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Mittwoch, 19. Januar 2011

Digitale Lösungen für analoge Probleme? - Mark Zuckerberg vs. Ben Ali

"RT @sockrollTech‎ Tunisia protest banner: Mark Zuckerberg good, Ben Ali evil http://j.mp/gAazBI"

Fortsetzung des ersten Teils von "Digitale Lösungen für analoge Probleme?"

These 1 – Persönliche Chancen

Persönlichen Entwicklungs- und Aufstiegschancen werden in Zukunft mehr durch Technikaffinität und Flexibilität und weniger durch Systemkonformität geprägt. Systeme, Institutionen und Prozesse wandeln sich immer schneller. Diese Schnelligkeit und Flexibilität zu akzeptieren und positiv zu besetzen, hilft, im System auf Dauer zu bestehen. Das Alte und Konforme – s.o. – wird immer stärker und schneller in Frage gestellt.

These 2 – Deutungsmuster

Es gibt keine dauerhaft gültigen Deutungsmuster mehr, die auf den individuellen oder gesellschaftlichen Erfahrungen der Vergangenheit beruhen. Eine wichtige Ausnahme davon stellt momentan nochdas mit dem Alter einher gehende soziale Erfahrungswissen dar. Grundsätzlich aber ändern sich Rahmenbedingungen, innerhalb derer Interpretationen der Realität richtig waren, immer schneller.

These 3 – Legitimation

Die politischen Partizipationspotenziale durch das Netz stellen tradierte Legitimitäten in Frage. Bisherige Intermediäre verlieren – bei Beibehaltung ihrer bisherigen Arbeitsweisen und Selbstverständnisse – ihre Deutungshoheit. Wofür benötigen die Ausschüsse des Deutschen Bundestages Interessenorgansationen, wenn es ein leichtes wäre, Millionen Bürger beziehungsweise. Arbeitnehmer direkt per Internet zu ihrer Auffassung zu befragen? Dies bedeutet, dass Politikberatung zukünftig eher prozessorientiert handeln wird und der Partizipation der Bürger in dieser Beratung deutlich mehr Gewicht verliehen wird. Hierin besteht für (nahezu) alle Prozessbeteiligten eine große Chance.

These 4 – Vertrauen und Autorität

Vertrauen und moralische sowie wissenschaftliche Autorität müssen beständig neu erarbeitet werden und gehen nicht mehr automatisch mit einer bestimmten Hierarchie, Funktion, Qualifikation oder Einkommensebene einher. Dies ist eine Chance für all Diejenigen, denen bisher eineWahrnehmung ihrer Kompetenzen oder Meinungen aufgrund fehlender Erfüllung der genannten formalen Kriterien versagt geblieben ist. Dies ist zukünftig eine Herausforderung für diejenigen, die bisher erfolgreich Eigen-PR vor Sachkenntnis gesetzt haben.

These 5 – Persönliche Beziehungen

Persönliche Arbeitsbeziehungen verlieren an Tiefe und Dauer. Zunehmend ist die rein funktional und sachlich begründete (persönliche) Beziehung maßgeblich. Es wird eher danach gefragt, in wie fern eine Beziehung zum persönlichen und momentanen Setting passt. Mobile Endgeräte tragen ein Übriges dazu bei, dass jeder in Zukunft von einer „Netzwerk-Wolke“ umgeben sein wird, in die hinein er stets Fragen stellen kann und aus der heraus er dann auch unmittelbar Antworten erhalten wird, ohne mit denPersonen vormals in einer dauerhaften Arbeitsbeziehung gestanden zu haben.

These 6– Innovative Prozesse

Die dynamisierte Kommunikation, das beständige Infragestellen angeblicher Wahrheiten sowie der freie und nicht beschränkte Zugang zu Wissen führt zu innovativeren Erkenntnis- und Lösungsfindungsprozessen. Der allein politisch, nicht jedoch sachlich gerechtfertigte Lösungsvorschlag hat zunehmend weniger Chance auf Umsetzung, da durch stärkere Transparenz über dessen mangelnde Lösungskapazität schneller dessen Unfähigkeit beleuchtet wird.

These 7 – Ideologien

Ideologen werden weltweit weniger Zuspruch finden, da den Menschen kultur- und nationenübergreifend zunehmend die grundsätzliche Gleichheit aller Menschen – unabhängigvon fehlgeleiteten Interpretationen durch die Ideologien – bewusst wird. Erst die sachlich nicht gerechtfertigte unterschiedliche und ideologisch begründete Interpretation ein und derselben Realität hat in der Ver- gangenheit Konflikte über die Klärung der „wahren“ Interpretation verursacht. Die stärkere Transparenz über „die“ Realität wird dies in Zukunft eher verhindern.

Fazit

Nur die gesellschaftlichen Institutionen werden zukünftig bestehen bleiben, die es den Menschen ermöglichen, ihre Erkenntnisse in die eigene Vorgehensweise einzubauen. Die Offenbarung der eigenen Unwissenheit ist dann keine Schwäche mehr, sondern eine Stärke, wenn sie dafür genutzt wird, auf Ebene des Einzelnen und der Institution mit dem Lernen zu beginnen. Angesichts der Herausforderungen, vor denen die Menschheit steht, kann dies nur ein Zugewinn sein.