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Donnerstag, 24. März 2011

Fukushima - Der sich selbst überlassene Raum

Nachdem ich im Verlaufe der letzten 1 1/2 Wochen in lockerer Abfolge tagesaktuelle Infos zu den Geschehnissen in Tschernobyl gesammelt und in den Blog eingestellt hatte, scheint es mir jetzt doch angebracht, den Blick (vorübergehend) mal abzuwenden, da es noch andere Themen gibt, die von globalem Interesse sind.
Die Gelegenheit schien heute gekommen zu sein, als ich die neue Ausgabe unseres Projektpartners "Institutet för Framtidsstudier" aus Stockholm in Händen (ja, eine Print-Version) hielt.


Ich kann die Arbeit dieses Institutes, das von Joakim Palme geleitet wird, nur empfehlen, da für die Kollegen in Stockholm Interdisziplinarität und Empirie keine Fremdworte sind. Gerade im Bereich der Zukunfts- und Trendforschung bietet sich in vielen Fällen ein weites Betätigungsfeld, um Geschichten zu erzählen, die zwar ein Publikum spannend findet, die aber einer empirischen Betrachtung dann häufig doch nicht standhalten.

In diesem Sinne ist das Institut auch in seiner neuesten Ausgabe der Zeitschrift "Framtider" (Zukünfte) tätig geworden. Das Meta-Thema der Ausgabe lautet einfach nur "Raum". Der interessante Spannungsbogen wird dann dadurch konstruiert, dass dies in einen demographischen Kontext eingebunden wird. Wie verändert die Demographie die Wahrnehmung und die Sinnhaftigkeit von Räumen? Dies verdeutlichen auch die Themen dieser Ausgabe:

  1. Die Wohnung als Lebensraum.
  2. Demographisch veränderte Rollenbilder und Funktionen von Räumen in Wohnungen.
  3. Die Neudefinition des "öffentlichen Raumes" in Folge gesellschaftlicher Veränderungen.
  4. Nachhaltiger Stadtraum in Zeiten eines Null-Wachstums.
  5. Bedeutung des virtuellen Raumes in Abhängigkeit des Alters.
  6. Der Container als Sinnbild einer modernen autistischen Architektur.

Besonders hervor zu heben war dabei das Kapitel über das Projekt "Övergivna platser" (Der sich selbst überlassene Raum) von Jan Jörnmark. Und an dieser Stelle schließt sich auch wieder der Kreis zu den Vorkommnissen in Japan: Wir werden dort in weiten Teilen zukünftig sich selbst überlassene Räume vorfinden.
Jörnmark beschäftigt sich dem entsprechend mit dem modernen Nomadentum in Folge einer unter Produktivitätszwängen und Globalisierungsdruck stehenden Gesellschaft. Zeichen dieses Nomadentums, das nicht nur Arbeitnehmer sondern auch Unternehmen betrifft, sind die industriellen Brachen und Ruinen als Ausdruck verlassener Industriestandorte. Auf verschiedenen Webseiten beschäftigt er sich mit unterschiedlichen Ausprägungen dieses Nomadentums:


Wie Joakim Palme im Vorwort der Zeitschrift richtig anmerkt, wäre es angesichts der demographischen Zeitenwende zu fragen, ob nicht ein deutlicher Anstieg der weltweiten Migration ein besseres Gleichgewicht zwischen schrumpfenden und expandierenden Ländern schaffen könnte. Die auf den Webseiten dargestellten Industriebrachen lassen jedenfalls die Frage aufkommen, welches zukünftig noch die Rolle der alternden westlichen Welt sein wird. Diese Frage ist ohne weiteres auf Japan zu übertragen, treffen dort doch Alterung und demnächst in weiten Teilen leider verlassene Räume zusammen.