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Dienstag, 30. August 2011

"Altersarmut" - heute und in Zukunft

Eine Steigerung des Anteils der Rentner, die einer Nebenbeschäftigung nachgehen, um 0,9%-Punkte (von 3% auf 3,9%)  innerhalb eines 10-Jahreszeitraums war den Medien in den letzten Wochen - nach einem thematischen Aufschlag der Saarbrücker Zeitung - viele Schlagzeilen wert, die eines gemein hatten: sie enthielten das alarmierende Wort "Altersarmut".

So gab die Saarbrücker Zeitung am 9. August der Arbeiterwohlfahrt Süd-West/Saar die Möglichkeit, vor der gegenwärtig zunehmenden Altersarmut zu warnen. Am 22. August wies die Saarbrücker Zeitung dann darauf hin, dass immer mehr Rentner "jobben müssten". Die Meldung über die "Zunahme" der jobbenden Rentner wurde in vielen anderen Medien mit Blick auf das Sommerloch dankbar (bspw. hier) aufgegriffen. Die Partei "Die Linke" kommentierten die Meldung dahin gehend, dass man heute "in Deutschland bis zum Tode malochen müsse". Am 23. August gab DGB-Vorstand Bundesbach der Neuen OZ ein Interview, in dem diese fordert, dass die Bekämpfung der Altersarmut oberste Priorität erhalten solle. Am 24. August veröffentlichte der DGB dann eine Studie, nach der v.a. ältere Arbeitslose nur noch wenig Chancen auf einen neuen Job hätten. Leider werden in den Interview mit dem DGB-Vorstand die zukünftig tatsächlich vorhandenen Problemlagen der Rentner (ab 2020/25) semantisch auf die heutigen Rentner übertragen bzw. beide Gruppen nicht klar getrennt. Dies ist etwas schade, da das Thema der zukünftigen (!) Altersarmut eigentlich eine Diskussion wert wäre.

Wie sieht die Datenlage aber in groben Zügen mit Blick auf die heutigen Rentner tatsächlich aus?

a) Während die Nebenerwerbsquote bei den Rentnern bei gerade 3,9% liegt, liegt diese bei den Erwerbstätigen insgesamt zwischen 6,7% und 7,2% (eine Forsa-Umfrage ergab eine Quote von 15%). Bei diesen trifft der Nebenerwerb zudem auf eine bereits vorhandene Erwerbstätigkeit mit entsprechendem zeitlichen Aufwand. Die Nebenerwerbsquote bei Studenten liegt nach Angaben des Deutschen Studentenwerkes bei 68%. Darüber hinaus ist eine Zuschreibung der Altersarmut als Begründung der Rentnertätigkeit in dieser Pauschalität natürlich unzulässig und ungenau.

b) Nach wie vor finden sich in den Altersgruppen der über 61-Jährigen die geringsten und bei Kindern sowie jungen Erwachsenen die höchsten altersabhängigen Armutsquoten im Vergleich aller Altersgruppen in Deutschland. Paar-Haushalte ohne Kinder weisen nach Haushaltstypen die geringste, Ein-Eltern-Haushalte die höchste Armutsquote auf.

c) Die Armutsquote der Teilzeitbeschäftigten ist höher als die der Nicht-Erwerbstätigen (u.a. Rentner).

d) Das durchschnittliche individuelle Nettovermögen der Rentner und Pensionäre ist höher als das des durchschnittlichen Erwerbstätigen (außer Beamte, Führungskräfte und Selbständige). Zwischen 2002 und 2007 ist das Nettovermögen nur bei Selbständigen stärker angestiegen als bei Rentnern und Pensionären.

e) Selbst bei weiblichen Beziehern von Alterseinkünften liegt der Anteil der Frauen mit einem Anspruch auf Grundsicherung im Alter bei gerade mal 2,6%.

So stellt auch der 3. Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung aus dem Jahre 2008 fest: "Altersarmut ist kein aktuelles Problem". Der Bericht verweist jedoch selbstverständlich auch darauf, dass diese Aussage für künftige Rentnergenerationen nicht mehr zutreffend sein wird und das Problem der Altersarmut bei späteren Generationen auftreten wird. Ein Blick auf die Alterstruktur der Bevölkerung verdeutlicht, dass insbesondere die Baby-Boomer der Geburtsjahrgänge 1955-64 durch ihren Übergang in die Rente einen Mehrbedarf an finanziellen Ressourcen verursachen werden.

Es ist mehr als problematisch, wenn bei Kenntnis der Zahlen wider besseren Wissens die Furcht vor Altersarmut bei der derzeitigen Rentnergeneration geschürt wird, da das Thema damit droht, zukünftig - wenn tatsächlich Altersarmut auftreten wird - ins Leere zu laufen.

Die Stiftung für die Rechte zukünftiger Generationen schreibt zur Zeit einen Demographie-Preis mit dem bzgl. dieser widersprüchlichen medialen Diskussionen sehr treffenden Titel „Mehr Alte – wenige Junge aus: Wo ist eine Machtverschiebung zwischen den Generationen schon heute sichtbar und wie kann sie ausgeglichen werden?“ aus. Noch können sich Interessenten bewerben...