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Samstag, 5. Februar 2011

Geringer Frauenanteil oder mangelhafte soziale Aufstiegschancen?

Der Vorschlag der Ministerinnen Schröder und von der Leyen zur Einführung einer (verbindlichen/ unverbindlichen, höheren/niedrigeren) Frauenquote in den Vorstandsetagen großer Unternehmen hat in den letzten Tagen mal wieder zu den üblichen Reflexen im Geschlechterkampf geführt. Ich kann nicht umhin, von einer gewissen Langeweile beim Betrachten dieser Diskussion zu sprechen.

Befürworter der Quote:
Die Abwehrreaktionen sind ähnlich pauschal und:
Diese eingeübten Diskussionsrituale verstellen den Blick auf die dahinter liegenden Strukturprobleme, die weit größere Bevölkerungsteile betreffen als die Zahl der Frauen in großen Unternehmen. Dass der Frauenanteil in den Vorständen so derart niedrig ist, ist nicht Ergebnis des Kampfes einer verschwörerischen Männerlobby sondern Ausdruck eines sehr selektiv wirkenden Auswahlmechanismus im Zuge des sozialen Aufstiegs- der aber eben viele andere Bevölkerungsgruppen in gleicher Weise trifft. Zuwenig Frauen in den Führungsetagen ist nur der Indikator eines viel größeren Problems.

Die persönlichen Merkmale der Vorstandsmitglieder sind durch mehr als geschlechtsspezifische Zuordnung zur Gruppe der Männer oder der Frauen gekennzeichnet. Weitere soziodemographische und beruflichen Kennzeichen, die die Systematik der sozialen Auswahlmechanismen in der Gesellschaft darstellen, sind beispielsweise:
  • Konfessionszugehörigkeit,
  • Migrationshintergrund,
  • schulischer Werdegang,
  • sozialer (und beruflicher) Status der Herkunftsfamilie,
  • Zahl der eigenen Kinder,
  • Alter,
  • Beruf,
  • Region und Stadtgröße der eigenen Herkunft,
  • etc.
Warum werden keine Fragen nach der Zusammensetzung der Vorstände nach diesen Kriterien gestellt? Denn: Etlichen Studien sind bezüglich der Chance, in Deutschland zwischen zwei aufeinander folgenden Generationen einen sozialen Aufstieg zu bewältigen, zu negativen Ergebnissen gekommen- in kaum einem anderen Land ist der soziale Aufstieg so schwer zu schaffen wie in Deutschland. Dies ist aber für die Gesellschaft insgesamt kritisch zu bewerten, denn die Möglichkeit eines sozialen Aufstiegs:
Die Fokussierung auf die Frauenquote verstellt damit den Blick auf eine breiter angelegte Anpassung der Systeme des sozialen Aufstiegs (Schule, Beruf, Netzwerke) an die Notwendigkeit der Globalisierung und Demographie. Wir benötigen nicht nur mehr Frauen sondern auch mehr Nicht-Juristen, Nicht-BWLer, Migranten, Arbeiterkinder und jüngere Menschen in den Vorständen. Die spannende Frage ist doch, wie man dies in Gänze erreicht.