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Donnerstag, 30. Juni 2011

Wer interpretiert die vielen offenen Daten?

Ende letzten Jahres fand in Berlin ein interessantes Meetup zu Open Data statt, in dem praktische Beispiele für die Anwendung von Open Data gezeigt wurden (allzuoft kommt es leider ja immer noch zu seltsamen Assoziationen bei diesem Thema: Ist Open Data nicht das, was Wikileaks betreibt?).

Schon damals wurde in der Diskussion relativ schnell deutlich, dass es einen nach wie vor großen Unterschied im Vorgehen von Journalisten und Open Data-Experten bei der Verarbeitung der Daten gibt. Verkürzt gesagt wollen Journalisten mit den Daten die Story unterstützen, während die andere Seite sich mit der Frage beschäftigt, wie die Daten am schönsten visualisiert werden können.

Das Magazin Wired hatte vor kurzem einen Artikel online gestellt, der sich genau mit diesem unterschiedlichen Ansprüchen an Open Data beschäftigt. Unter der Überschrift "Why Open Data Is Not Enough" werden einige beeindruckende Entwicklungen beschrieben. Auf der einen Seite betreiben mindestens 16 Staaten größere Open Data-Initiativen. Die US-Regierung hat 400.000 Datensätze online gestellt. Auf der anderen Seite zeigt ein fehlgeschlagenes indisches Beispiel für flächendeckendes eGovernment, dass Open Data auch missbräuchlich genutzt werden kann, um damit destruktive Aktivitäten zu befördern. Des Weiteren werden Open Data bisher vor allem von denen genutzt, die sowieso schon einen fachlichen Zugang zu dem Thema haben.

Begrüßenswert ist die von Wired gezogene Schlussfolgerung; es ist dies nicht das Abraten von der Nutzung von Open Data sondern im Gegenteil der Aufruf die Daten anwenderfreundlicher bereit zu stellen - womit wir wieder beim Ausgangspunkt des Meetups wären.

Eine interessante Seite für die Darstellung und v.a. einfache Einbettung der Darstellung offener Daten in Webseiten stellt die isländische Seite www.datamarket.com dar, die im Jahre 2010 online gegangen ist und mit den offenen Daten einige Jahrhunderte an menschlicher Entwicklung abdeckt.




Allerdings bleibt der Nutzer auch hier letztlich mit den Daten allein. Was sagen die in einfacher Weise darstellbaren und verwertbaren Daten? Auch hier können mathematische Korrelationen konstruiert werden, die aber nichts mit den tatsächlich beobachtbaren Kausalitäten gemein haben müssen. Nach wie vor muss die Frage unbeantwortet bleiben, wer all die offenen Daten eigentlich interpretieren kann.