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Montag, 18. Juli 2011

Demografieforschung in der EU - ein neuer Anlauf?

Am 15.7. d.J. hat die Europäische Kommission eine Pressemitteilung herausgegeben, in der sie auf ihre neue Initiative - "Länger und besser leben – Möglichkeiten und Probleme des demographischen Wandels" - hinweist, die das Ziel hat, die demografische Forschung in den Mitgliedsstaaten besser zu koordinieren und die "neuen Chancen, die eine alternde Gesellschaft bietet, zu erkennen, anstatt von ihren Problemen überwältigt zu werden" (Zitat Ende). Die Koordination der Initiative, zu der sich bisher 15 EU-Mitgliedsstaaten gemeldet haben, übernimmt das deutsche BMBF.

Eine bessere Abstimmung soll dadurch erreicht werden, dass:
  • wichtige nationale Forschungsinitiativen identifiziert werden,
  • Bereiche genannt werden, in denen eine Koordination überhaupt sinnvoll sein könnte,
  • gemeinsam nutzbare Infrastruktur ausgemacht wird,
  • und die Zusammenarbeit der Sektoren sowie der Institutionen voran gebracht wird.

Einen gemeinsamen Webauftritt gibt es bereits. Etwas verwunderlich ist es aber, dass im Impressum der Verein Deutscher Ingenieure und der Verband der Elektrotechnik genannt sind. Ich hätte an dieser Stelle eher das MPI für Demografie in Rostock als DAS Forschungsinstitut in Deutschland zum demographischen Wandel erwartet.

Das von VDI und VDE geschriebene Grundsatzpapier sieht den größten Handlungsbedarf in den Politikfelder:
  • Gesundheit und Wohlbefinden,
  • Wohlfahrts- und Sozialstaatssysteme,
  • Arbeit und Produktivität,
  • Bildung und Ausbildung,
  • Wohnungsbau- und Städtebaupolitik sowie Mobilität.

Der abschließend genannte Untersuchungsablauf klingt wie eine Blaupause für Forschungsprojekte jeglicher Ausrichtung:
  • Worum geht es?
  • Was kann getan werden?
  • Wie ist die Maßnahme zu implementieren?
  • Wie kann der Erfolg gemessen werden?

Es ist lobenswert, dass die EU den Ansatz verfolgt, die vielfältigen Forschungsaktivitäten in diesem Bereich zu koordinieren. Es muss aber die Frage gestellt werden, wieso dieser Prozess gerade jetzt von vorn begonnen wird. Die folgende Liste (Auswahl) gibt einen Einblick in die bisher schon abgeschlossenen demographischen Forschungsvorhaben auf EU-Ebene. 
Diese Übersicht verdeutlicht die Notwendigkeit zu fragen: Was kann von der neue Initiative an neuen Erkenntnissen erwartet werden?
  • Mitteilung der Kommission - Ein Europa für alle Altersgruppen (1999)
  • Beitrag der Europäischen Kommission zur 2. Weltkonferenz über das Altern (2002)
  • The Implication of Demographic Trends for Employment and Jobs (2005)
  • The Use of Demographic Trends and Long-Term Population Projections in Public Policy Planning (2005)
  • Implications of Demographic Ageing in the Enlarged EU in the Domains of Quality of Life (2005)
  • Grünbuch der Europäischen Kommission (2005)
  • The Impact of Population Ageing on Innovation and Productivity Growth in Europa (2006)
  • The Relationship Between Demographic Change and Economic Growth in the EU (2006)
  • Mitteilung der Kommission - Die demographische Zukunft Europas - Von der Herausforderung zur Chance (2006)
  • Global Population Ageing, Migration and European External Policies (2006)
  • Implications of Demographic Change in an Enlarged EU (2006)
  • Europe´s Demographic Future: Facts and Figures (2007)
  • Mitteilung der Kommission - Solidarität zwischen den Generationen fördern (2007)
  • Setting up an Demographic Expert Group (2007)