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Mittwoch, 29. Juni 2011

Google konkurriert mit dem US-Außenministerium

Einen sehr schönen Einblick in die US-amerikanische Gemütslage und Denkweise bezüglich des politischen und/oder religiösen Extremismus gibt der aktuelle Artikel "Google Ideas think tank gathering former extremists to battle radicalization" auf der Seite der Washington Post.

Der von Google gegründete Think Tank "Google Ideas" hatte vor einigen Tagen in Dublin ehemalige Extremisten (Politik, Religion, Kriminalität) mit NGO-Aktivisten und Vertretern der Wirtschaft zusammen gebracht, um der Frage nachzugehen, wie man mit Hilfe der Technologie Extremismus verhindern kann. Das Modell, ehemalige Szene-Angehörige zu befragen, wie sie in die Szene abgerutscht und wieder heraus gekommen sind, ist in Deutschland im Bereich des Rechtsextremismus eine durchaus anerkannte Strategie.

Umso mehr muss man stutzen, wenn von Experten, die diese Aktion von außen beurteilen, in recht rigider Form gesagt wird, dass man einen Djihadisten nicht zu einem Demokraten machen könne, weil sie zu sehr "von ihrer Kultur und ihrem Land" geprägt seien. Die Erfahrung mit politischem Extremismus in Deutschland hatte bereits in den 70er Jahren recht schnell zu der Erkenntnis geführt, dass es einen Zusammenhang von Radikalisierung, Ausbildung einer Subkultur und Abschottung gibt, der die Ausbildung extremer Auffassungen verstärkt. Es liegt daher relativ nahe zu erkennen, dass die Idee von Google, über Technologie und Zugang zu Wissen Extremismus zu bekämpfen durchaus nachvollziehbar ist.

Eine bemerkenswerte Randnotiz ist dann aber der Hinweis eines weiteren Experten, dass diese Google-Aktivität eventuell im Gegensatz zu den Interessen der US-amerikanischen Außenpolitik stehen könnte. Google-Offizielle sind danach auch sogleich bemüht zu betonen, dass sie sich nicht in den Angelegenheit anderer Institutionen einmischen wollten.

Hier deuten sich perspektivisch interkulturelle und institutionelle Konflikte an, die einen Eindruck davon vermitteln, was es bedeutet, wenn bisherige und neue Denkweisen aufeinanderprallen.