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Montag, 14. Februar 2011

Bildung und Alterung der Gesellschaft – Wie sichern wir den Wohlstand in einer alternden Gesellschaft?

Über Bildung in Deutschland wurde in den letzten Jahren viel gesprochen. Der PISA-Schock sitzt tief und setzt speziell die Politik und die Lehrer seit Jahren unter Druck. Länderpolitiker und Bundespolitiker weisen sich gegenseitig politische Verantwortung für schlechte Bildungsergebnisse zu. Lehrer beklagen schwierige Klassen und die traditionellen Medien versuchen auch nicht unbedingt, das gesellschaftliche Klima zum Besseren und zum Konstruktiveren zu wenden. Dabei wird häufig vergessen: Bildung ist (nicht nur) eine Pflicht - Bildung ist eine großartige Chancen für die Menschen, die an ihr teilhaben können. 
BILD, Hürriyet, Roland Berger und die Bertelsmann Stiftung haben nun zusammen eine große Bildungsumfrage ins Leben gerufen - www.bildung2011.de - mit der die Menschen in Deutschland die Chance erhalten, sich gegenüber der Politik in direkter Weise zur Bildungssituation zu äußern. Denn: Eltern und Kinder sind aus deren praktischer Erfahrung heraus die besten Bildungsexperten, die wir haben. 
Heute und in den nächsten 3 Wochen werden an dieser Stelle Blogposts veröffentlicht, die meine Kollegen aus dem Team "Zukunft global denken" der Bertelsmann Stiftung und ich zum Thema "Bildung und Zukunftsfragen" verfasst haben. Wir möchten an dieser Stelle um Ihre Mitwirkung bei dieser Umfrage werben. Lassen Sie uns über die Umfrageseite sowie hier direkt Ihre Kommentare und Einschätzungen zukommen.


Thieß Petersen


Deutschland steht vor tief greifenden demogra­phischen Entwicklungen. Zurückgehende Geburtenraten und steigende Lebenserwar­tungen führen dazu, dass die Bevölkerung in den nächsten Jahrzehnten schrumpft und dabei gleichzeitig immer älter wird.

Die größten gesellschaftlichen Herausforderungen resultieren nicht so sehr aus dem Rückgang der Bevölkerung, sondern aus deren Alterung. Jeder einzelne Zweig unseres sozialen Sicherungssystems ist von den Folgen des demographischen Wandels betroffen, weil wachsende Lasten, wie beispielsweise Ausgabensteigerungen bei der Renten- und Pflegeversicherung, auf immer weniger Schultern verteilt werden. Die öffentlichen Haushalte geraten zunehmend unter Druck, weil eine sinkende Zahl von Steuerzahlern auf steigende Anforderungen an staatliche Leistungen im Bereich der Altersversorgung trifft. Die gesellschaftliche Alterung hat schließlich noch zur Folge, dass immer weniger Menschen die gesamtgesellschaftlich zur Verfügung stehenden Güter und Dienstleistungen herstellen, die sie mit einer wachsenden Zahl von altersbedingt nicht mehr erwerbstätigen Personen teilen müssen.

Vor dem Hintergrund dieser Herausforderungen überrascht es kaum, dass der demographische Wandel vor allem als eine Bedrohung für den individuellen und gesellschaftlichen Lebensstandard angesehen wird und damit letztendlich auch für die gesellschaftliche Solidarität und Stabilität. Allerdings muss der demographische Wandel nicht zwangsläufig zu den skizzierten desaströsen Konsequenzen führen. Selbst in einer alternden Gesellschaft, in der immer weniger Arbeitskräfte für die Versorgung einer wachsenden Zahl von Nichterwerbstätigen zur Verfügung stehen, lässt sich der wirtschaftli­che Wohlstand sichern, wenn die Produktivität der aktiven Arbeitskräfte steigt.

Unglücklicherweise fallen Produktivitätsfortschritte nicht vom Himmel. Dreh- und Angelpunkt hierfür sind Investitionen in die Qualifikation der Menschen. Hier ist das gesamte Bildungssystem gefordert: die frühkindliche Bildung ebenso wie die allgemeinbildenden Schulen und die duale Ausbildung sowie die Hochschulausbildung und die Weiterbildung aller Arbeitnehmer.

Die Antwort auf die Frage, welches die drei wichtigsten Ansatzpunkte für die Sicherung des Wohlstands einer alternden Gesellschaft sind, lautet daher: Bildung, Bildung und Bildung.