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Mittwoch, 2. November 2011

Warum bezeichnet Deekeling Arndt Advisors die Verschiebung der Veröffentlichung einer Kinderkrebs-Studie als Erfolg?

In zwei Artikeln weisen taz und SPON zur Zeit auf die PR-Arbeit der Atomlobby in den Jahren 2008-2010 hin. Während die taz bereits im Header wieder mal auf die Rolle der angeblich instrumentalisierten Frauen im Rahmen der Kampagne abstellt (und dabei verschweigt, dass Frauen die Initiatoren des entsprechenden Kampagnenmoduls waren), geht SPON etwas nüchterner vor und befasst sich mit der politischen Analyse des Prozesses.

Im durch die taz geleakten Dokument zur Kampagne, die von der Agentur Deekeling Arndt Advisors, durchgeführt wurde, finden sich die üblichen und austauschbaren Agenturfloskeln wie bspw.:
  • kontinuierliche Hintergrundgespräche 
  • zielgruppenspezifische Angebote 
  • Platzierung eigener Botschaften 
  • Meinungsprägung 
  • Platzierung von Thesen 
  • reichweitenstarke Medien 
Es handelt sich um eine (wahrscheinlich hochbezahlte) übliche Kampagne zur Beeinflussung der öffentlichen Meinung. Daran ist (fast) nichts auszusetzen. Problematisch war aus meiner Sicht nicht die - häufig einfach zu durchschauende - Kampagne, deren Auswirkungen man durchaus auch in den flash-animierten Bannern auf SPON sehen konnte. Problematisch war der Schlusspunkt dieser Kampagen - der intransparente Prozess zur eigentlichen politischen Entscheidungsfindung. Dass es sich bei diesem Vorgehen der Atomlobby am Parlament und den Bürgern vorbei glücklicher Weise um ein PR-Eigentor gehandelt hat, ist natürlich begrüßenswert.

Ein Satz des Deekeling-Machwerkes ist mir jedoch sehr nachhaltig negativ aufgefallen. Ich hatte mich vor Monaten mit der sogenannten KIKK-Studie befasst. Die Studie hat den Zusammenhang von Krebserkrankungen bei Kindern und der Nähe ihres Wohnortes zum nächsten AKW untersucht. Das Ergebnis war, dass es einen eindeutigen Zusammenhang zwischen beiden Variablen gab (der jedoch in der Studie kausal nicht begründet werden konnte). Je dichter der Wohnort am AKW liegt, umso höher das Risiko des Kindes, an Krebs zu erkranken.

Der Satz im Machwerk lautete:

"Verschiebung der bereits geplanten Veröffentlichung weiterer Kinderkrebs-Studie durch Süddeutsche Zeitung auf Zeitpunkt nach Bundestagswahl erreicht" (Chart Nr. 5)

Einen Aspekt, den weder taz noch SPON aufgegriffen haben, war genau die Einstellung der Agentur, die sich in diesem Satz verbirgt (SPON erwähnt den Satz nur).

Wie skrupellos muss ein Berater sein, der das Verschweigen der Resultate einer Kinderkrebs-Studie als Erfolg ausweist?
Welche Art der Unternehmenskultur herrscht bei dieser Agentur, die ein solches Ergebnis überhaupt als Erfolg bewertet?
Wie möchten Unternehmen eigentlich von der Gesellschaft gesehen werden?
Gibt es bei speziell diesen Unternehmen einen weiteren Zweck als den reinen Selbstzweck der Renditesteigerung "Mach Geld - mach mehr Geld"?

Diese Fragen sind sehr zugespitzt; nichtsdestotrotz sind es Fragen, die sich mit Sicherheit mehr Menschen stellen, oder? Schade, dass weder SPON noch taz auf diesen größeren Kontext eingegangen sind.