können wir nun feststellen, dass das Thema - unabhängig von unserem Projekt - zunehmend Relevanz erfährt und unsere thematische Ausrichtung damit zu einem großen Teil bestätigt wird. Die Finanzkrise, die politischen wie auch wissenschaftlichen Reaktionen und Debatten über die Euro-Krise, der Arabische Frühling und die Entstehung des vermeintlichen sogenannten Wutbürgers in westlichen Demokratien sind Indikatoren einer zunehmenden Unfähigkeit politischer und wirtschaftlicher Prozesse, auf die zukünftigen interdependenten globalen Herausforderungen zu reagieren.





Unsicherheit auf globaler Ebene greift um sich, ohne dass bisher eine Ahnung davon besteht, wie man diese neue Qualität der Herausforderungen inhaltlich und methodisch in Angriff nehmen könnte.

In der Folge unserer Tätigkeit konnten wir ein weltweites Netzwerk von 150 Bloggern in 60 Ländern etablieren und namhafte Partner wie die Rockefeller Foundation, den Club of Rome, die United Nations und das Institut für Weltwirtschaft als Partner gewinnen. Die Facebook-Community umfasst über 6.000 Kontakte. Innerhalb Deutschlands konnten wir gemeinsam mit vielen anderen nationalen Partnern innovative Formate wie das Open Gov BarCamp ausprobieren. Schließlich konnten wir in 2012 den Deutschen Preis für Onlinekommunkation in der Kategorie “Interne Projektkommunikation” gewinnen.


Zwei Aspekte sind jedoch bisher zu kurz gekommen. Erstens ist dies die Anregung zur Kommentierung der Blogposts. Im Gegensatz zu emotional geführten Debatten auf SPON oder Welt.de ist es schwierig, zur komplexen Frage einer globalen Interdependenz eine emotionalisierte Debatte zu entfachen, die zudem noch zielführend wäre. Zweitens ist es uns noch nicht gelungen, einen tatsächlichen Crowd-basierten Ansatz zur Erarbeitung inhaltlicher Positionen zu launchen.

Diese Erkenntnisse führen uns in den nächsten Monaten zu einigen Anpassungen, die der Weiterentwicklung der Plattform dienen sollen.

Wir werden uns thematisch fokussieren. Der ganzheitliche Ansatz, globale Komplexität darstellen zu wollen, ist löblich, kommt aber nicht den Lese- und Interpretationsgewohnheiten der User entgegen. Aufbauend auf unseren Erfahrungen, bei Befassung mit der Demographie die Finanzen als Dreh- und Angelpunkt zu identifizieren, werden wir für die globalen Megatrends die ökonomische Globalisierung und Global Governance als Kernthemen herausfiltern und uns auf diese fokussieren. Die Kombination des ökonomischen Kerns jedes Handelns mit der Frage, wie auf globaler Ebene Regelungsmechnismen geschaffen werden können oder aber selbsttätig entstehen ist aus unserer Sicht DIE Zukunftsfrage, von deren Beantwortung die globale Zukunft zu einem Großteil abhängt.




So ist es bspw. ohne Probleme möglich, Pandemien sowohl unter ihrem Globalisierungsaspekt (globale Reisetätigkeit, Einschränkung des Warenaustauschs bei Pandemien) als auch unter Governance-Fragen (Umgang mit der Pandemie auf supranationaler Ebene) zu subsumieren. Diese Fokussierung ermöglicht uns ein in-die-Tiefe-gehen und damit das Werben um eine klarer abgegrenzte thematische Zielgruppe. Des Weiteren bietet die Fokussierung die Möglichkeit, konkrete Handlungsvorschläge zu formulieren und die Komplexität damit auf ein händelbares Maß zu reduzieren. Schließlich bietet die Fokussierung das Potenzial, die Gravitation der Plattform für weitere Beiträge zu erhöhen.

Basierend auf den ersten Erfahrungen mit dem Aufsetzen einer sogenannten Open Solution im Rahmen des Global Economic Symposiums werden wir zudem den Ansatz der Einbeziehung der Crowd bei der Erarbeitung inhaltlicher Position deutlich erweitern. Die bisher konventionell platzierte Kommentarfunktion wird erweitert werden um ein Modul, dass das kollaborative Arbeiten an inhaltlichen Positionen ermöglicht. Dahinter steckt die einfache Erkenntnis, dass Kommentare eher nur der Platzierung von Unzufriedenheit dienen. Dort wo sie konstruktiv verfasst und gemeint sind, verpuffen sie in den allermeisten Fällen, da eine Aufnahme dieser produktiven Beteiligungen in die Entscheidungen wirtschaftlicher oder politischer Entscheider bisher in keiner Weise vorgesehen sind.

Wir wollen mit dieser Weiterentwicklung des Projektansatzes Transparenz und Partizipation noch stärker als bisher in den Fokus rücken. Zudem wird als übergeordnetes inhaltlicher Kern die Debatte um Nachhaltigkeit die beiden Aspekte der Globalisierung und der globalen Governance in idealer Weise miteinander verbinden.



*Alle Fotos von Florian Kapfer. Dank geht auch an Bock & Gärtner.