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Montag, 5. März 2012

Kann sich die Euro-Zone aus der Krise heraussparen?

Bei diesem Beitrag handelt es sich um einen Gastbeitrag meines Kollegen Thieß Petersen.


Explosion der Staatsschulden 

Seit Mitte 2007 ist die öffentliche Verschuldung in den Ländern der Euro-Zone massiv angestiegen. Während die öffentlichen Schulden Mitte 2007 noch unter 67 Prozent des Bruttoinlandsprodukt (BIP) der Euro-Zone lagen, erreichten sie Ende 2011 einen Wert von 88 Prozent. Zur Stabilisierung der Finanzmärkte und um einen Bankrott in den besonders stark verschuldeten Ländern zu verhindern, ist ein Abbau der öffentlichen Schulden zwingend geboten. Wie aber lässt sich dies erreichen?

Quelle: EU-Kommission




Ohne Sparen geht es nicht 

Wer seine Schulden abbauen will, kann dies nur, wenn er seine Ausgaben reduziert und seine Einnahmen erhöht. Dies gilt für natürliche Personen ebenso wie für Unternehmen und Staaten. Für eine glaubhafte Strategie zur Konsolidierung der öffentlichen Haushalte in der Euro-Zone sind neben Ausgabensenkungen auch Einnahmeerhöhungen notwendig. Die unumgänglichen Kürzungen der staatlichen Ausgaben sind jedoch eine Gratwanderung. Die Ausgabensenkungen müssen groß genug sein, um einen erkennbaren Beitrag zum Schuldenabbau leisten zu können. Sie dürfen aber nicht zu groß sein, weil die Verringerung der staatlichen Ausgaben auch unerwünschte Nebenwirkungen haben kann: Eine Staatsausgabensenkung schwächt die gesamtwirtschaftliche Güternachfrage und hat damit negative Konsequenzen für die Produktion und die Beschäftigung. Dies wirkt den Bestrebungen der Haushaltskonsolidierung entgegen: Die Verringerungen der Staatseinnahmen infolge eines Rückgangs der wirtschaftlichen Aktivitäten und die durch den Anstieg der Arbeitslosigkeit erhöhten Staatsausgaben führen dazu, dass die Schulden nicht sinken, sondern wachsen.

Kaputtsparen hilft nicht weiter 

Griechenland befindet sich in dieser Situation: Im Zuge der massiven Ausgabenkürzungen des Staates schrumpfte das BIP 2010 im Vergleich zum Vorjahr um 4,5 Prozent und 2011 sogar um fast sieben Prozent. Die Arbeitslosenquote erreichte im November 2011 mit fast 21 Prozent einen historischen Höchststand.1 Die Staatsschulden stiegen ebenfalls drastisch an und haben mittlerweile einen Umfang erreicht, der bei über 160 Prozent der griechischen BIP liegt. Weitere Ausgabenkürzungen und Steuererhöhungen stürzen das Land aller Voraussicht nach in eine noch tiefere Rezession mit weiter steigender Arbeitslosigkeit und sozialen Unruhen.

Schuldenabbau ohne Wirtschaftseinbruch durch Transferunion 

Wenn sich Griechenland also nicht aus der Krise heraus sparen kann, bleiben meiner Ansicht nach letztendlich nur zwei Handlungsalternativen. Die erste Möglichkeit ist ein massiver Schuldenschnitt, bei dem dem griechischen Staat 70 bis 80 Prozent seiner Schulden erlassen werden. Die zweite Möglichkeit ist eine Fortführung der griechischen Sparpolitik und einer Kompensation der damit verbundenen Nachfrageausfälle durch Konjunkturprogramme, die von wirtschaftlichen starken Euro-Ländern bezahlt werden. Dies wäre dann der Einstieg in eine Transferunion. Den wirtschaftlich starken Nationen wird dies zwar nicht gefallen, denn es schränkt deren Möglichkeiten für staatliche Ausgaben ein. Da die wirtschaftlich starken Exportnationen der Euro-Zone jedoch in besonderem Maße von einer stabilen wirtschaftlichen Entwicklung in Europa abhängen, liegt die langfristige Stabilisierung des Euros in ihrem ureigensten Interesse – notfalls auch zu dem Preis von Transferzahlungen zur Verhinderung eines Auseinanderfallens der Euro-Zone.