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Dienstag, 24. August 2010

Internet und IKT: weg von der Blaumann-Debatte, hin zum gesellschaftlichen Kontext

Die DIHK ist zur Zeit damit befasst, eine Position u.a. zum Thema Netzneutralität zu erarbeiten. Um dieses Thema in einen gesellschaftspolitischen Kontext einordnen zu können, hatte man mich gebeten, von den Erfahrungen unseres Global Future Camp aus dem letzten Jahr und von der Erarbeitung der Internetplattform futurechallenges.org zu berichten. Das Ziel dieser kleinen Anhörung, im Zuge derer PD Dr. Kai von Lewinski von der Humboldt-Universität Berlin auch eine juristische Sichtweise der deutschen Netzpolitik darlegte, unvoreingenommen an das Thema heran zu gehen und sich in eine offene Diskussion zu begeben, ist begrüßenswert. 
Dass die Diskussion tatsächlich unvoreingenommen erfolgt, erwies sich dann im Nachgang zu meinem Vortrag. Meine als Einwürfe gedachten Punkte und Fragen trafen auf nicht solch emotionale Erwiderungen, wie ich sie aus vergleichbaren Diskussionsrunden bisher gewohnt war. Eine interessante Anmerkung in der Runde war, dass es sinnvoll sein, „Blaumann“-dominierte Breitbanddiskussionen endlich in einen gesellschaftspolitischen Kontext zu überführen und damit gleichsam zu „enttechnisieren“.
Meine Hauptthese war, dass die bisherige Selbstverortung und Selbstgewissheit der Gesellschaft, der sozialen, politischen und wirtschaftlichen Institutionen sowie der einzelnen Bürger ist in Auflösung begriffen ist. Das Internet ist dabei nicht das Problem, sondern die Lösung auf dem Weg, diese Auflösung zu thematisieren und nach einem neuen Konsens zu suchen.
Die Erosion von Gewissheiten und Interpretationshoheiten ist vor allem in der Wirtschaft (in ihrem Verhältnis zum Kunden) und in der Politik (im Verhältnis zum Bürger) zu beobachten. Grenzen zwischen Außen und Innen fallen bei Institutionen ebenso wie die bisherige Dominanz formaler interner Gestaltungsprinzipien weg. Die gleichzeitige Auflösung der Grenzen zwischen beruflicher und privater Rolle nutzen Unternehmen wie Google, um die Ideen der in der Freizeit kreativeren Mitarbeiter für die Verbesserung ihrer Produkte und Dienstleistungen zu nutzen. In der Politik relativiert sich die bisherige Funktion der Gatekeeper; eine dezentrale Diskursgesellschaft entwickelt sich. Diese dynamischen Entwicklungen auf individueller und institutioneller Ebene stellt alle Beteiligten vor große Herausforderungen. Es ist erstaunlich, wie offen die Teilnehmer sich dieser Perspektive gegenüber gezeigt haben; viel offener, als ich dies vor einiger Zeit in einem Seminar für Nachwuchsführungskräfte erlebt habe. 
Gilt damit q.e.d.?