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Dienstag, 29. Juni 2010

Skypecall mit Luis Suarez im Rahmen des #fc_org-Workshops

Im Rahmen des Projektes www.futurechallenges.org ergeben sich immer wieder neue Situationen und Erfahrungen zu veränderten Arbeitsprozessen, die durch die internetbasierte Vorgehensweise begründet sind.

So ist in den letzten Wochen zunehmend das Problem aufgetreten, dass wir Probleme hatten, die Masse der Mails zu beantworten, die uns aus dem Netzwerk erreichten. In Spitzenzeiten erreichen uns pro Person inzwischen bis zu 50 Mails in 2 Stunden. Rechnet man dies auf einen 3-wöchigen Urlaub und die sich daran anschließende Abarbeitungszeit der Mailbox um, wird deutlich, dass die Arbeit per Mail eventuell einer Veränderung unterzogen werden sollte. Die Bearbeitung eines solchen Mailaufkommen kann nicht mehr sinnvoll und effizient erfolgen.

So fügte es sich sehr gut, dass wir heute im Rahmen unseres Workshops für die Blogger der Plattform www.futurechallenges.org die Möglichkeit hatten, in einem Skypecall von der Erfahrungen von Luis Suarez zu hören. Suarez hat vor 2 Jahren in einem Blogbeitrag für die NYT ("I Freed Myself From E-Mail’s Grip") von seiner Absicht berichtet, ab diesem Zeitpunkt auf jegliche Form von Mailverkehr zu verzichten und ab sofort nur noch per Blog zu kommunizieren. Kann dies funktionieren und welche Implikationen hat dies für die Arbeit – so unsere Fragen vor dem Skypecall.


See the Light - Thinking Outside the Inbox from Luis Suarez on Vimeo (hier aus dem Jahre 2008).

Luis Suarez führte zu Beginn des Skypecalls die Vorteile auf, die die Veränderung des Kommunikations- und besser Kollaborationsverhaltens durch eine Abkehr vom Mailsystem mit sich bringt:
  • Die Arbeit wird dadurch produktiver, dass erstens nach Rückkehr aus dem Urlaub nicht Tage dafür verwendet werden müssen, um die Mailbox abzuarbeiten und zweitens dass Kommunikation (Zusammenarbeit) stets in einem Kontext stattfindet.
  • Kommunikation muss mit Blick auf die sozialen Plattformen und Blogs als Fluss von Informationen betrachtet werden. Es ist die Frage, in welcher Weise man am besten diesem Fluss-Bild Rechnung tragen kann. Zerstückelte und isolierte Informationseinheiten wie im Mailsystem können dies auf jeden Fall nicht leisten.
  • Kommunikation ohne Blick auf den Gesamtkontext findet dadurch nicht mehr statt sondern ist stets in den Zusammenhang (Projektpartner, Themen, Zeit) eingebettet. Hierfür eignen sich insbesondere Blogformate.
  • Blogs bieten zudem die Möglichkeit, sich ein komplexes Profil zu erarbeiten, mit dem der Arbeitnehmer nach außen indirekt auch für den Arbeitgeber werben kann. Es handelt sich demnach um eine win-win-Situation.
  • Das Mailsystem ermöglicht nur bilaterale Kommunikation; multilaterale Zusammenarbeit zu einem Thema kann realistischer Weise nicht erreicht werden.
  • Google Groups garantiert systembedingt keine konsistente Transparenz in allen Schritten der Zusammenarbeit.
  • Nie konnte der Arbeitgeber zufriedener mit der Transparenz über die Arbeit des Angestellten sein. Ein einfacher Blick in den Blog reicht vollkommen aus.
  • In der Summe macht Kommunikation (Zusammenarbeit) über soziale Plattformen und Blogs eine Institution in der Außen- wie auch Innenwahrnehmung auch menschlicher. Information und Arbeitsprozesse bekommen ein Gesicht und ein Bild.
Im Anschluss an den Vortrag wurden folgende Fragen gestellt:
  • Wie kann bei einer solchen Transparenz Sicherheit und Privatssphäre garantiert werden?
  • Antwort: Hierbei trägt Jeder, der in einer solchen Weise aktiv ist und damit sichtbar wird, Eigenverantwortung. Es muss klar unterschieden werden zwischen privater (intransparenter) und beruflicher (transparenter) Kommunikation.
  • Wie können Projektpartner und Kollegen von einer solchen Arbeitsweise überzeugt werden?
  • Antwort: Vormachen und von der Nützlichkeit für die Arbeit konkret und bedarfsorientiert überzeugen.
  • In welcher Weise kommt es bei dieser Art und Weise der Zusammenarbeit zu Konflikten mit gesetzlich vorgeschriebenen Archivierungsvorschriften?
  • Antwort: Aufgrund der kurzen Regulierungsvergangenheit bei internetbasierter Arbeit müssen adäquate Vorschriften erst noch im Zusammenarbeit mit den Anwendern formuliert werden.
Bedenklich stimmt bei einigem Nachdenken dann doch immer wieder vorzufindende zeitliche Verzögerung im “Reifeprozess” einer solchen Vorstellung. 2 Jahre ist nun der Post von Suarez alt. Erst jetzt profitieren wir in der Arbeit von der veränderten Perspektive. Wie lange dauert es grundsätzlich, bis ein solcher interessanter und notwendiger Perspektivwechsel im Mainstream angekommen ist?