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Donnerstag, 10. Februar 2011

300€ im Jahr schützen uns vor dem Klimawandel

"Roadmap 2050 - A Practical Guide to a Prosperous, Low Carbon Europe", lautet der Titel einer beeindruckend datenreichen Studie der European Climate Foundation (hier gibt es die Datenfolien). Ansinnen der Studie ist es, dass Ziel der EU und der G8, die jährlichen Treibhausemissionen bis 2050 gegenüber 1990 um 80% zu reduzieren, mit konkreten Maßnahmenvorschlägen zu unterstützen.

Die Ergebnisse stimmen optimistisch; besagen sie doch, dass eine Abkehr von der CO2-intensiven Energiebereitstellung möglich und aus betriebswirtschaftlichen Gründen sogar angeraten ist:
  1. Die Reduzierung der Treibhausemissionen kann definitiv nicht erreicht werden, wenn nicht gleichzeitig die Energieproduktion eine Reduktion ihrer Treibhausgase um bis zu 100% erreicht.
  2. Diese Reduzierung im Energiesektor kann am ehesten dann erreicht werden, wenn Geothermie und Sonnenenergie aus Nord-Afrika, Windenergie, Atomkraft und Biomasse eine bedeutendere Rolle bei der Bereitstellung von Energie spielen.
  3. Weiter wird das Ziel einer Energiebereitstellung ohne Emissionen nur dann erreicht, wenn die Emissionszertifikate einen höheren Preis erreichen und wenn die regionalen Energienetze besser aufeinander abgestimmt werden.
  4. Da Reduktionsziel kann kaum noch erreicht werden, wenn nicht innerhalb der nächsten 5 Jahre mit ersten Maßnahmen (Steigerung der Energieeffizienz, Verzicht auf fossile Brennstoffe begonnen wird.
  5. Eine Verzögerung der Maßnahmen lässt die Gesamtkosten der Anpassung ansteigen. Passivität ist unrentabel.
  6. Ein rechtzeitiger Einstieg in die CO2-freie Energieproduktion senkt die Energiekosten je BIP-Einheit (pro Haushalt 1.500€ pro Jahr in 2050 gegenüber heute).
  7. Der Umstieg wird einige 100.000 neue Arbeitsplätze hervorbringen.
  8. Das Erreichen des 100%-Reduktionsziels in der Bereitstellung von Energie ist nicht von Techniken abhängig, die noch gar nicht bis zur Marktreife entwickelt wurden. 
  9. Eine Speicherung von CO2 ist nicht notwendig.
  10. Aufgrund des Energiemixes ist die Energieversorgung im Zuge des Umstiegs nicht gefährdet.
  11. Selbst im ungünstigsten Fall des Umstiegs betragen die Kosten der Rettung unseres Planeten nicht mehr als 300€ pro Jahr und Haushalt.
Kritisch angemerkt werden muss, dass im Text doch einige Redundanzen zu finden sind. Auch ist in vielen Begrifflichkeiten erkennbar, dass McKinsey eine bedeutende Rolle bei der Erstellung der Studie gespielt hat. Manchmal scheint es, als wären Textpassagen auch auf andere Beratungsbereiche leicht übertragbar oder aus würden sie aus einem betriebswirtschaftlichen Lehrbuch stammen. Aber auch dies kann wieder positiv interpretiert werden: wenn Nachhaltigkeit und Klimawandel als ökonomische Faktoren inzwischen in der Mitte der Beraterbranche angekommen sind, sind sie auch ökonomisch relevant geworden. Es wird betriebswirtschaftlich zunehmend problematisch, nicht nachhaltig zu handeln.