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Mittwoch, 16. Februar 2011

Bildung und Globalisierung gehören zusammen!

BILD, Hürriyet, Roland Berger und die Bertelsmann Stiftung haben nun zusammen eine große Bildungsumfrage ins Leben gerufen - www.bildung2011.de - mit der die Menschen in Deutschland die Chance erhalten, sich gegenüber der Politik in direkter Weise zur Bildungssituation zu äußern. Denn: Eltern und Kinder sind aus deren praktischer Erfahrung heraus die besten Bildungsexperten, die wir haben. 
Bis Ende Februar werden an dieser Stelle Blogposts veröffentlicht, die meine Kollegen aus dem Team "Zukunft global denken" der Bertelsmann Stiftung und ich zum Thema "Bildung und Zukunftsfragen" verfasst haben. Wir möchten an dieser Stelle um Ihre Mitwirkung bei dieser Umfrage werben. Lassen Sie uns über die Umfrageseite sowie hier direkt Ihre Kommentare und Einschätzungen zukommen.

Thieß Petersen


Der Begriff der ökonomischen Globalisierung beschreibt im Kern eine immer engere wirtschaftliche Verflechtung aller Staaten der Welt durch den zunehmenden Austausch von Gütern und Dienstleistungen, Kapital, Technologien und Arbeitskräften. Die so verstandene Globalisierung hat sich in den vergangenen Jahrzehnten erheblich beschleunigt. Aller Voraussicht nach wird sich diese Entwicklung auch in den nächsten Jahrzehnten fortsetzen.

Die Frage, wie dies zu bewerten ist, fällt außerordentlich unterschiedlich aus. Befürworter der Globalisierung betonen deren Vorteile: die Erhöhung des materiellen Wohlstands, die damit verbundene Verbesserung der immateriellen Lebensbedingungen (z. B. sinkende Kindersterblichkeit, zunehmende Lebenserwartung, Verbesserung des Bildungsniveaus) sowie eine Verringerung der absoluten Armut, vor allem in den Entwicklungsländern und den aufholenden Schwellenländern.

Kritiker sehen hingegen eher die Nachteile. Hierzu zählen neben dem zunehmenden Zwang zur permanenten Kostenreduktion (z. B. Lohnreduktionen und die Absenkung sozialer Mindeststandards), der Intensivierung und Verdichtung der Arbeitsprozesse sowie der Abwälzung von Kosten auf die Allgemeinheit (z. B. in Form einer zunehmenden Umweltverschmutzung) vor allem ein sich immer weiter ausbreitender Niedriglohnsektor (primär in den entwickelten Industrienationen) und einer Zunahme der sozialen Ungleichheit.

Der Umstand, dass die ökonomische Globalisierung derart unterschiedlich beurteilt wird, liegt vor allem daran, dass ihre Vor- und Nachteile ungleich verteilt sind. Für die Schwellenländer bedeutet die Globalisierung die einmalige Chance, aus der Unterentwicklung herauszukommen, den Lebensstandard des Westens zu erreichen und so ein besseres Leben führen zu können. Für die entwickelten westlichen Volkswirtschaften hingegen bedeutet Globalisierung die Gefahr eines Abstiegs – vor allem bezüglich des Lebensstandards und der Beschäftigung – mit allen negativen sozialen Folgen.

Was also können entwickelte Volkswirtschaften wie Deutschland tun, um den negativen Konsequenzen einer fortschreitenden Globalisierung entgegenzuwirken? Hier sind zwei Stellschrauben von zentraler Bedeutung:
  • Perspektivisch ist auf den Arbeitsmärkten mit zunehmenden Anspannungen (zunehmender Lohndruck, abnehmende Arbeitsplatzsicherheit und steigende Flexibilitätsanforderungen) zu rechnen, die vor allem wenig oder gar nicht qualifizierte Arbeitskräfte betrifft. 
  • In den kommenden Jahren wird dieser Druck schon durch die bloße Masse an zusätzlichen Arbeitskräften zunehmen, die China und Indien dem internationalen Arbeitsmarkt zur Verfügung stellen. Vor allem im Segment der gering qualifizierten Personen wird dies zu einem Anstieg der Arbeitslosigkeit führen. Wenn ein Anstieg der Arbeitslosigkeit verhindert werden soll, ist es notwendig, die Zahl der gering qualifizierten Personen zu reduzieren.
  • Im Zuge der Globalisierung ist mit einem generellen Anstieg der Einkommen zu rechnen, diese Einkommenszuwächse werden jedoch sehr unterschiedlich verteilt sein. Profitieren werden vor allem hoch qualifizierte Arbeitskräfte, die im Zuge steigender Arbeitsmarktanforderungen verstärkt benötigt werden. 
  • Die Einkommensabstände zwischen qualifizierten und nicht qualifizierten Personen werden daher weiter zunehmen. Eine Verringerung der Einkommensunterschiede verlangt daher ebenfalls eine Reduzierung der Personen, die nur über eine geringe Qualifikation verfügen.
Der Schlüssel für beide Stellschrauben ist eine Intensivierung der Bildungsanstrengungen. Gesellschaften, die hier sparen, sparen am falschen Ende.

Teil 1 der Bildungsserie: Bildung und Alterung der Gesellschaft – Wie sichern wir den Wohlstand in einer alternden Gesellschaft?