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Mittwoch, 15. Dezember 2010

Regelungssysteme für informationelle Güter in 2035

Die Veranstaltung zur Verleihung des red dot Awards und die hohe Anzahl toller Ideen zum Communication Design hat den Zuschauern (v.a. den fachfremden) in beeindruckender Weise deutlich gemacht, welch Kreativität in den Unternehmen dieser Branche vorhanden ist. Dieser Eindruck verstärkte sich, als nach der Verleihung der Preise Grünkohl und Currywurst "gereicht" wurde.

Das Problem ist aus meiner Sicht aber, dass die grundsätzliche Nennung von Auftraggeber und Auftragnehmer im Zuge solcher Preisverleihungen eine unmittelbare Wertschätzung des eigentlich für die Kreativität Verantwortlichen verhindert. Der Agentur wird für die Kreativität gedankt, der Auftraggeber wird als weitsichtig dargestellt. Folge davon ist - vielleicht auch nur für Laien wie mich - dass das Design gesichtslos und in dem Sinne auch anonym erscheint. Vielmehr aber hätte (nicht nur?) mich an dem Abend auch die Motivation des kreativ Tätigen interessiert, in der entsprechenden Art und Weise ein Produkt gestaltet zu haben. Das heute bestehende juristische und ökonomische Regelungssystem verhindert aber leider allzu häufig, dass die Kunden und Nachfrager guter Ideen oder Kreationen mit dem Ideengeber in einen Austausch treten können, da der Marktmechanismus es vorsieht, dass Institutionen (bspw. Autofirmen) zwischen diesen stehen, die die Ideen ihrer Angestellten (Designer) vermarkten.

Diese Überlegungen nach der red dot Veranstaltung noch im Kopf habe ich gestern mit großem Interesse an der 2. Sitzung des Google-Collab-Kreises zur Reform der Regelungssystemen informationeller Güter teilnehmen können. Es war Aufgabe der Collab-Teilnehmer, mit Unterstützung der inhaltlichen "Coaches" der Veranstaltung (Max Senges von Google, Till Kreutzer) Eckpunkte für ein Szenario "Regelungssysteme für informationelle Güter im Jahre 2035" zu erarbeiten.


Neben der fachspezifischen Definition des Begriffs "informationelle Güter" ergaben sich wie bei jedem Szenario-Prozess natürlich auch prinzipielle Fragen:
  1. Welches Szenario ist bis 2035 denkbar (freie Variante) und welches ist möglich (realistische Variante)?
  2. Wie kann mit nicht-linearen Fortschreibungen umgegangen werden?
  3. In welchem Ausmaß soll die Gegenwart auch in der Zukunft stattfinden?
  4. Ab welchem Punkt wird aus der Analyse das Szenario?
Inhaltliche Perspektiven für 2035 bezogen sich auf die Rolle und das Selbstverständnis von Experten (aber auch Verwertern, Nutzern, Multiplikatoren et al.) , die Bedeutung eines reformierten Urheberrechts (wobei allerdings der Begriff an sich schon zu eng gefasst ist) für gesellschaftliche Innovationsfähigkeit und die zukünftige "Währung" zur Finanzierung der "Produktion" guter Ideen.

In den nächsten Wochen werden im Rahmen einer Delphi-Befragung 80 Experten zu diesem Szenario befragt. Das Ergebnis der Befragung findet Eingang in ein abschließendes Policy-Paper. Die im Anschluss an die Sitzung gehaltenen Vorträge von Fred von Lohmann, Niva Elkin-Koren und Eckhard Höffner können hier herunter geladen werden.

Es bleibt zu hoffen, dass der zukünftige Umgang mit informationellen Gütern in Zukunft besser als gegenwärtig gesellschaftliche Innovationen freisetzt und speziell den Ideengebern mehr Selbstbestimmtheit im Umgang mit ihren Ideen und Kreationen bietet.