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Donnerstag, 23. September 2010

Kann man die Risiken globaler Megatrends berechnen?

Die schwedische Aktienlegende Laszlo Szombatfalvy hat ein Buch under dem Titel "The greatest challenges of our time" geschrieben, in dem er sich mit zukünftigen Herausforderungen der Menschheit befasst und sie beschreibt:

a) Das Bevölkerungswachstum bedroht das gesamt globale Ökosystem.
b) Unökonomisches Wirtschaftswachstum verursacht schon heute weitreichende negative Externalitäten.
c) Wasserknappheit verursacht gesellschaftliche Konflikte.
d) Die Schädigung der Biosphäre zieht auch soziologische Folgeprobleme nach sich.
e) Die Fläche des fruchtbaren Ackerlandes nimmt sowohl absolut als auch pro Kopf ab.
f) Der Klimawandel hat vielfältige negative Folgen für die Menschheit.
g) Es drohen Tipping-Points, deren Auswirkungen nicht abzuschätzen sind.
h) Die weltpolitische Agenda wird durch globale Konflikte bestimmt, die nicht zum System der Nationalstattlichkeit passen.
i) "Politische Gewalt" und Massenvernichtungswaffen bedrohen die Weltgemeinschaft.
j) Global nicht vertretbare Reichtumsunterschiede verschärfen soziale Konfliktlagen.

Im weiteren Verlauf seiner Darstellung versucht er, sich dem Thema der globalen Megatrends von Seiten der Wahrscheinlichkeitsrechnung zu nähern. 

Grundsätzlich sind - so seine Schlussfolgerungen - technologiegetriebene Auswege aus den Problemen, die sich aus den globalen Megatrends ergeben, denkbar. Problematisch ist es allerdings, sich auf das Eintreten dieser Innovationen verlassen zu wollen. Die Finanzkrise hat uns gelehrt, was es bedeutet, einer globalen Krise gegenüber zu stehen. Der entscheidende Punkt ist aber, dass uns diese Krise nicht die Lebensgrundlage gekostet hat. Dies kann aber angesichts der sehr viel wichtigeren Megatrends zukünftig geschehen.

Alles was wir gegenwärtig angesichts dieser Bedrohungen unternehmen ist, auf die zukünftige technologische Entwicklung und den Übergang der politischen Entscheidet zu Langfristdenken zu hoffen. Damit setzen wir einem Glücksspiel gleich alles auf eine Karte in der Hoffnung, den Einsatz unserer Existenz in dieser Hoffnung auf zukünftige Lösungen nicht zu verlieren. Szombatfalvy präferiert aber bezüglich des Lösungsansatzes ein relativ konservatives Verständnis von Leadership, indem er am Ende feststellt: "What the world needs most today are sovereign statesmen in less sovereign states". 

Aus meiner Sicht wäre es sinnvoll gewesen, die Rolle des Internets als Brücke zwischen den Kulturen - im Sinne einer Kommunikation und nicht zwangsläufig auch eines Verstehens - aufzunehmen. Im Gegensatz dazu hofft er am Ende des Buches darauf, dass einige global relevante politische Akteure diese Notwendigkeit erkennen und helfen umzusetzen. Ihm ist zwar bewusst, dass populistisch gesteuerter und ausgenutzter Nationalismus dieser Notwendigkeit entgegen steht, zieht aber leider nicht den Schluss, die Möglichkeit der interkulturellen Partizipation zu nutzen.

Dabei wäre es von Vorteil, die Grundrisse einer neuen Weltordnung inclusive der Institutionen der globalen Governance natürlich nicht am Schreibtisch sondern gemeinsam mit den Menschen zu erarbeiten, die letztlich in diesem System leben würden.

Das größte Problem des geschilderten Ansatzes ist es aber meines Erachtens, globale Risiken mit Wahrscheinlichkeiten beschreiben zu wollen. Die Wahrscheinlichkeiten bedingen erstens eine genaue Quantifizierung und zweitens die Kenntnis eines Modells, das die Interdependenzen der Megatrends annähernd genau beschreibt. Beide Voraussetzungen sind aber meiner Meinung nach nicht gegeben.

Positiv ist es zu bewerten, dass das Thema globaler Megatrends ein Stück weit in Bereichen der Gesellschaft angekommen zu sein - und dann auch gelesen zu werden (Investmentbanker?) - die bisher wenige Schnittstellen zu diesem Thema hatten.