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Mittwoch, 23. Februar 2011

Bildungs- und Integrationsdebatte: Abschied von falschen Bildern

BILD, Hürriyet, Roland Berger und die Bertelsmann Stiftung haben nun zusammen eine große Bildungsumfrage ins Leben gerufen - www.bildung2011.de - mit der die Menschen in Deutschland die Chance erhalten, sich gegenüber der Politik in direkter Weise zur Bildungssituation zu äußern. Denn: Eltern und Kinder sind aus deren praktischer Erfahrung heraus die besten Bildungsexperten, die wir haben. 
Heute und in den nächsten 3 Wochen werden an dieser Stelle Blogposts veröffentlicht, die meine Kollegen aus dem Team "Zukunft global denken" der Bertelsmann Stiftung und ich zum Thema "Bildung und Zukunftsfragen" verfasst haben. Wir möchten an dieser Stelle um Ihre Mitwirkung bei dieser Umfrage werben. Lassen Sie uns über die Umfrageseite sowie hier direkt Ihre Kommentare und Einschätzungen zukommen.

Mario Sorgalla

Die Geschichte ist bekannt. Deutschland erlebt in den 1950er Jahren das Wirtschaftwunder und wirbt sogenannte „Gastarbeiter“ aus wirtschaftlich stagnierenden oder strauchelnden Nationen wie beispielsweise aus der Türkei ab. Diese „Gastarbeiter“ wollen aber vielfach nicht nur Gäste sein sondern sich dauerhaft in Deutschland niederlassen. Verfehlte Integrationspolitik über Jahrzehnte hinweg hat schließlich dazu geführt, dass sich heute erregte Debatten über Integration und „Integrationsverweigerer“ entzünden. Angesichts ihrer großen Zahl stehen dabei türkische Migranten mitsamt ihrer Nachfolgegenerationen im Mittelpunkt.

Im Schatten dieser Entwicklungen ereignet sich jedoch ein anderer Trend. Nicht zuletzt aufgrund der rasanten wirtschaftlichen Entwicklung der Türkei wandern einige Menschen mit türkischem Migrationshintergrund von Deutschland in die Türkei aus. Während der Anteil türkischer Migranten und nachfolgender Generationen verglichen mit Migranten aus anderen Herkunftsländern vergleichsweise hoch ist, wandern gleichzeitig vor allem gut ausgebildete Menschen mit türkischem Migrationshintergrund in die Türkei aus. Die Motive sind vielfach wirtschaftlicher Natur, weil teilweise auch gut ausgebildete junge Menschen kaum berufliche Perspektiven in Deutschland erkennen. Aufgeheizte Integrationsdebatten, wie sie beispielsweise infolge der kontroversen Thesen Thilo Sarrazins geführt wurden, tragen jedoch ein Übriges zu diesem Trend bei.

Die Tatsache, dass mittlerweile manche Akademiker mit türkischem Migrationshintergrund eine Rückkehr beziehungsweise Auswanderung in die Türkei anvisieren oder bereits vollzogen haben, sollte nicht den Eindruck erwecken, dass es keine Bildungsverlierer innerhalb dieser Bevölkerungsgruppe gebe. Im Gegenteil: nach wie vor bleibt die Feststellung gültig, dass das Bildungssystem in Deutschland die zielgerichtete Förderung von Kindern mit Migrationshintergrund vernachlässigt. Dabei gibt es durchaus Mittel und Wege, um dem entgegen zu wirken, wie beispielsweise durch eine Steigerung des Anteils von Migrantenkindern in Kitas. Dadurch ließen sich Fortschritte in der Integrationspolitik und in der Sprachvermittlung erzielen.

Die Rückkehr oder Auswanderung der qualifizierten Arbeitskräfte in die Türkei bedeutet auf der einen Seite einen Verlust für den Arbeitsmarkt und die Gesellschaft in Deutschland. Auf der anderen Seite jedoch ergibt sich auf diese Weise das Potential, die wirtschaftliche Verflechtung zwischen der Bundesrepublik und der Türkei zu vertiefen, was in einer globalisierten Wirtschaftswelt von Vorteil ist.

Schlussendlich lässt sich festhalten, dass es für alle Bevölkerungsschichten nur einen Weg zu Aufstiegschancen innerhalb der Gesellschaft gibt. Dieser Weg führt einzig über Bildung. Inwiefern man mit diesen Möglichkeiten, die sich durch eine fundierte Bildung ergeben, umgeht, bleibt in einer globalisierten Arbeitswelt, jedem selbst überlassen. So wandern Akademiker mit türkischem Migrationshintergrund von Deutschland in die Türkei aus oder beispielsweise US-Amerikaner aus den Vereinigten Staaten nach China.

Doch was genau zeichnet ein erfolgreiches Bildungssystem aus, das den Menschen Perspektiven für ihre Zukunft eröffnet?

Teil 1 der Bildungsserie: Bildung und Alterung der Gesellschaft – Wie sichern wir den Wohlstand in einer alternden Gesellschaft?

Teil 2 der Bildungsserie: Bildung und Globalisierung gehören zusammen

Teil 3 der Bildungsserie: Von China Lernen lernen?

Teil 4 der Bildungsserien: Migration als Chance