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Mittwoch, 30. März 2011

Geschichte wiederholt sich - Tschernobyl, Fukushima, ? - Fortsetzung

Halbwertszeiten: Caesium 30, Radium 1602, Plutonium 24110, Uran 704000000 Jahre, Erinnerung an #Tschernobyl: wenige Monate. #fukushima #akw


Der Blick auf die heutige und die Online-Berichterstattung der letzten Tage fördert einige interessante Aspekte zutage:
  1. Die Folgen des fehlerhaften Einsatzes einer vermeintlich sicheren Hochtechnologie werden in einem hoch entwickelten Staat mit Kunstharz, undichten Gummistiefeln, Schlafsäcken in Kontrollräumen und dem Hoffen auf die richtige Windrichtung bekämpft. Ich bin mir nicht sicher, ob man darüber noch schmunzeln kann. Die schrittweise Ausweitung der Evakuierungszone erinnert sehr stark an das Vorgehen in Tschernobyl. Vermeiden lässt sich diese Ausweitung am Ende nicht.
  2. Die behelfsmäßigen Ansätze zur Eindämmung einer radioaktiven Gefahr, die uns aber noch 100.000de von Jahren an Fukushima erinnern wird, lassen die Frage aufkommen, warum es eigentlich keinerlei Planung für den Fall der Fälle geben konnte. Wieso wurden die Energieproduzenten nicht dazu verpflichtet, sich Gedanken über die Beseitigung der Folgen eines Unfalls zu machen?
  3. Kann man dem entsprechend eigentlich überhaupt private Firmen für die Ausübung einer solch risikobehafteten Energieproduktion zulassen? Wie in der Bankenkrise zeigt sich auch jetzt, dass Milliardengewinne privatisiert, Milliardenverluste/kosten hingegen sozialisiert werden. Da Versicherungen bisher aus guten Gründen nicht bereit waren, die erwarteten Folgekosten eines Super-GAUs in Deutschland in Höhe von 5.000.000.000.000 € abzusichern, stellt sich die Frage, wieso der Staat eigentlich eine private Tätigkeit zulassen kann, die die Gefahr in sich birgt, die Bevölkerung auf Generationen hinaus mit den Folgekosten zu belasten, ohne dass der Verursacher hierfür auch nur ansatzweise zur Rechenschaft gezogen werden kann?
  4. Folgt man dieser Argumentation , so stellt sich im nächsten Schritt diese Frage auch im Verhältnis der Staaten zueinander. Während Japan noch relativ isoliert mit den Folgen zu kämpfen hat, sähe dies in Mitteleuropa schon ganz anders aus. Häufig wird argumentiert, dass die Abschaltung der deutschen AKWs keine Sicherheit bringen würde, da wir von weiteren AKWs in den Nachbarländern umgeben sind. Dies ist nur kein Grund, auf die Abschaltung zu verzichten, sondern eher ein Grund, mit gutem Beispiel voran zu gehen und dafür auch zu werben. 
  5. Im Übrigen macht diese supranationale Sichtweise erneut deutlich, wie anachronistisch das Agieren in nationalen Kontexten ist. Wenn in einem EU-Land eine Risikotechnologie angewendet wird, die negative Folgen für ganz Europa nach sich ziehen kann, muss gefragt werden, wie die Beschlussfassung für eine solche Technologie auf EU-Ebene - und nur dorthin - gehoben werden kann. Wir brauchen daher nicht weniger sondern bedeutend mehr Europa.
Es stellt sich am Ende daher die Frage: Können andere Staaten, deren Bevölkerungen durch den radioaktiven Fallout betroffen sind, eigentlich eine Art von "Reparationszahlungen" von Japan einfordern?

Weitere interessante Links:



"Konsequenzen, jetzt" aus ZEIT-online 


Ausmaß der Plutonium-Belastung von Tschernobyl und den oberirdischen Atomtests erreicht

Auch Experten geben inzwischen Kernschmelze zu