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Donnerstag, 21. Juli 2011

Das World Economic Forum hat das Open Gov-Thema entdeckt

Dass das World Economic Forum (WEF) in einer aktuellen Studie mit dem Titel "The Future of Government - Lessons Learned from around the World" den Diskussionsstand bezüglich der anstehenden Herausforderungen für modernes Regieren analysiert hat, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Das WEF ist nicht unbedingt eine Veranstaltung, die sich in der Vergangenheit durch übermäßige Offenheit gegenüber Menschen, die nicht eine besondere Funktion bekleiden, hervorgetan hat. Vielleicht können ja aus der Studie gewisse Rückschlüsse auf die zukünftige interne Governance gezogen werden?

Die Untersuchungsfrage der Studie ergibt sich aus der Erkenntnis, dass handelnde Akteure und bisher genutzte Tools angesichts einer komplexen, interdependenten und sich immer schneller wandelnden Welt vor neuen Herausforderungen der Anpassung stehen. Netzwerke und neue Technologien stellen nach Ansicht der Studienautoren einen entscheidenden Faktor bei der Bewältigung dieser Herausforderungen dar. Es verwundert allerdings nicht, dass auch in diesem Kontext das Konzept von Open Gov durch den Hinweis auf die Risiken der Transparenz und Offenheit in seine Schranken verwiesen wird. Interessant ist dagegen der Hinweis, dass die gegenwärtige Messkonzepte des Grades von Open Gov (indikatorenbasiert, ICT-fokussiert) der Komplexität des Prozesses der Anpassung nicht gerecht wird.

Die Antwort auf diese methodische Verengung liegt für das WEF dann allerdings doch wieder in einer indikatorenbasierten Matrix, in der kaum messbare qualitative Indikatoren (Output pro Verwaltungseinheit) und sehr technisch ausgerichtete quantitative (Bandbreite, etc.) Indikatoren zusammengefasst werden. Dem entsprechend technisch fallen auch die Handlungsfelder und Tools aus, die das WEF als wesentliche Bereiche einer Future Government Architektur identifiziert:

  • ein unternehmensorientierter Architekturansatz
  • Spezifikation der Informationsarchitektur und damit des Datenbedarfs
  • Input-Outcome-Indikatoren bei der Produktion von Public Services
  • Sicherstellung der Sicherheit des Netzes und Netzwerkes
  • integrierte Technik
  • ausreichend vorhandene ICT
  • Nutzung offener Daten
Kann man mit diesen Eckdaten den gelebten Charakter von Open Gov erfassen?

Als gute Beispiele für Institutionen, die diese Prinzipien in eigenen Prozessen und Projekten anwenden, werden dann die OECD, die Regierungen der Vereinigten Arabischen Emirate (??), der USA, von Singapur und aus UK genannt.

Interessante Frage nach Abschluss der Lektüre: Haben sich Open Gov-Aktivisten an der Basis jemals vorstellen können, dass die Regierung der VAE als Vorbild dienen soll? Ich denke, an dieser Stelle ist eine gewisse Skepsis angebracht.