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Mittwoch, 1. Dezember 2010

Verändert Demographie die Gestaltungsmacht verschiedener Alterskohorten?

Am Montag hatte ich Gelegenheit, als Jury-Mitglied des Demografie-Preises des Instituts für demografische Zukunftsfähigkeit an der Ausarbeitung der Fragestellung für die nächste Ausschreibungsrunde 2011 mitzuwirken. Die gleichzeitige Befassung der Medien und der Blogosphäre mit #S21 und dem #JMStV wirkte dabei wie eine gewisse Ironie der Alterung der Gesellschaft. Dazu aber später mehr.

Der kommende Demografiepreis wird sich mit Machtverhältnissen zwischen den Alterskohorten innerhalb der Gesellschaft beschäftigen. Es bestand von Anfang an unter allen anwesenden Jury-Mitgliedern ein sehr hoher Grad an Konsens über die Feststellung, dass es bereits heute (und zukünftig noch viel stärker) intergenerative Konflikte innerhalb der Gesellschaft gibt, die zwar nicht explizit so genannt werden, in der politischen Gestaltung von Reformen aber immer stärker zum Tragen kommen. Die präventive Ablehnung von Rentenkürzungen in Folge des Sparpaketes (zur Bewältigung der Finanzkrise) und die Überwälzung der Kosten auf alle anderen Haushaltstypen (Rentner- und Pensionärshaushalte sind die Haushalte mit den geringsten Armutsquoten) ist ein Beispiel für den unausgesprochenen Generationenkonflikt, der zur Zeit in Folge der Alterung der Wählerschaft bei politischen Entscheidungen meist zu Gunsten einer Seite ausfällt. Im weiteren Verlauf der Diskussion wurde deutlich, dass aufgrund vielfältiger gesellschaftlicher Kausalketten auch die Renten- und Pensionsbezieher ein elementares Interesse daran haben müssten, dass die verbliebenen freien finanziellen Ressourcen (die es mit Blick auf die Verschuldung eigentlich ja gar nicht gibt) in die Jugend und die Bildungssysteme investiert werden. In den nächsten Jahren werden die Baby-Boomer in Rente gehen. Dann wird sich die bereits heute darstellbare Ungleichverteilung der (finanziellen) Ressourcen zwischen den verschiedenen Alterskohorten weiter zuspitzen.

Hieraus ergeben sich zwei Fragen. Erstens muss gefragt werden, ob die damit verbundenen Konflikte nicht pro-aktiv durch eine Reform institutioneller Regelungen (Gesetzesfolgenabschätzung, etc.) vermieden werden könnten. Bisherige Instrumente wie Quoten für Alterskohorten in Entscheidungsgremien haben die Ungleichverteilung nicht nur der Ressourcen sondern auch des Zugangs zu Entscheidungspositionen in Wirtschaft und Politik nicht verhindern können. Zweitens - und hier kommen die Diskussionen um #S21 und den #JMStV zum tragen - steht zu erwarten, dass die unteren und mittleren Alterskohorten mit Hilfe des Internets nach alternativen Möglichkeiten der Willensbekundungen suchen werden und damit die Legitimation des Systems der repräsentativen Demokratie der Nachkriegszeit in Frage gestellt wird. Die beiden genannten aktuellen Konflikte verdeutlichen sehr schön, was geschieht, wenn Partizipation nicht gelebt wird und der demokratische Wert des Bloggens (aufgrund einer gewissen Technikferne) nicht anerkannt wird.