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Donnerstag, 26. Mai 2011

Daten des OECD-Better Life Indizes für Open Data Wettbewerb nutzbar?

Vor einigen Tagen wurde zum 50. Jubiläum der OECD in Paris die neue Website der OECD "www.betterlifeindex.org" freigeschaltet, die das Ziel hat, die aus eigener Sicht relevanten Aspekte von Lebensqualität anhand von 11 Indikatoren zusammen zu stellen. Mit Hilfe dieses individuell zusammen gesetzten Indizes kann dann das Land identifiziert werden, das den eigenen Vorstellungen von Lebensqualität am nächsten kommen würde. Damit versucht die OECD ein wenig, aus den starren normativen und pauschalen Vorgaben der Indizes der Vergangenheit auszubrechen, indem die OECD als Institution nicht mehr die aus ihrer Sicht wünschenswerten Leistungen vorgibt sondern den Nutzer selbst entscheiden lässt, ob ihm ökonomische oder aber sonstige Werte bei der Definition von Lebensqualität wichtiger sind. Auffällig ist bei Besuch der Seite die sehr intuitive Bedienbarkeit der Indizes. Die Zusammenstellung sowie das Verständnis der Hintergründe der jeweiligen Indikatoren ist den Autoren der Studie und der Seite ausgesprochen gut gelungen.

SPON hat die Vorstellung dankbar aufgegriffen, jedoch im Grunde genommen nur die Eckdaten des Länderberichts zu Deutschland ins Deutsche übersetzt, um dann das angebliche Hauptergebnis - Deutschland ist nur am nörgeln - plakativ heraus zu stellen. Der Länderbericht gibt dies aber so gar nicht wieder sondern betont nur, dass es keine zwangsläufige Kopplung zwischen Einkommen und Glück geben muss (neu?). Weder wurden aber weiter gehende übergeordnete Fragen nach der Wechselwirkung von verschiedenen Politikfeldern oder der Bedeutung und Definition von Lebensqualität aufgeworfen, noch wurden kulturelle Kontexte als Grundlage einer Bewertung sowie Outcomes des Wunsches nach mehr Lebensqualität dargestellt. Schade eigentlich.

In einem Blogpost über den Human Development Index und dem Happy Planet Index Ende 2010 hatte ich gefragt, in wie fern man anscheinend voneinander unabhängige Indizes auch tatsächlich unabhängig voneinander ausgestalten könne, um nicht auf Dauer immer wieder tautologische Resultate zu erhalten. Meiner Meinung nach kann dies am ehesten dadurch erreicht werden, dass Begrifflichkeiten wie Nachhaltigkeit, Lebensqualität, Zufriedenheit, Umweltqualität, ökologische Effizienz und deren gesellschaftliche Einordnung vorab besser und genauer bestimmt werden sowie die Kausalitäten zwischen diesen Indikatoren heraus gearbeitet werden. Hier schwächelt der Index ein wenig, da er die Outcomeseite des Wunsches nach Lebensqualität - die Umweltschäden, die in Folge des Wunsches nach mehr Einkommen und Immobilienbesitz entstehen - vollkommen unberücksichtigt lässt - sieht man mal von der gemessenen Feinstaubbelastung ab.

Auch fehlen jegliche Betrachtungen von Interdependenzen der analysierten Politikfelder. Hier würde man sich ergänzende ökonometrische Studien wünschen, die deutlich machen könnten, welche Logiken die Zusammenhänge von Bildung, Gesundheit, Einkommen und Sicherheit bestimmen.

Wäre dies nicht ein interessanter Ansatz: Die OECD überlässt der großen Zahl der interessierten Internetuser und Websitebesucher die Aufgabe der Interpretation ihrer großen Datenmengen - ein Open Data-App-Wettbewerb auf Basis der offenen OECD-Daten des Better Life Indizes? Interessante Randnotiz: Die OECD bezeichnet die Website als interaktives Tool - ich habe jedoch noch keine Funktionalität entdecken können, mit der man als User etwas zum Index beitragen könnte.

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