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Dienstag, 8. Juni 2010

Politische Steuerung in einer interdependenten Welt

Heute hatte ich Gelegenheit, als einer von mehreren Referenten an der Sommerakademie Fürstenwalde der Kollegen aus dem Programm Europas Zukunft im Zuge eines Speed Geek teilzunehmen. Das Schloss Steinhöfel bot eine entsprechende Umgebung, um sich mit den Nachwuchsführungskräften über Europa und die Welt auszutauschen.
Unsere Studie zu den Auswirkungen der Demographie auf das perspektivische Wirtschaftswachstum war Ausgangspunkt der Frage, wie Steuerung in einer komplexen und interdependenten Welt eigentlich noch zu verwirklichen ist. So hatte unsere Studie gezeigt, dass allein durch die Hereinnahme der Demographie in die ökonomischen Modelle eine negative Niveauänderung der Wachstumsraten für die Zukunft zu erwarten ist. Allein bei Betrachtung der Wechselwirkung von nur zwei wichtigen Entwicklungen ergeben sich also gänzlich andere Resultate als Basis der politischen Planung als dies bei ausschließlicher Betrachtung des einen Trends bisher der Fall gewesen war.
Überträgt man das Beispiel auf eine Matrix mit 8 Megatrends, wird schnell ersichtlich, dass einerseits etliches Basiswissen über die Interdependenzen fehlt. Andererseits ist aber auch unklar, in welcher Weise eine solche Komplexität überhaupt Grundlage von Steuerung sein kann. Was bedeutet in diesem Kontext dann aber Steuerungsfähigkeit? Es kann dies natürlich nicht viel mehr sein als der Ansatz, einen Prozess zu moderieren, der zu einer Lösung bzw. Entscheidung führt, die unter den gegebenen unübersichtlichen Umständen die bestmögliche zu sein scheint.
Einige wenige Kommentare deuteten denn auch darauf hin, dass zwar das abstrakte Bewusstsein über diese geänderte Anforderung an politische Steuerung vorhanden ist, eine Übertragung auf das unmittelbare eigene Umfeld aber eher noch optimiert werden kann. Insgesamt bestand aber grundsätzlich Konsens darüber, dass Steuerungsmechanismen angepasst werden muss. Offen blieb aber letztlich – und dies war dem kompakten Format „geschuldet“ – welche Implikationen dies in der Konsequenz für interne Prozesse, Funktionen und Strukturen in jeder Art von Institution haben könnte. Dass dies nicht ohne Folgen im Außenverhältnis zu Kunden, Wählern und Arbeitnehmern bleiben kann, ist direkt nachvollziehbar.