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Donnerstag, 12. April 2012

Durchdachte Technik hat eine soziale Dimension

Update vom 12.4.2012

Die Wiederholung eines letztlich falschen Vorurteils führt nicht dazu, dass es sich irgendwann bewahrheitet. Diesen Eindruck könnte man bekommen, wenn man sich den aktuellen SPON-Beitrag durchliest, der versucht (!), die Ursachen für den Erfolg der ehemaligen Grünen und der Piraten zu vergleichen. Dort heißt es dann: "Ganz anders bei den Piraten. Ihr Konflikt ist vielfach kein gesellschaftlicher, sondern eher ein technischer".

Setzten, 6.

Kaum hatte sich gerade auch wieder Der Postillon über die Wiederholung falscher oder nichtssagender Phrasen in diesem Kontext lustig gemacht, kommt SPON zu einer ebensolchen Falschaussage.

Die Erleichterung der Kommunikation, das Produzieren von Inhalten mit Hilfe vieler Menschen, die an einem Doc zusammenarbeiten, der starke und transparente Wettbewerb um die besten Ideen und Lösungen und die Aufweichung tradierter parteipolitischer Wahrheiten durch mündige und informierte Bürger, die sich zudem nicht mehr an Gatekeeper wenden müssen, um gehört zu werden, beschreiben die soziale Dimension der Technik. Ich wundere mich doch immer wieder, wie dieser Aspekt durch den Qualitätsjournalismus übersehen wird.

Blogpost vom 10.11.2011

Spielt denn nun die Technik in der Anwendung des Internets in Politik und Wirtschaft eine elementare Rolle oder ist es letztlich doch das direkte soziale Miteinander? Wer kennt sie nicht, diese Diskussionen um die Rolle und Bedeutung der Technik in der Anwendung derselben in den sozialen Medien. Je nachdem, zu welcher Fraktion man gezählt wird, wird einem Technikferne oder Technikfixierung vorgeworfen.

Ich bekenne mich zwar dazu, eher der technikaffinen Fraktion anzugehören. Gleichzeitig ist es aber natürlich so, dass Technik nie Selbstzweck sein darf, sondern einem sozialen und inhaltlichen Zweck dienen sollte. Genau darin aber besteht eigentlich kein Widerspruch. Wie viele Diskussionen könnten vermieden werden, wenn die soziale Dimension einer konsequent userorientierten Technik erfasst werden würde. Nicht umsonst haben sich das iOS, Mac OS und Android und die sozialen Medien gleichgerichtet entwickelt. Mit untauglichen (Win) Dosen-Produkten war dies vorher nicht möglich gewesen.

Speziell diese über die Technik hinaus reichende Wirkung stellt eine neue Cisco-Studie unter der Überschrift "The New Workplace Currency – It's Not Just Salary Anymore" in den Mittelpunkt ihrer Ergebnisse. Das auffällige Ergebnis (der Umfrage unter 2.800 Berufsanfängern) ist, dass die neuen Währungen des Arbeitsplatzes weniger das Geld als vielmehr immer stärker die passenden und personalisierten Endgeräte sowie die Freiheit in den sozialen Medien (Neudeutsch: Device) sind.

Die wichtigsten Kernaussagen sind:
  • die Arbeitsumgebung der Zukunft zeichnet sich durch ein Verschmelzen der persönlichen und Arbeitswelt aus
  • 29% der Befragten würden keine Arbeitsstelle antreten, bei der ein Remote Access auf den Arbeitsplatz nicht möglich wäre
  • ebenfalls 29% betrachten es als ihr Recht, per Remote Access auf ihren Arbeitsplatz zugreifen zu können; 63% möchten dies auch mit ihrem privaten PC durchführen
  • 40% der Befragten bevorzugen freies Bewegen in den sozialen Medien, die Flexibilität bei der Anwendung der Devices und flexible Arbeitszeiten gegenüber einem höheren Einkommen
  • 49% der Befragten würden eher ihre Geldbörse als ihr Smartphone verlieren wollen
  • 56% der Befragten würden nicht mehr bei einem Arbeitgeber anfangen, der den Zugang zu sozialen Medien restriktiv regelt
  • 64% sprechen oder sprachen das Thema der Nutzung sozialer Medien in ihren Bewerbungsgesprächen an
  • 70% halten nichts von festen Arbeitszeiten
  • 71% waren der Meinung, dass dienstliche Devices auch zur Gestaltung der privaten Zeit und Aktivitäten nutzbar sein sollten
  • 77% der Befragten nutzen mehrere Devices am Arbeitsplatz
  • 81% der Befragten wollen ihr dienstliches Endgerät selbst auswählen

Diese Zahlen machen sehr schön deutlich, dass es sich bei der Diskussion um die Rolle der Technik nicht um eine abseitige Nerd-Debatte handelt. Die Technik und die Endgeräte haben inzwischen eine soziale Bedeutung für weite Teile der (jüngeren) Beschäftigten erreicht, die die Frage nach der Höhe des Einkommens mehr als aufwiegt.