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Montag, 27. September 2010

Interdependenzen der globalen Megatrend - Vom Denkansatz zur Darstellung

Vor einigen Tagen DIE ZEIT einen Artikel online gestellt, der sich mit den sogenannten Millenniums-Zielen der Vereinten Nationen befasst. Hintergrund des Artikels ist der UN-Millenniums-Summit gewesen, der zwischen dem 20. und 22. September diesen Jahres stattgefunden hat und eine Zwischenbilanz auf dem Weg zum erreichen der Ziele darstellen sollte. Bereits im Vorfeld gab es in den Medien ausreichend Kritik dahin gehend, dass eine Erreichung dieser Ziele nicht mehr realistisch erscheint. Vor allem, so die Vorweganalyse, haben Jungen und Mädchen, die unter extremer Armut leiden, auch weiterhin die schlechtesten Chance, aus dieser Armut heraus zu kommen. Dass Müttern bei der Bewältigung dieser Herausforderung eine besondere Rolle zukommt, steht außer Zweifel. Wenn aber Familien als Adressat der Maßnahmen betrachtet werden, scheint es wenig sinnvoll, von vornherein fast die Hälfte der Weltbevölkerung von der Förderung auszuschließen, wie dies jetzt mit der beschlossenen Verwendung der finanziellen Ressourcen beschlossen worden ist.
Ein eher methodischer Aspekt, auf den DIE ZEIT in ihrer Kommentierung mit Hilfe einer Info-Graphik hingewiesen hat, betrifft die Betrachtung der Handlungsfelder als miteinander verwobene Kausalitäten. Vor einigen Monaten hatten wir bei www.futurechallenges.org diesen Versuch ebenfalls unternommen und eine Matrix der Interdependenzen erstellt (S. 14 der Publikation). Auch SPON hat gestern einen Artikel gepostet, der den Ansatz verdeutlicht, die Korrelationen der internationalen Megatrends - allerdings in ihren Auswirkungen auf die Anlagestruktur von institutionellen Investoren - mitzudenken.
Es ist demnach durchaus erkennbar, dass der Versuch der interdisziplinären und systemischen Betrachtung von globalen Entwicklungen immer mehr zum Allgemeingut wird (wobei aber die Fokussierung der Ressourcen auf ausgewählte Bevölkerungsgruppen einem systemischen Verständnis aus den schon genannten Gründen eher widerspricht).
Umso spannender werden die anstehenden Sessions des Global Economic Symposiums in Istanbul, in denen konsequent auf eine interdisziplinäre Betrachtung globaler Herausforderungen geachtet werden soll. Am Ende wird sich zeigen, in wie fern hochspezialisierte Experten die Sichtweisen von Kollegen anderer Fachrichtungen in die eigene Betrachtung und Analyse mit einbeziehen werden. Denn die Einbeziehung fachfremder Sichtweisen ist letztlich die Voraussetzung zur nachvollziehbaren Darstellung der Wechselwirkungen. Gelingt dies nicht, so diskutieren wir auch weiterhin in den einzelnen Themensäulen nebeneinander her. Man darf also gespannt sein.